Kapitel 4

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Der Morgen erhellt sich langsam, und die ersten Sonnenstrahlen dringen durch die Vorhänge meines Zimmers. Ich wache auf und strecke mich müde aus. Der Tag verspricht einen klaren Himmel und angenehme Temperaturen – ein typischer, sonniger Tag auf dem Campus. Doch trotz des strahlenden Wetters fühlt sich mein Herz schwer an, belastet von den Gedanken an Ryan und die Begegnung von gestern.

Nachdem ich mich frisch gemacht habe, gehe ich in die Küche des Wohnheims, um mir ein einfaches Frühstück zu bereiten. Der Gemeinschaftsraum ist noch relativ leer, und ich genieße die stille Atmosphäre, während ich meine Tasse Kaffee genieße und mir ein wenig Toast schmiere. Der Duft des Kaffees, der in der kleinen Küche wabert, ist beruhigend, und ich versuche, die Gedanken an Ryan zu verdrängen und mich auf den bevorstehenden Tag zu konzentrieren.

Der Campus liegt nur einen kurzen Fußweg entfernt, und ich mache mich auf den Weg zu den Vorlesungen. Die Straßen sind belebt, und das geschäftige Treiben der Studenten erinnert mich daran, dass ich nicht allein bin. Die Cafés und Buchläden, die entlang des Campus zu finden sind, bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Ablenkung, und ich hoffe, dass ich heute in der Lage sein werde, mich auf das Studium zu konzentrieren und die persönlichen Konflikte beiseite zu schieben.

Der Tag verläuft gut, die Vorlesungen sind spannend, und das Gespräch mit den Kommilitonen lenkt mich ab. Doch während ich die Gedanken an den Unterricht und die Hausaufgaben vorantreibe, kann ich nicht verhindern, dass meine Gedanken immer wieder zu Ryan zurückkehren. Die Frage, wie es weitergeht und ob wir einen Weg finden können, unsere Beziehung zu klären, beschäftigt mich.

Als der Nachmittag einsetzt, entscheide ich mich, in das nahegelegene Café zu gehen, um etwas Ruhe zu finden. Das Café ist ein kleiner, gemütlicher Ort, dessen Wände mit alten Fotografien und Kunstwerken geschmückt sind. Die Geräuschkulisse ist angenehm – das leise Murmeln von Gesprächen, das Klirren von Tassen und das gelegentliche Lachen von Studenten, die sich dort treffen.

Ich setze mich an einen Tisch in der Ecke und bestelle einen Cappuccino. Während ich auf meine Bestellung warte, lasse ich meinen Blick durch den Raum schweifen. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und die entspannte Atmosphäre helfen mir, meine Gedanken zu ordnen. Gerade als ich anfange, in einem Buch zu lesen, bemerke ich eine vertraute Gestalt am Eingang des Cafés.

Ryan tritt ein und sieht sich um. Sein Blick trifft meinen, und für einen Moment bin ich wie gelähmt. Die Erinnerungen an unsere letzte Begegnung blitzen vor meinem inneren Auge auf, und ich fühle eine Mischung aus Überraschung und Nervosität. Ryan sieht unsicher aus, als er auf mich zukommt, und ich versuche, meine Gefühle zu unterdrücken.

„Hallo, Emma“, sagt Ryan, als er sich an meinen Tisch setzt. „Darf ich mich setzen?“

Ich nicke zögernd. „Ja, bitte.“

Ryan setzt sich mir gegenüber, und wir sitzen uns schweigend gegenüber. Die Zeit scheint sich zu dehnen, während wir auf die Ankunft unserer Getränke warten. Die Geräusche des Cafés sind wie eine leise Hintergrundmusik, die die angespannte Stimmung zwischen uns unterstreicht.

„Wie geht es dir?“ fragt Ryan schließlich. Seine Stimme klingt ernst, und ich kann die Unsicherheit in seinen Augen sehen. „Ich hoffe, ich störe dich nicht.“

„Es geht“, antworte ich, während ich versuche, meine Emotionen zu kontrollieren. „Ich habe viel zu tun. Das Studium hält mich beschäftigt.“

„Das ist gut“, sagt Ryan. „Ich wollte dich nur sehen. Ich weiß, dass unsere letzte Begegnung nicht gerade ideal war, und ich wollte mich entschuldigen.“

„Das brauchst du nicht“, erwidere ich, während ich nervös mit dem Löffel in meiner Tasse herumrühre. „Wir haben es schon geklärt, oder?“

„Vielleicht“, sagt er, und ich kann die Unsicherheit in seiner Stimme hören. „Aber ich wollte sicherstellen, dass du weißt, dass es mir wirklich leid tut. Ich wollte dir nicht wehtun.“

„Ich habe nie gedacht, dass du das tust“, sage ich, und meine Stimme wird schärfer. „Es ist nur… es ist schwierig für mich, all das neu zu verarbeiten.“

„Ich verstehe“, sagt Ryan, und ich kann sehen, wie er versucht, seine Gedanken zu ordnen. „Vielleicht sollten wir einfach versuchen, die Dinge aus der Vergangenheit zu klären. Ich möchte nicht, dass wir so weitermachen, ohne zumindest einen Versuch gemacht zu haben.“

„Es ist nicht so einfach“, sage ich und merke, wie sich mein Ärger erneut regt. „Es gibt viele Dinge, die ungelöst sind. Wir können nicht einfach tun, als wäre nichts geschehen.“

„Ich weiß“, sagt er und senkt den Blick auf seinen Kaffeebecher. „Aber ich hoffe, dass wir zumindest einen Anfang machen können. Ich möchte nicht, dass wir uns weiterhin aus dem Weg gehen.“

Das Gespräch verläuft zäh, und die Unbeholfenheit zwischen uns ist spürbar. Die Entschuldigung von Ryan ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie kann nicht die Komplexität unserer Situation lösen. Die Wunden, die unsere Trennung hinterlassen hat, sind tief, und es ist klar, dass es noch viel gibt, was wir klären müssen.

„Vielleicht ist es besser, wenn wir uns erst einmal aus dem Weg gehen“, schlage ich vor, als ich merke, wie mein Geduldsfaden langsam reißt. „Ich brauche Zeit, um all das zu verarbeiten.“

„Wenn das das Beste für dich ist, verstehe ich das“, sagt Ryan, und ich sehe die Enttäuschung in seinen Augen. „Ich wollte nur, dass du weißt, dass ich bereit bin, daran zu arbeiten, wenn du es auch willst.“

Wir stehen auf und verabschieden uns höflich. Ryan verlässt das Café, und ich sehe ihm nach, während er in der Menge verschwindet. Die Begegnung war nicht einfach, und obwohl er versucht hat, sich zu entschuldigen, fühle ich mich immer noch unzufrieden und verwirrt.

Der Nachmittag neigt sich dem Ende zu, und ich gehe zurück zu meinem Wohnheim. Die Stadt draußen wirkt lebendig und pulsierend, doch ich fühle mich innerlich ausgebrannt. Die Gedanken an das Gespräch mit Ryan und die ungelösten Fragen, die bleiben, lassen mir keine Ruhe.

In meinem Zimmer angekommen, lasse ich mich auf mein Bett fallen und starre an die Decke. Der Tag war voller emotionale Herausforderungen, und es ist klar, dass ich noch lange nicht über das hinweg bin, was zwischen uns passiert ist. Der Gedanke an die vergangene Beziehung und die offenen Fragen, die sie hinterlassen hat, quälen mich weiterhin.

Der Abend bricht an, und ich bereite mir eine einfache Mahlzeit vor. Die Routine gibt mir ein gewisses Gefühl von Normalität, doch ich kann die Unruhe in meinem Inneren nicht verbergen. Die Stadt draußen wird von den Lichtern der Straßenlaternen beleuchtet, und die Stille meines Zimmers wird nur von den leisen Geräuschen der Stadt unterbrochen.

Als ich mich ins Bett lege, versuche ich, die Gedanken an Ryan zu ordnen und eine Lösung für die Herausforderungen zu finden, die noch vor mir liegen. Die Stadt draußen lebt weiter, und die Lichter blitzen in der Dunkelheit wie ein ferner, unerreichbarer Traum. Doch für mich bleibt die Realität der ungelösten Konflikte und der emotionalen Last, die ich tragen muss.

Ich schließe die Augen und lasse mich in den Schlaf sinken, während die Gedanken an die Begegnung mit Ryan und die Unsicherheit über die Zukunft in meinem Kopf herumwirbeln. Es wird Zeit brauchen, um die Wunden zu heilen und einen neuen Weg zu finden, aber ich weiß, dass ich diesen Weg alleine oder mit Ryan an meiner Seite gehen muss, je nachdem, wie es sich entwickeln wird.

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