Amalia's Sicht:
Ich war allein im Zimmer, als das Telefon klingelte.
Die Nummer erkannte ich sofort – die Klinik. Mein Herz schlug sofort schneller. Für einen Moment starrte ich nur auf das Display, als könnte ich durch den Bildschirm spüren, was gleich auf mich zukommen würde.
Ich atmete tief durch, zwang meine Stimme zur Ruhe. Dann nahm ich ab. „Hallo?"
„Frau Jansen? Hier spricht Dr. Reber. Haben Sie einen Moment?"
Die Stimme war freundlich. Behutsam. Und genau das machte mir Angst.
„Ja", antwortete ich. „Natürlich."
Ich hörte, wie er einmal tief einatmete. Dann kam es, ruhig und klar, ohne Umschweife:
„Wir haben die aktuellen Blutwerte und Bildaufnahmen ausgewertet. Ich... es tut mir leid, aber die Therapie spricht bislang nicht so an, wie wir es erhofft hatten."
Mir wurde kalt. Nicht äußerlich – tief innen. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
„Was... bedeutet das?", fragte ich. Meine Stimme war leiser, als ich wollte.
„Es bedeutet, dass der Krebs aggressiver ist, als wir dachten. Wir werden natürlich weitere Optionen prüfen, andere Medikamente, eventuell eine Stammzelltransplantation. Aber im Moment... sind die Chancen deutlich gesunken."
Ich schluckte hart, drehte mich zur Wand. Starrte auf den Fensterspalt, durch den das graue Licht fiel.
„Wie viel... Zeit?" Ich hatte gehofft, die Frage nicht stellen zu müssen. Aber sie kam einfach über meine Lippen.
Am anderen Ende war einen Moment Stille. Dann: „Es lässt sich schwer sagen. Vielleicht Monate. Vielleicht weniger, wenn der Verlauf sich beschleunigt."
Ich schloss die Augen. Alles in mir zog sich zusammen. Ich wollte schreien, wollte weinen, wollte einfach nicht... nicht das hören.
Aber ich sagte nur: „Verstehe."
„Wir geben nicht auf", fügte er hinzu. „Wir kämpfen weiter. Aber Sie sollten wissen, worauf wir uns einlassen."
„Danke, Herr Doktor", sagte ich. Ganz ruhig. Zu ruhig. Und dann legte ich auf.
Das Zimmer war still. Viel zu still.
Ich blieb noch lange sitzen. Starrte auf meine Hände. Spürte, wie sich die Kälte in meinem Inneren ausbreitete. Nicht wegen des Zimmers. Sondern wegen der Angst. Und wegen dem, was ich nun wusste – und die anderen nicht.
Ich durfte es ihnen nicht sagen. Noch nicht. Nicht Eddie. Und auch nicht Venom.
Sie würden es nicht verkraften. Eddie würde sich selbst dafür die Schuld geben. Und Venom... ich glaube, er würde wütend werden. Auf die Welt. Auf alles. Und das würde sie zerstören.
Also wischte ich mir die Augen trocken. Tief durchatmen. Lächeln. Haltung. Ich konnte das. Ich musste das.
Ich hörte, wie unten die Tür aufging. Schritte. Stimmen. Lachen. Eddie. Und dieser halb-genervte, halb-witzige Kommentar von Venom, der mich sonst zum Lächeln brachte.
Ich stand auf, ging zur Tür, wartete.
Als sie hereinkamen, lächelte ich.
„Hey. Ihr habt was verpasst. Ich hatte ein richtig spannendes Gespräch mit einer Zimmerpflanze."
Eddie grinste, trat zu mir. „Sie hat's überlebt?"
„Knapp", sagte ich. Ich klang fast überzeugend.
Und als er mich küsste, sagte ich den Satz, den ich nun lernen musste perfekt zu spielen: „Alles ist gut."
*Einige Tage später*
Ich wurde schwächer. Es war nicht mehr zu leugnen.
Die Wege vom Bett zur Küche wurden zu Wanderungen. Mein Herz raste bei der kleinsten Bewegung, und in manchen Nächten lag ich wach, zu erschöpft zum Schlafen, aber zu unruhig zum Ruhen. Mein Körper schrie – leise, aber stetig.
Doch ich lächelte.
Wenn Eddie mich ansah, zog ich die Schultern gerade. Wenn Venom einen Spruch klopfte, lachte ich. Ich wollte nicht, dass sie es wussten. Nicht jetzt. Nicht, wenn sie endlich wieder Hoffnung hatten.
Ich sah es ihnen an – besonders Eddie. Er wirkte leichter, gelöster. Wenn er glaubte, dass es besser wurde, lächelte er häufiger. Und Venom... so seltsam es auch war, schien sanfter zu werden, seitdem er sich Sorgen machte.
„Sie ist tapfer", sagte er eines Abends in der Küche, während Eddie mir einen Tee machte. „Aber irgendetwas stimmt nicht. Ich fühle es."
Ich spürte, wie sein Blick auf mir ruhte, auch wenn er keinen eigenen Körper hatte.
Ich drehte mich zu ihm, lehnte mich an die Arbeitsplatte, der Dampf der Tasse stieg mir ins Gesicht.
„Du bist wirklich wie ein Schatten", flüsterte ich.
„Du riechst anders. Schwächer. Du atmest... flacher. Du tust so, als wäre alles gut."
Ich zwang ein Lächeln. „Ich bin einfach müde. Das ist normal. Oder willst du mir erzählen, dass du Medizin studiert hast, Venom?"
Ein Schnauben. „Ich weiß, wenn ein Herz Angst hat. Wenn eine Lüge lebt."
Ich sagte nichts.
Eddie kam zurück, setzte sich neben mich, legte eine Decke um meine Schultern. „Du frierst wieder?"
Ich nickte. „Nur ein bisschen. Ist bestimmt das Wetter."
Lüge Nummer 32. Ich hatte langsam den Überblick verloren.
⸻
In den Tagen danach verschlimmerte sich alles. Ich begann, Wörter zu vergessen. Zuckungen in meinen Händen. Kopfschmerzen, die mir das Licht raubten. Einmal kippte ich im Flur fast um, fing mich aber an der Wand ab – und atmete einfach ein paar Minuten tief durch, bis die Welt sich wieder gerade rückte.
Ich erzählte es niemandem.
Stattdessen redete ich über Filme, über verrückte Essenskombinationen, die Venom unbedingt ausprobieren wollte („Frittierte Schokolade mit Thunfisch! Ich meine es ernst!"), und tat so, als wäre ich auf dem Weg der Besserung.
Manchmal glaubte ich selbst daran.
Meistens nicht.
Aber ich konnte diesen Moment nicht zerstören. Nicht, solange ich noch stehen konnte. Solange ich noch atmen konnte. Ich wollte ihnen einen Alltag schenken, der sich normal anfühlte. Wenn auch nur für ein paar Tage.
Ich wusste, was kam. Ich spürte es. Der Moment, in dem ich es nicht mehr verbergen konnte.
Aber noch war er nicht da.
Und bis dahin... spielte ich weiter.
DU LIEST GERADE
𝐷𝑢 𝑔𝑒ℎ𝑜̈𝑟𝑠𝑡 𝑚𝑖𝑟
FanfictionDu bist Y/n das normale Junge Mädchen im Alter von 20 Jahren und triffst deinen alten Freund Eddie und du erfährst was komisches aber auch andererseits beeindruckendes, das dein Leben sich um 180 grad verändert
