Nachdem ich meine Mutter herum geführt hatte, zog ich mich erst einmal um. Sie hatte sowieso ein wichtiges Telefonat zu führen - meinte sie zumindest - und so konnte ich endlich aus meinem Schlafanzug raus. Den Pulli zog ich danach trotzdem nochmal an, keine Ahnung, wem der gehörte, bequem war er allerdings. Als Mamă fertig war, verließen wir mein Zimmer wieder. "Hast du schon was gegessen?", fragte ich sie, nachdem ich die Stille, die einige Zeit zwischen uns herrschte, nicht mehr ertrug. "Seit dem Flughafen nicht mehr. Ich könnte jetzt gut einen Cappuccino und dazu ein ordentliches Croissant vertragen. Am besten auch noch ein Rührei." "Ich weiß nicht, was wir davon da haben. Am besten, wir schauen nach!", bremste ich sie und führte sie in den Speisesaal.
An der Essensausgabe brauchten wir mehr als doppelt so lang als ich sonst, denn meine Mutter stritt mit dem Schulkoch. Sie war nämlich der Meinung, dass der er sie vergiften wollte, da sie "nur" einen Kaffee mit einem Schuss Milch gekriegt hatte. Auf die Idee, dass das Internat kein Coffeeshop war und deswegen eben nur das oder Kaffee ohne alles hatte, kam sie gar nicht erst.
Nach mindestens zehn Minuten gab sie sich dann mit einem Smoothie aus ihrem Gepäck zufrieden. Ich spürte, wie alle Blicke auf meiner Mutter und mir lagen. Zum Glück entdeckte ich die Jungs und Sammy an einem der Tische und steuerte darauf zu. Mamăs Stöckelschuhe hörte ich direkt hinter mir.
"Hey!", grüßte ich die sechsköpfige Gruppe und setzte mich auf einen Stuhl gegenüber von Sammy. Mamă setzte sich neben mich. Stephan grinste mich breit an. Was hatte der den jetzt? "Leute, das ist meine Mutter. Mamă, dass sind Sammy, Strehlau, Walze, Mücke, Stephan und Ottokar", stellte ich alle einander vor. Mamă nickte nur, wirkte aber an sich eher abwesend. Das konnte mir nur recht sein, denn so konnte ich mich in Ruhe mit den anderen unterhalten. Apropos die anderen: Stephan grinste mich immer noch an - und tauschte jetzt auch noch vielsagende Blicke mit Strehlau. "Was grinst du eigentlich so, Stephan?", fragte ich irgendwann zwischen zwei Bissen. "Ach, nix", murmelte der so halb in sein Brötchen, "Aber Walzes Pulli steht dir!" Meine Wangen wurden heiß, garantiert waren sie rot. "Ich, äh, wusste nicht, wem der gehört und wollte halt nicht im Schlafanzug raus auf den Hof. Und um eigene Sachen anzuziehen war keine Zeit!", verteidigte ich mich schnell - vermutlich etwas zu schnell.
"Hört ihr das eigentlich auch?", fragte Mücke nach einiger Zeit. Ich spitzte meine Ohren. Mücke hatte recht, da war etwas... Ein Automotor? "Lasst mal nachschauen, es sind doch sowieso alle fertig mit Essen!", entschied Sammy und blickte fragend in die Runde. Zustimmendes Gemurmel ertönte an unserem Tisch. "Ich trinke meinen Smoothie noch aus", sagte Mamă an niemand bestimmten gewandt. Fast hätte ich vergessen, dass sie auch noch hier saß. Aber das wäre ja zu schön gewesen.
Im Hof stand tatsächlich ein Wagen. "Das Auto kenn ich!", rief Walze, "Das gehört Taio!" Da er beschleunigte, tat ich es ihm - genauso wie die anderen - gleich. Ein wenig außer Atem hielten wir vor Taio an, der gerade ausgestiegen war. "Ich konnte nicht früher kommen!", rief dieser uns anstelle einer Begrüßung entgegen, "Ich musste schon wieder die Schicht einer Kollegin übernehmen. Danach bin ich aber so schnell wie möglich hierher gekommen. Stimmt es wirklich? Und was gibt es bisher für Informationen?" Doch bevor wir auch nur eine dieser Fragen beantworten konnten, hörten wir hinter uns die Stimme meiner Mutter. "Na das Auto hat ja auch schon bessere Zeiten gehabt!" Als wir uns umdrehten, um zu ihr zu blicken, bildeten wir automatisch eine Art Gang zwischen uns. An den jeweiligen Enden standen Mamă und Taio. Apropos Taio: Er sah aus, als hätte er einen Geist gesehen. Ihm hatte es die Sprache verschlagen, als er jedoch wieder sprechen konnte, fragte er fassungslos: "Daria?!"
Na, was meint ihr, woher kennen sich Daria und Taio?
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Die Mädchen von Schreckenstein
FanfictionZweiter Teil von "Die Einzige auf Schreckenstein", ich empfehle den ersten Teil gelesen zu haben Inzwischen hat Alex sich damit abgefunden, dass sie auf Schreckenstein zur Schule geht - mehr noch, sie will gar nicht mehr dort weg! Das liegt natürli...
