13. Unterricht

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Als wir am nächsten Morgen im Unterricht saßen, kam es mir so vor, als hätten wir schon wieder wochenlang Schule und nicht erst seit zwei Tagen. Vorne an der Tafel redete unser Lehrer monoton vor sich hin, doch ich hörte ihm nicht zu. Paige und ich waren zwar auseinander gesetzt worden, weil wir zu viel geredet hatten, aber das hielt uns nicht auf.
Gerade rutschte wieder ein Zettel über den Tisch zu mir. Wir brauchen dringend eine Art Geheimsprache oder so! stand dort. Lass uns in der Pause was deswegen überlegen! Jeder kann mitlesen! Ich drehte mich kurz zu Paige um und nickte mit leicht gequälter Miene.

Doch gerade als ich ihr eine Antwort schreiben wollte, kam mir unser Lehrer zuvor und schnappte sich den Zettel. "Dürfen sie das überhaupt lesen?", fragte ich und hob eine Augenbraue, als er gerade ansetzte, laut vorzulesen. "Privatsphäre und so", kam es von Paige, die sich unauffällig auf ihrem Stuhl kleiner machte.
"Ich bezweifle, dass es noch nötig ist, dies laut vorzulesen", meinte unser Lehrer nun grinsend, "Denn mit deiner Reaktion, Paige, ist klar, an wen dieser Zettel zurück gehen wird." "Ich könnte Alex aber auch einfach unterstützen wollen", entgegnete Paige und zuckte kaum merklich mit der Schulter, "Schließlich wäre ich ja keine gute Freundin, wenn ich sie einfach ins Messer laufen lassen würde!" Ein leichtes Lächeln zierte ihre Lippen.
Der Lehrer lachte leise. "Selbst wenn ihr Schwestern wärt würde das nichts ändern." Er grinste, als hätte er einen Witz gemacht und gab mir schlussendlich doch den Zettel wieder. 

In der Pause gingen wir zu den Jungs, wir trafen uns wie sonst auch immer im Bogengang vor dem Pausenhof. "Wir könnten die Vokale immer mit dem nächsten austauschen", schlug ich vor, doch Paige winkte ab: "Das ist viel zu leicht zu entschlüsseln! Vielleicht Löffelsprache?" "Kann ich nicht", musste ich sie enttäuschen. Planlos blickten wir uns an.
"Vielleicht Englisch oder so", schlug Walze vor, "Oder nein warte, Nora hat dir doch rumänisch beigebracht, Alex! Und Paige, du meintest mal deine Mum wäre Rumänin!" "Stimmt, wenn ihr telefoniert sprichst du es manchmal!", fiel mir ein. Doch dann bremste Walze seinen Gedankengang wieder:  "Wobei, vielleicht kann irgendwer in eurer Klasse ja rumänisch, vergesst meine Idee also!"
"Du sprichst rumänisch?", wollte Ottokar nun überrascht von mir wissen. "Bin bisschen eingerostet, aber grundsätzlich schon", sagte ich verlegen, "Nora hat es mir beigebracht und sie hat es von unserer Mutter gelernt." Meine Miene verdüsterte sich. Wieder etwas, dass ich mit meiner Mutter gemein hatte. 
Doch dann stoppte ich mich. Ich musste aufhören, mir Sachen dadurch zu vermiesen, dass ich sie mit meiner Mutter gemeinsam hatte. "Lass uns Caro fragen, ob sie von jemand weiß, der rumänisch spricht", entschied ich an Paige gewandt und hüpfte von der Mauer des Bodengangs. Bevor wir zu Caro gingen gab ich Ottokar aber noch einen Kuss auf die Wange.

Die Mädchen von SchreckensteinGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt