„Kannst du aufhören? Das ist extrem irritierend“, fuhr Remus Sirius an. Die Anspannung in der Luft war deutlich spürbar. Schließlich war sie auch das einzig wahrnehmbare neben dem Geräusch von Sirius‘ Fuß, mit dem er in regelmäßig, aber unglaublich schnell auf den Boden hämmerte. Es war das einzige Indiz für seine Nervosität, sonst wirkte er ganz ruhig und er weigerte sich, schon seit er gestern eingewilligt hatte mitzugehen, vehement dagegen, Angst oder Aufregung zuzugeben. Remus blieb ebenfalls stark, gab aber zumindest zu, dass ihm nicht ganz wohl bei der Sache war, sobald sie in einen fast senkrechten, pechschwarzen Tunnel unter dem Waschbecken im Mädchenklo hatten springen müssen, außerdem war er sehr leicht reizbar seit gestern. Harry ließ sich nichts anmerken, außer leicht verspannten Schultern und dass er ständig nach Ginnys Hand griff und versuchte sie hinter sich in Sicherheit zu ziehen. Als ob sein Körper als Schutzschild gegen eine mit einem Blick massenmordende, aggressive Riesenschlange irgendeine Chance hätte. Ginny trat dann immer wieder neben ihn und zog behutsam Kreise mit ihrem Finger über seinen Handrücken. Sie hatte nichts dagegen, immerhin hielt es sie davon ab, vor Angst an ihre Fingernägeln zu knibbeln. Dass sie gerade in völliger, undurchdringlicher Dunkelheit hier standen, machte es nicht besser. „Lumos“, ertönte es da endlich von Dumbledore, dem einzigen, der komplett selbstsicher schien und helles Licht erleuchtete den Raum. Es war eigentlich nur kalter, nasser Stein soweit das Auge oder in diesem Fall das Licht reicht. „Das ist ja nicht besonders spektakulär. Ich hab mir das alles viel größer vorgestellt. Wo soll denn hier eine Riesenschlange überhaupt hinpassen?“, fragte Sirius da. Harry antwortete trocken: „Das ist der Vorraum. Wir müssen da durch.“ Mit seiner freien Hand, die nicht Ginnys krampfhaft umklammerte, als würde sie in Staub zerfallen, sollte er seinen Griff nur ein bisschen lockern, deutete er auf ein auffälliges Emblem in der Wand etwas von ihnen entfernt. „Hm“, war Sirius einzige Antwort. Ohne weitere Worte begannen sie sich ihren Weg dorthin zu bahnen. Geröll lag auf dem Boden und es war so glitschig, dass man aufpassen musste nicht auszurutschen. Zum Glück war der Weg nicht weit und alle kamen heile an. Dann standen sie schweigend vor dem Emblem, dass jetzt gut erkennbar war. Es zeigte einige steinerne, schmale Schlangen, die sich in der runden Form in Kringeln wanden. Ginny atmete tief aus. Ihre Atemzüge waren seit ihrer Ankunft in Dumbledores Büro stetig kürzer und flacher geworden, so sehr, dass es in ihrer Lunge beinah wehtat, aber sie zwang sich tief und regelmäßig weiterzuatmen, obwohl ihr Körper ihr vormachte, dass diese Luft nicht ausreichte und sie stattdessen schneller und heftiger atmen sollte. Sie versuchte, ihren Fokus umzulenken, nämlich auf das einzig Gute hier unten. Harrys Hand, die sicher und stark in ihrer lag. Sie erwiderte den Druck seiner Hand und er sah sie besorgt von der Seite an. Sie spürte seinen Blick, konnte aber nicht hinschauen. Zu viel passierte gerade und ihn jetzt anzusehen, würde das Fass zum überlaufen bringen, obwohl sie spürte, wie er sich nur nach einem Augenkontakt verzerrte. Seit gestern hatte sie ihn unauffällig gemieden, während er ihre Nähe immer wieder gesucht hatte. Den restlichen Tag nach Dumbledores Besuch hatte sie sich zurückgezogen, draußen einen langen Spaziergang gemacht, meditiert und mit Lily in der Potter‘schen Bibliothek gelesen. Nur beim Abendessen hatten sie sich gesehen und anschließend beim Schlafengehen. Doch beim Abendessen waren alle anderen auch dort gewesen und selbst als sie danach alleine in Harrys Zimmer waren, hatte Ginny sich hingelegt, während Harry noch im Bad duschte und so getan, als wäre sie eingeschlafen als er wiederkam. Morgens aufgestanden, war sie bereits um 5 Uhr, als er noch geschlafen hatte. Nicht, weil sie wollte, aber weil der Gedanke an die Kammer des Schreckens sie aus dem Schlaf quälte. Harry sah sie erst beim Frühstück nach ihrer ausgiebigen morgendlichen Joggingrunde, die ihr zu dem Zeitpunkt sehr richtig erschien. Doch jetzt nagten Ängste an ihr, dass sie sich zu sehr ausgepowert hatte. Irgendwann mitten im Wald, zwischen dem bunten Herbstlaub, hatte sie plötzlich begonnen sich unsicher zu fühlen, der Gedanke an eine monströse Schlange, die sie verfolgte, trieb sie an und sie war so schnell gerannt, wie sie konnte, bis sie Potter Manor erreicht hatte.
DU LIEST GERADE
Zeitreise
FanfictionHarry und Ginny reisen ungewollt durch die Zeit ins Jahr 1978, das Abschlussjahr der Rumtreiber. Dort lernen sie die Rumtreiber näher kennen und wünschen sich jetzt mehr denn je, dass sie ihre Zukunft erleben. Und was, wenn das möglich ist? Was wäre...
