19. Schon wieder

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°Sicht Paige°

Als Alex nicht zurückkam machte sich erst keiner Sorgen, schließlich hatten Strehlau und Sammy erwähnt, dass sie noch aufs Klo gewollt hatte. Doch nach einer Viertelstunde wurde ich langsam unruhig. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass etwas nicht stimmte. Ich versuchte mich immer wieder davon zu überzeugen, dass alles okay war, doch irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und ging kurz auf unser gemeinsames Zimmer, um zu schauen ob sie dort war. Da ich dort aber niemanden vorfand (Linnea und Co waren übers Wochenende bei einem Workshop und deswegen schon direkt nach dem Unterricht abgereist), ging ich zu der Toilette im Gang der Mädchenzimmer. Diese war komplett verlassen, der Türgriff war aber scheinbar mit einer nassen Hand angefasst worden. Vermutlich war Alex also hier gewesen. Aber wo war sie jetzt? Ich atmete tief durch. Bestimmt war sie ins Zimmer der anderen zurückgekehrt, während ich in unserem Zimmer nach ihr geschaut habe. Also ging ich nun wieder zurück dorthin. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, denn ich wollte die anderen nicht beunruhigen. Vielleicht ist sie in der Küche und holt Snacks, trinkt Tee oder backt einen Kuchen. Alles ist in Ordnung. Aber irgendwas in mir wollte sich einfach nicht beruhigen lassen, das ungute Gefühl blieb.

Immer wieder blickte ich zu Ottokar, aber der wirkte ganz normal. Entweder war er nicht beunruhigt oder er konnte es einfach gut überspielen. Schlussendlich war es Mücke, der meinte: "Sollte Alex nicht langsam zurück sein?" Ich musste heftig blinzeln, um nicht los zu heulen. Eigentlich war ich niemand, der nah am Wasser gebaut war, aber gerade war ich von meinen Emotionen etwas überwältigt. Außerdem hatte ich gerade meine Tage, da war ich sowieso etwas empfindlicher. "Sie... sie war weder auf der Mädchentoilette, noch auf unserem Zimmer", sagte ich und musste mich dann räuspern, da meine Stimme etwas heißer war. "Ich hab gehofft, dass sie vielleicht in der Küche ist oder so und deswegen nichts gesagt." Eine einzelne Träne lief mir über die Wange. Schnell wischte ich sie weg und hoffte, dass es die einzige blieb. "Am besten schauen wir nach", entschied Ottokar, "Aber irgendwer sollte hier bleiben, für den Fall, dass sie zurückkommt." Mücke meldete sich am schnellsten freiwillig. "Am besten gehen wir zu zweit", schlug Sammy vor, "Vier Augen sehen mehr als zwei." Zustimmend nickten die anderen. "Ich geh mit Ottokar", meinte Stephan und Strehlau ergänzte: "Und ich mit Sammy!" Leicht sackten meine Schultern herunter, denn damit blieben noch Walze und ich übrig. Na super. "Ottokar und Stephan gehen zur Küche, Sammy und Strehlau zu den Klassenzimmern und wir gehen nochmal zu den Mädchenzimmern", beschloss Walze, wich meinem Blick allerdings aus. Nicht das ich ihn speziell angeschaut hatte oder so.

"Die Toilette ist komplett leer, alle Türen sind offen", berichtete ich Walze, nachdem ich aus der Mädchentoilette kam. "In den umliegenden Zimmern schlafen schon alle", erwiderte dieser. Ich warf einen Blick auf mein Handy. Es war kurz nach Mitternacht. Wir hatten Alex jetzt seit fast einer Stunde nicht mehr gesehen. "Lass uns nochmal zurück zum Zimmer laufen. Vielleicht entdecken wir unterwegs noch irgendwas", sagte ich und versuchte dabei, dass meine Stimme so wenig wie möglich zitterte. Ich scheiterte ziemlich. Um das zu überspielen, schaltete ich die Taschenlampe von meinem Handy an und leuchtete den Boden ab. Als ich nach ein paar Schritten merkte, dass Walze immer noch an Ort und Stelle stand, schaute ich ihn fragend an. "Kommst du?" Endlich setzte er sich in Bewegung und leuchtete ebenfalls auf den Boden. So liefen wir, bis wir im Gang von unseren Zimmern waren. "Nichts", seufzte ich und wollte gerade die Taschenlampe ausschalten, als Walze plötzlich "DA!" rief. "Psst!", fuhr ich ihn an, schaute dann aber dahin, wo er hin leuchtete. Dort lag etwas. Etwas rundes, das mir leider viel zu bekannt vorkam. Es war Alex Lieblingsarmband. "Oh mein Gott", wisperte ich kaum hörbar. "Ich bezweifle, dass sie das einfach so verloren oder ohne Grund dahin geschmissen hätte", vernahm ich Walzes Stimme neben mir, aber irgendwie doch Welten entfernt. Geschockt blickte ich immer noch auf das Armband. "Sie ... sie ist weg", stotterte ich, "Weg." Nun konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten. Zum Glück war Walze da und nahm mich in den Arm. In diesem Moment war mir egal, dass es Walze war, der Walze, der es liebte, auf mir herumzuhacken. Ich war einfach nur froh, dass jemand da war, der mir den nötigen Halt gab. "Sie ist weg", wisperte ich noch einmal, "Schon wieder."

Die Mädchen von SchreckensteinGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt