Kapitel 10

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Die Woche verläuft routinemäßig, und ich beginne mich allmählich in den Alltag der Universität und das Leben in der neuen Stadt einzufinden. Die Vorlesungen sind anspruchsvoll, aber ich genieße es, mich mit den verschiedenen Themen auseinanderzusetzen. Auch die regelmäßigen Treffen mit meiner Studiengruppe laufen gut, und ich fühle mich zunehmend wohl im Umgang mit meinen neuen Kommilitonen.

Am Freitagabend habe ich beschlossen, mir eine kleine Auszeit zu gönnen. Ich plane, den Abend im „Blue Moon Café“ zu verbringen, einem kleinen, charmanten Ort, der für seine entspannte Atmosphäre und seine Live-Musik bekannt ist. Sarah hat mir von dem Café erzählt, und ich bin neugierig, es selbst auszuprobieren.

Als ich das Café betrete, werde ich von einer warmen, einladenden Atmosphäre empfangen. Die Wände sind mit bunten Postern und Bildern geschmückt, und die sanfte Beleuchtung schafft eine gemütliche Stimmung. Die Musiker auf der kleinen Bühne in der Ecke spielen sanfte Jazz-Klänge, die die gesamte Umgebung mit einer angenehmen Melodie erfüllen. Der Raum ist gut besucht, aber es gibt noch einige freie Plätze.

Ich suche mir einen Tisch in der Nähe der Bühne und bestelle einen Cappuccino und ein Stück Kuchen. Während ich auf meine Bestellung warte, genieße ich die Musik und die entspannte Atmosphäre des Cafés. Die Musik ist beruhigend und trägt dazu bei, meine Gedanken zu klären und den Stress der Woche hinter mir zu lassen.

Plötzlich höre ich eine vertraute Stimme, die ich aus dem Hintergrund herausfiltern kann. Es ist eine Stimme, die ich seit unserem letzten Treffen am Flohmarkt nicht mehr gehört habe. Ich drehe mich vorsichtig um und sehe Ryan am Eingang des Cafés stehen. Er scheint mich ebenfalls entdeckt zu haben und zögert einen Moment, bevor er auf mich zukommt.

„Emma,“ sagt er, als er näher kommt. „Ich hätte nicht gedacht, dich hier zu sehen.“

„Ryan,“ erwidere ich überrascht. „Ich habe dich nicht erwartet. Was machst du hier?“

„Ich bin gerade auf dem Weg zu einem Treffen mit ein paar Freunden und habe beschlossen, vorher noch einen Kaffee zu trinken,“ erklärt Ryan. „Das Café wurde mir empfohlen, und ich dachte, ich schau mal rein.“

„Das ist ein netter Ort,“ sage ich und versuche, meine Überraschung zu verbergen. „Ich genieße hier gerade die Musik und ein Stück Kuchen.“

„Das klingt gut,“ sagt Ryan. „Darf ich mich vielleicht zu dir setzen?“

Ich überlege einen Moment, dann nicke ich. „Natürlich, nimm bitte Platz.“

Ryan setzt sich an meinen Tisch, und wir beginnen, uns über allgemeine Themen zu unterhalten. Es ist ein wenig holprig am Anfang, aber die entspannte Atmosphäre des Cafés hilft dabei, das Gespräch in Gang zu bringen. Wir reden über die Musik, die wir hören, und über unsere Erfahrungen an der Universität. Die Gespräche sind höflich und neutral, aber es gibt immer noch eine spürbare Spannung zwischen uns.

„Wie findest du das Studium bisher?“ frage ich schließlich, um das Gespräch fortzuführen.

„Es ist intensiv,“ sagt Ryan. „Aber ich lerne viel und genieße es, mich mit den neuen Themen auseinanderzusetzen. Wie läuft es bei dir?“

„Ganz gut,“ antworte ich. „Es gibt viel zu tun, aber ich fühle mich allmählich wohl und finde meinen Rhythmus.“

Während wir uns unterhalten, bemerke ich, dass Ryan manchmal einen nachdenklichen Blick auf mich wirft. Es ist, als ob er versucht, mehr über meine Gefühle und Gedanken herauszufinden. Ich bin mir jedoch nicht sicher, wie ich auf seine Fragen und Bemerkungen reagieren soll, da die Vergangenheit immer noch eine große Rolle in meinen Gedanken spielt.

„Weißt du,“ sagt Ryan schließlich, „ich wollte dir etwas sagen. Das letzte Mal, als wir uns getroffen haben, war das ein ziemlich unangenehmes Erlebnis. Ich hoffe, dass wir das irgendwie klären können.“

Ich spüre, wie mein Herz schneller schlägt. „Ryan, ich weiß nicht, ob wir das jetzt klären sollten. Es gibt immer noch viele ungelöste Fragen, und ich bin mir nicht sicher, wie ich damit umgehen soll.“

„Ich verstehe,“ sagt Ryan. „Es tut mir leid, dass ich dich in eine unangenehme Lage gebracht habe. Ich möchte einfach, dass du weißt, dass es mir leid tut und dass ich hoffe, wir können zumindest freundschaftlich miteinander umgehen.“

„Ich schätze deine Worte,“ antworte ich. „Aber ich denke, es ist besser, wenn wir uns Zeit nehmen, um die Dinge in Ruhe zu klären.“

„Ja, das klingt vernünftig,“ sagt Ryan. „Ich wollte dich auf keinen Fall bedrängen. Vielleicht können wir einfach versuchen, uns normal zu unterhalten und sehen, wie es weitergeht.“

Die Unterhaltung wird von der Live-Musik auf der Bühne und dem Rauschen der Gespräche im Café begleitet. Die Atmosphäre ist entspannt, und ich beginne, mich etwas wohler zu fühlen. Ryan und ich plaudern weiter, und obwohl die Gespräche anfangs ein wenig steif sind, wird es allmählich leichter, sich miteinander zu unterhalten.

Nachdem wir eine Weile geplaudert haben, bemerken wir, dass die Zeit schnell vergangen ist. Ryan verabschiedet sich höflich und sagt, dass er sich nun mit seinen Freunden treffen wird. „Es war schön, dich wiederzusehen, Emma,“ sagt er, als er aufsteht. „Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.“

„Ja, das hoffe ich auch,“ sage ich und lächle ihm zu. „Viel Spaß beim Treffen.“

Nachdem Ryan gegangen ist, bleibe ich noch eine Weile im Café und genieße den Rest der Musik und meinen Cappuccino. Die Begegnung war überraschend und ein wenig emotional, aber ich fühle mich erleichtert, dass wir wenigstens in der Lage sind, höflich und respektvoll miteinander zu sprechen.

Als ich das Café verlasse, ist die Stadt in den Abendlichtern erleuchtet. Die Straßen sind noch belebter als zuvor, und die Menschen strömen in die Restaurants und Bars, um den Freitagabend zu genießen. Ich schlendere durch die Straßen und lasse die Eindrücke des Abends auf mich wirken.

Wieder im Wohnheim angekommen, reflektiere ich über die Begegnung mit Ryan. Es war ein Schritt, um die Dinge zu klären, aber es ist klar, dass noch viele Fragen offen sind. Die Gespräche haben mir gezeigt, dass wir beide auf eine gewisse Weise Veränderungen durchlebt haben, aber es gibt noch viel, was wir beide verstehen und klären müssen.

Mit diesen Gedanken lege ich mich ins Bett und hoffe, dass die kommenden Tage weitere Klarheit bringen werden. Die Stadt, die neue Umgebung und die Begegnungen, die ich mache, werden Teil meines Weges sein, und ich bin bereit, mich diesen Herausforderungen zu stellen und die Chancen zu nutzen, die sich mir bieten.

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