Teil 30

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Eddie's Sicht:

Ich wusste nicht, was schlimmer war – der Moment, in dem Amalia das Licht anforderte, oder der Moment, als ihre Hand in meiner erstarrte.

Ich spürte es sofort, als sie anders atmete. Dieser flache, unregelmäßige Atem. Ich dachte, es war vielleicht nur die Hitze der Nacht, vielleicht ein bisschen Stress. Aber als sie mich ansah und dann kaum noch einen Laut herausbrachte, wusste ich, dass es ernst war.

„Amalia?" Ich packte ihre Schultern, versuchte, sie irgendwie in den Griff zu bekommen. „Was ist los?"

Ihre Lippen zitterten, aber sie konnte keinen Ton herausbringen. Das Gesicht, das eben noch voller Leben war, war plötzlich leichenblass. Ihre Augen suchten nach etwas, das sie selbst nicht finden konnte.

Und dann kam der Schmerz. Ich sah es in ihren Augen, als sie versuchte, den Atem zu fassen. Mein Herz setzte für einen Moment aus, als wäre sie weit weg, und doch war sie direkt vor mir. Ihre Hand in meiner. Sie starrte mich an, aber sie konnte nichts sagen. Es fühlte sich an, als würde ein Riss zwischen uns entstehen, den niemand mehr heilen könnte.

„Eddie", flüsterte sie schließlich, ihr Atem stieg und fiel, als wäre sie in Panik. „Kannst du bitte... das Licht anmachen?" Ihre Stimme war kaum hörbar.

„Ja, ich mache das Licht an!" Ich sprang fast aus dem Bett, griff nach dem Schalter, aber als ich wieder zu ihr zurückkam, war sie noch blasser als vorher. Sie zitterte. Und ich spürte, wie das kalte Grauen in mir hochstieg.

„Amalia? Was ist los?"

Sie öffnete den Mund, aber es kam kein Ton. Nur ein Zittern. Nur... der Blick in ihren Augen, der mehr sagte als alles, was sie hätte sagen können. Ihre Lippen bewegten sich, aber es war nur ein Flüstern.

Und dann hörte ich es – ein Geräusch, das niemand hören wollte. Der unregelmäßige Klang ihres Atems. Wie eine Maschinenpumpe, die nicht richtig funktioniert.

„Etwas stimmt nicht!", rief Venom in meinem Kopf, seine Stimme so laut, dass es fast schon weh tat. „Etwas ist falsch, Eddie!"

Ich wusste es. Ich wusste es in diesem Moment. Sie kämpfte. Sie kämpfte gegen etwas, das größer war als sie. Größer als wir alle.

„Amalia? Du musst mir jetzt zuhören!", sagte ich, die Panik in meiner Stimme konnte ich nicht mehr verbergen. „Bleib bei mir. Du musst bei mir bleiben!"

Die Tür flog auf, und Ärzte stürmten herein. Plötzlich war der Raum voll von Leuten, die Geräte anschlossen, Tests durchführten, alle mit einem Blick, der versuchte, das Chaos zu bekämpfen.

„Warum tut sie das? Warum passiert das?", fragte ich einen der Ärzte, aber die Antwort war nur, dass sie stabilisiert werden musste. Dass sie jetzt sofort überwacht werden musste.

Ich hielt ihre Hand die ganze Zeit. Versuchte, sie nicht loszulassen, auch wenn ich wusste, dass der Moment der Wahrheit gekommen war. Die Wahrheit, dass ich sie gerade an den Rand des Abgrunds verlor, ohne es zu verhindern.

Venom flüsterte leise: „Du kannst nichts tun, wenn sie nicht mitmacht."

Aber das wusste ich. Ich wusste es schon lange. Nur dass es jetzt nicht mehr reichte, in ihrer Nähe zu sein. Es reichte nicht mehr, sie zu beschützen. Der Rest lag bei ihr.

Amalia... sie war stärker, als ich es je begreifen könnte. Aber jetzt brauchte sie mehr als meine Stärke.

Später, als sie wieder zu sich kam, als ihre Augen langsam die Welt wieder erfassten, war ich da, wie immer. Sie sah mich an, und es war, als würde sie sich selbst wiederfinden, Stück für Stück.

„Eddie?" Ihre Stimme war schwach, aber sie war da.

„Ich bin hier", sagte ich leise. „Ich bin immer hier."

„Was... was ist passiert?"

„Du bist okay", antwortete ich. „Du musst dich nur ausruhen. Die Ärzte kümmern sich um dich."

Und in mir... war diese Mischung aus Erleichterung und furchtbarer Angst. Weil ich wusste, dass dies noch lange nicht vorbei war. Aber ich würde sie niemals alleine lassen.

Nicht jetzt. Nicht je wieder.

Es war immer noch dunkel, als die Ärzte endlich aus dem Zimmer gingen. Ich saß an Amalias Seite, hielt ihre Hand, die jetzt nicht mehr ganz so kalt war, wie noch vor wenigen Stunden. Die Ärzte hatten sich beeilt, sie zu stabilisieren. Ihre Werte waren weiterhin besorgniserregend, aber sie schien nicht mehr ganz so schlimm zu sein wie vor der Stunde.

„Ich will einfach, dass du gesund wirst", flüsterte ich, mehr zu mir selbst als zu ihr. Ich strich ihr sanft über die Wange, aber ihre Augen waren geschlossen, und sie schien tief zu schlafen.

Venom war immer noch da, ein unsichtbarer Schatten, der sich eng um uns wickelte. Auch er war still, was für ihn ungewöhnlich war. Aber die Sorge war in seinem Ton spürbar, und das konnte ich auch ohne seine Worte hören.

„Sie kämpft. Aber... wir müssen vorsichtig sein, Eddie."

„Ich weiß. Ich weiß es", antwortete ich. Es war der ständige Albtraum, dass sie irgendwann einfach aufgeben würde. Aber ich wusste auch, dass sie nicht so war. Sie war Amalia – und Amalia gab nie auf, egal wie dunkel es wurde.

Die Stunden vergingen. Amalia wachte zwischendurch auf, nur für einen Moment, ihre Augen huschten über das Zimmer, suchten nach mir.

„Eddie?" Ihre Stimme war schwach, brüchig, aber da.

„Ich bin hier", sagte ich sofort, ergriff ihre Hand fester. „Du musst dich ausruhen. Die Ärzte sagen, du musst viel schlafen, okay?"

Sie nickte langsam, als ob ihr der Gedanke an Schlaf schwerfiel. Aber dann, fast wie ein Lächeln, sagte sie leise: „Ich will dich nicht alleine lassen."

„Ich bin nicht allein, Amalia. Ich werde immer hier sein."

Ein Lächeln, das nur ihre Lippen berührte, flimmerte über ihr Gesicht. Und für einen Moment fühlte es sich an, als ob sie den Schmerz hinter sich lassen könnte.

Es war nicht viel, aber es war etwas.

Amalia schlief wieder ein, und ich blieb an ihrer Seite, meine Gedanken in der Dunkelheit des Raumes gefangen. Es war schwer zu ertragen, ihr so zuzusehen – zu sehen, wie sie gegen ihren eigenen Körper kämpfte. Aber sie war stark, das wusste ich. Sie hatte nie in ihrem Leben aufgegeben, selbst wenn alles gegen sie war.

Und auch ich würde nicht aufgeben. Nicht jetzt.

Am nächsten Morgen sah die Welt ein kleines bisschen anders aus. Als die Ärzte wieder hereinkamen, gab es zumindest einen Funken Hoffnung. Ihre Werte waren stabiler. Die Therapie zeigte erste kleine Fortschritte. Ihr Fieber war gesenkt, die Übelkeit ein bisschen weniger schlimm.

„Es sieht aus, als würde die Therapie langsam Wirkung zeigen", sagte Dr. Maiwald, ein Hauch von Erleichterung in seiner Stimme. „Es wird noch eine Weile dauern, aber wir können ein wenig vorsichtiger optimistisch sein."

Ich nickte, aber mein Blick war immer noch auf Amalia gerichtet. Sie hatte die Augen geschlossen, aber die Anspannung in ihrem Gesicht war weniger. Der Schmerz schien nicht mehr so überwältigend zu sein. Vielleicht war es wirklich nur ein kleiner Schritt, aber für mich fühlte es sich an, als hätten wir den ersten großen Sieg errungen.

Venom war auch still, als er sich neben mich stellte. „Besser. Wenigstens ein bisschen besser." Es war nicht viel, aber es war genug, dass er keine scharfen Worte mehr hatte.

„Danke, Venom", flüsterte ich, obwohl ich wusste, dass er nicht wirklich nach Dank verlangte. Aber ich brauchte diese Erinnerung daran, dass wir als Team kämpften. Als Team würden wir auch nicht aufgeben.

𝐷𝑢 𝑔𝑒ℎ𝑜̈𝑟𝑠𝑡 𝑚𝑖𝑟 Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt