Bonuskapitel - Lili

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(zeitlich nach Kapitel 32)

Aufmerksame blaue Augen, hochgewachsene Statur, kurz geschorenes braunes Haar, markante Gesichtszüge, die breiten Arme vor der muskulösen Brust verschränkt. Xandyr North.

Es war jetzt ziemlich genau eine Stunde her, seit Kaya und Fang die Welpen und den Jäger hier abgeladen hatten und dann wieder verschwunden waren - auf dem Weg zurück zum Rudel. Um den Anführer des Berg-Rudels herauszufordern.

In dieser Stunde hatte der hochgewachsene Wolfs-Gestaltswandler sich nicht von der Couch bewegt, auf der er sich nur wenige Minuten nach Kayas Verlassen des Hauses, mit einem tiefen Seufzer niedergelassen hatte.

Maeve hatte sich dazu bereit erklärt, die erste Wache im Garten zu halten. "Nur um sicher zu gehen.", hatte sie gemurmelt, eine tiefe Sorgenfalte auf der Stirn und hatte Xandyr einen letzten strengen Blick zugeworfen, bevor sie durch die Terassentür ins Freie gestiegen war.

Lili, die nicht ganz wusste, was sie mit dem Neuankömmling und den Welpen anfangen sollte, hatte sich aufgewühlt durch die kurzen, blonden Strähnen gefahren und sich hilfesuchend zu dem Jäger umgedreht, dessen Augen bereits auf ihr gelegen hatten.

"Na? Schon überfordert?"

Ein feines Grinsen hatte sich auf die Lippen ihres Gegenübers gestohlen. Sie wollte die Frage schon ignorieren, als sie die Neugierde doch am Kragen packte und sie sich entschied, dass sie genauso gut Informationen aus dem Mann prügeln konnte, der sich bei ihrem Schritt in seine Richtung, sofort gerader auf die Couch setzte. Fast so, als wollte er seine Präsenz in diesem Raum vergrößern.

Nur mit Mühe unterdrückte Lili ein amüsiertes Schnauben.

Ein Blick auf die Welpen verriet ihr, dass diese fast alle bereits vor Erschöpfung eingeschlafen waren. Der Weg hier her musste ihnen die letzte Energie geraubt haben. Aber auch so, sah sie, dass viele der Kleinen ziemlich abgemagert und kränklich aussahen. Und das, obwohl sie keine Wolfs-Expertin war, wie ihre beste Freundin Kaya.

"Ignorierst du mich?", Xandyr schob sich ein weiteres Mal in ihr Blickfeld und sie hob eine Augenbraue. Der Typ bildete sich definitiv zu viel auf sich ein, wie sie in durch seine gesamte Körperhaltung bestätigt bekam.

"Was, wenn es so wäre?", sie ließ sich auf dem Sessel ihm gegenüber nieder und wartete neugierig auf die Reaktion, die diese Aussage in ihrem Gegenüber wohl hervorkitzeln würde.

Xandyr lachte. Er hatte ein volles und tiefes Lachen, das angenehm in ihren Ohren widerhallte.

"Ich kann sehr überzeugend werden, aber das willst du sicher nicht herausfinden, hab' ich Recht?", sie beobachtete den Brünetten dabei, wie er sich in einer einzigen schnellen Bewegung aufrechter aufstützte und die Muskeln in seinen Oberarmen rollten.

Lilis Blick haftete sich kurz auf die eindrucksvollen Adern, die dabei seine Handrücken zeichneten, dann ließ sie sich zu einem amüsierten Kichern herab, als sie sich in ihrem Sessel zurücklehnte und mit den Augen auf ihn geheftet, sagte:
"Bellende Hunde beißen nicht."

Sie zuckte mit den Schultern, als würde sie hinzufügen wollen "Das weiß jeder Idiot".

Ein ungläubiges Lachen entfloh Xandyrs Kehle. Dann beobachtete sie mit einem hitzigen Kribbeln im Bauch, wie sich seine linke Augenbraue in die Höhe schon, die, die durch eine winzige Narbe durchtrennt wurde. Verfluchte Hormone. Eigentlich wollte sie den Gestaltswandler hassen, aber ihr Körper strafte sie sofort lügen. Xandyr North war viel zu attraktiv, als das sie darüber hinwegsehen konnte.

„Hunde vielleicht nicht.", ein wölfisches Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus und er rückte über die Kante der Couch näher zu ihr, „Aber ich beiße schon. Zumindest einmal, wenn man mich danach fragt."

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