Teil 19

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Eddie's Sicht:

Ich setzte mich auf die Bettkante und starrte auf Amalia. Sie hatte recht – es war, als würde sie mit Venom reden, als wäre er ein ganz normaler Gesprächspartner. Und irgendwie... irgendwie fand ich das okay. Ich schüttelte den Kopf und versuchte, den Moment zu fassen.
„Also, was war das eben?", fragte ich, immer noch ein wenig benommen. Ich wollte nicht, dass sie mich ansah, als wäre ich verrückt. Aber wenn ich ganz ehrlich war – vielleicht war ich das ein bisschen.
Amalia drehte sich zu mir und ein schelmisches Grinsen blitzte über ihr Gesicht. „Nur ein kleines Gespräch. Nichts Weltbewegendes."
„Ach, nichts Weltbewegendes?" Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. „Du redest mit einem Alien, das mein Körper übernommen hat, und du nennst das ‚nichts Weltbewegendes'?"
„Du bist wirklich eine Dramamieze, Eddie." Ihr Lächeln war warm, aber auch ein bisschen herausfordernd, als würde sie meine ganzen Sorgen und Ängste schon sehen und durchschauen.
Venom, der die ganze Zeit über in der Ecke gestanden hatte, rührte sich plötzlich. „Ich habe nichts gesagt, aber ich finde, du solltest dich beruhigen, Eddie. Wir sind auf dem gleichen Team. Du und ich – wir verstehen uns, oder?"
Ich rollte mit den Augen, als Venom mich ansprach. „Wird das jetzt zur Gewohnheit, dass du mich mitten in meinen Gedanken unterbrichst?"
„Ach, komm schon, du weißt genau, dass du mich nicht los wirst", antwortete Venom mit einem Ton, der irgendwie fast wie ein Spott klang, aber auch ein Hauch von Zuneigung hatte.
Ich legte mich wieder ins Bett und starrte an die Decke. „Du weißt, dass ich nicht wirklich daran gewöhnt bin, mit dir in einem Raum zu sein, oder?"
„Ich auch nicht, Eddie", sagte Venom und schien sich wirklich nachdenklich zu geben. „Aber du hast recht. Es ist... nicht einfach. Aber wir werden uns daran gewöhnen."
Amalia setzte sich neben mich und ihre Hand fand die meine. Ihre Berührung war warm, beruhigend. Sie war so ruhig, als würde sie das alles durchblicken, als wüsste sie schon, was kommen würde.
„Du wirst mir nicht wehtun, oder?", fragte sie leise, als würde sie die Antwort von mir hören wollen.
Ich sah sie an, und für einen Moment fühlte ich mich unendlich schuldig. „Nie. Ich würde dir nie wehtun, Amalia. Nicht mit oder ohne Venom. Das ist nicht mein Weg."
„Ich vertraue dir", sagte sie einfach.
Ein seltsames Gefühl zog sich durch meine Brust, und ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. „Du weißt, dass es auch Venom betrifft, oder? Es ist nicht nur..."
„Es ist nicht nur dein Körper, Eddie", unterbrach sie mich sanft. „Ich weiß. Aber ich nehme dich beide, wie ihr seid. Wenn das für dich okay ist."
Ich ließ die Worte auf mich wirken, und in dem Moment wusste ich, dass sie es wirklich ernst meinte. Dass sie nicht einfach die Beziehung zu mir wollte, sondern alles, was dazugehörte – auch das, was ich an mir selbst manchmal nicht mochte.
Venom hatte sich inzwischen wieder bewegt, und ich konnte spüren, dass er irgendwo in mir ein leises Zucken hatte – vielleicht war es ein Zeichen der Zustimmung.
„Du bist nicht so schlecht, Eddie", sagte er plötzlich, als hätte er meine Gedanken gelesen. „Vielleicht wirst du eines Tages wissen, dass wir doch eine recht gute Kombination abgeben."
Ich lachte auf und schüttelte den Kopf. „Wenn das kein Kompliment ist, dann weiß ich auch nicht."
Amalia legte ihren Kopf auf meine Schulter, und es fühlte sich an, als wäre das alles... in Ordnung. So wie es war. Und ich konnte nicht anders, als zu hoffen, dass es tatsächlich so bleiben würde.
„Gute Nacht, Eddie", flüsterte sie.
„Gute Nacht, Amalia", antwortete ich, während ich die Augen schloss.
Aber in meinem Kopf tanzten immer noch Fragen. Fragen über das, was noch kommen würde. Doch eines wusste ich ganz sicher: Ich hatte sie beide an meiner Seite – und das war mehr, als ich je für möglich gehalten hätte.
Ich lag da und starrte weiter an die Decke, der gedämpfte Klang von Amalias ruhigem Atem drang an mein Ohr. Irgendwie fühlte es sich komisch an, sich zu entspannen. Zu wissen, dass sie da war, dass sie sich für uns entschieden hatte – für mich und Venom. Dass sie unser Chaos akzeptierte, so wie wir waren, mit all den Unvollkommenheiten.
„Du schläfst noch nicht, oder?", fragte Venom, und ich konnte förmlich spüren, wie er in meinem Inneren lauerte, fast neugierig.
„Du bist nicht gerade der, der mir beim Einschlafen hilft, weißt du?", antwortete ich mit einem müden Grinsen, das niemand sehen konnte, außer vielleicht Venom. Ich schloss die Augen und versuchte, mich zu beruhigen. „Warum fragst du?"
„Weil ich weiß, dass du nachdenkst", sagte er, seine Stimme war fast sanft. „Und du denkst viel über Amalia nach, das spüre ich."
„Ich...", begann ich, aber dann stoppte ich. Es war nicht einfach, das zuzugeben. „Ja, ich denke nach. Sie... sie hat mich überrascht, Venom. Sie ist nicht wie die anderen. Und ich weiß nicht, was ich davon halten soll."
„Sie ist anders, ja", sagte Venom, seine Stimme ein wenig weicher als sonst. „Aber das ist nicht schlecht, Eddie. Sie... sie ist jemand, der uns versteht. Der uns akzeptiert. Und das ist nicht nur für dich gut, sondern auch für mich."
Ich starrte in die Dunkelheit. „Du meinst, du magst sie auch?"
„Ich..." Es war fast, als zögerte Venom, die Worte zu finden, als ob er sich selbst in dem Moment erst bewusst wurde. „Ja. Ich mag sie. Sie hat etwas, das mich beruhigt. Und sie hat keine Angst vor mir – oder vor dir. Das ist... nicht selbstverständlich."
„Du bist also nicht nur mit mir hier, weil du keine Wahl hast?" Ich konnte das Grinsen in meiner Stimme nicht verbergen.
„Du weißt, dass ich immer eine Wahl habe, Eddie", antwortete Venom mit einem Hauch von Schärfe, aber es klang mehr wie ein Schmunzeln. „Aber... ja, ich denke, sie hat etwas an sich, das ich respektiere. Etwas, das mich... zieht."
Ich konnte nicht anders, als leise zu lachen. „Venom, du bist wirklich eine Überraschung. Aber ich verstehe, was du meinst. Sie ist besonders."
„Besonders", wiederholte Venom nachdenklich. „Ja, das trifft es. Und ich will nicht, dass du sie verlierst, Eddie. Sie gehört zu uns. Sie ist Teil von uns."
Ich schloss die Augen und ließ den Gedanken durch meinen Kopf ziehen. „Ich werde sie nicht verlieren. Nicht, wenn ich es verhindern kann. Und du auch nicht."
„Gut", sagte Venom, seine Stimme fest und entschlossen. „Denn ich bin bereit, sie zu schützen. Ich will sie nicht verletzen. Ich will nicht, dass sie Angst vor mir hat. Sie... sie bedeutet mir etwas. Und ich will nicht, dass sie sich von uns abwendet."
„Du... du kümmerst dich wirklich um sie, oder?" Ich konnte es kaum fassen, dass ich diese Worte von Venom hörte. Aber irgendwie, tief im Inneren, wusste ich, dass es wahr war.
„Ja. Ich... ich habe nicht gewusst, dass ich so etwas fühlen kann. Aber sie hat es mir gezeigt, Eddie. Sie hat uns gezeigt, dass wir mehr sind als nur ein Monster und sein Wirt. Dass wir etwas zusammen haben können. Und sie ist nicht nur ein Mensch für mich – sie ist Teil von mir, genauso wie du."
Ich atmete tief ein und richtete mich im Bett auf, um einen Blick auf Amalia zu werfen. Sie lag ruhig da, ihr Atem gleichmäßig, und ich konnte sehen, wie ihre Hand auf meinem Arm lag, als würde sie uns schon länger kennen. Als würde sie unser Chaos nicht nur akzeptieren, sondern es irgendwie schätzen.
„Was passiert, wenn sie irgendwann mehr will?", fragte ich plötzlich, mehr an mich selbst als an Venom.
„Dann gib ihr mehr, Eddie", sagte Venom leise. „Gib ihr alles, was sie verdient. Wenn du sie wirklich liebst – und wenn ich sie wirklich mag –, dann gibt es keinen Grund, sie zurückzuhalten."
„Und was ist mit dir, Venom?", fragte ich. „Was, wenn du irgendwann nicht nur mich brauchst?"
„Ich... ich glaube, ich werde sie nie nur als eine Erweiterung von dir sehen. Sie hat ihren eigenen Platz in diesem... Zusammenspiel", sagte Venom, und seine Worte klangen ehrlich, fast zerbrechlich. „Sie ist mehr als nur ein Teil von dir, Eddie. Sie ist ein Teil von uns beiden."
Ich nickte langsam. Vielleicht war das der Punkt. Vielleicht war ich es, der die Angst loslassen musste. Und vielleicht war es der Moment, in dem ich endlich anfing, zu verstehen, dass ich nicht alles alleine tragen musste – dass wir nicht alles alleine tragen mussten.
„Ich werde sie nicht enttäuschen", flüsterte ich in die Stille. „Nicht, wenn ich es verhindern kann."
Venom gab ein leises Geräusch von sich, ein zustimmendes Knurren, das fast wie ein sanftes Brummen klang. „Gut. Du bist auf dem richtigen Weg, Eddie. Du bist nicht mehr alleine. Wir sind nicht mehr alleine."
Amalia hatte sich inzwischen ein wenig bewegt und ihren Kopf noch näher an meine Schulter gelegt. Ihre Hand lag immer noch auf meinem Arm, als würde sie mir vermitteln, dass sie da war, dass sie diese Reise mit mir gehen würde, egal, wie chaotisch sie auch sein würde.
„Gute Nacht, Eddie", flüsterte sie, ihre Stimme warm und ruhig.
„Gute Nacht, Amalia", antwortete ich, und diesmal fühlte sich meine Antwort von Herzen kommend an. Und als ich die Augen wieder schloss, fühlte sich alles ein kleines bisschen richtiger an. Wenigstens für den Moment. Denn jetzt wusste ich, dass ich nicht nur Amalia an meiner Seite hatte. Wir hatten uns alle irgendwie gefunden – und vielleicht war das genau der Anfang von etwas, das wir beide, oder besser gesagt, alle drei, brauchten.

𝐷𝑢 𝑔𝑒ℎ𝑜̈𝑟𝑠𝑡 𝑚𝑖𝑟 Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt