34. Hilfe?

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°Sicht Alex°

Nachdem die Ärztin das Zimmer verlassen hatte schlief ich wieder ein. Als ich das nächste Mal aufwachte, öffnete ich meine Augen. "Oh, sie ist wach!", rief Bob. Sofort sprang sie auf und rannte auf den Gang um die Ärztin zu holen. Bernd starrte mich eindringlich an. Er sagte nichts, aber die Message war klar. Wenn du etwas verräts, bist du dran. Zum Glück kam nun Bob mit einem Krankenpfleger rein. "Wir gehen jetzt in eines der Behandlungszimmer", erklärte der Krankenpfleger mir, als wäre ich schwer von Begriff, "Dorthin kommt dann auch gleich Doktor Franklin." "Darf ich sie begleiten?", fragte Bob und schaffte es dabei wie eine besorgte, große Schwester auszusehen. "Nur bis zur Tür. Doktor Franklin würde die Untersuchung gerne unter vier Augen führen", entgegnete der Krankenpfleger. Die Motivation war ja echt krass spürbar. Garantiert Mitarbeiter des Monats. "Kommen Sie? Oder brauchen Sie Hilfe, um aus dem Bett zu kommen?" "Nein danke, ich schaff das." Das hätte mir jetzt gerade noch gefehlt.

Direkt nachdem sich die Tür zwischen uns und Bob geschlossen hatte, platzte es aus mir heraus. "Alexandra Dreimeyer!" "Setzen Sie sich bitte auf die Liege dort." "Ich bin-" "Setzen Sie sich bitte." "Sie verstehen das nicht, ich-" "Wenn Sie sich nicht jetzt sofort hinsetzen werde ich eine Kollegin holen, die Ihnen dabei hilft, sich zu setzen!" Die Art, wie er 'hilft' betonte machte klar, dass viel mehr zwingen gemeint war. Frustriert atmete ich aus. Jetzt hatte ich schon einmal die Chance, allein, ohne meine Entführer, mit jemandem zu reden und dann hatte ich ausgerechnet so jemanden bekommen. Ich hatte absolut kein Bock, dass wegen mir jetzt ein Aufstand gemacht wurde, deswegen tat ich was er sagte. 

Vorsichtig schaute ich mich um. Mein Blick fiel auf das Fenster. Ich könnte hinaus klettern. Allerdings waren wir im dritten oder vierten Stock und ich war noch nie besonders gut im Klettern gewesen. Die Idee konnte ich vergessen. Außer der Tür zum Gang gab es noch zwei weitere, sie führten lins und rechts aus dem Zimmer. Vermutlich in die nebenliegenden Behandlungszimmer. Auch keine Fluchtmöglichkeit, denn erstens hatte ich dann diesen Pfleger am Hals und zweitens saß Bob ja draußen auf dem Gang. Die würde es garantiert auch dann merken, wenn ich ein paar Zimmer weiter aus der Tür kam. Wobei, sie hatte relativ wenig geschlafen in der letzten Nacht. Vielleicht...
Weiter kam ich allerdings nicht mit meinem Plan, denn nun betrat eine Ärztin den Raum. Der Krankenpfleger nannte ihr meine Daten (Bernd und Bob waren scheinbar sehr unkreativ gewesen. Wieso sonst hätten sie mich spontan "Livia Rodriguez" getauft?) und bisheriges Verhalten (dabei übertrieb er maßlos, sodass es beinahe so klang, als wäre ich bereits geflüchtet). Dann war er weg und ich war allein mit der Ärztin.
"Ich bin Doktor Franklin", stellte sie sich vor. "Alexandra Dreimeyer", sagte ich meinen Namen ebenfalls. Sie hob eine Augenbraue, sagte aber nichts. Stattdessen desinfizierte sie ihre Hände.
"Ich brauche Ihre Hilfe!", stammelte ich und senkte dabei bewusst meine Lautstärke. Nicht, dass Bob etwas davon merkte. Doktor Franklin nickte wissend und für eine Sekunde starrte ich sie verwirrt an. Woher wusste sie schon von der Entführung? Gab es irgendwie einen Fandungssteckbrief oder so, der unteranderem an Krankenhäuser verteilt wurde?
"Ist der Freund Ihrer Schwester auch gewalttätig oder wird er nur laut?" Die Frage brachte mich aus dem Konzept. Der Freund meiner Schwester? Meinte sie Bernd? Und ging Bob echt als meine Schwester durch? Wir sahen uns doch absolut nicht ähnlich, oder? Bob war blond, aber ich hatte dunkle Haare. Außerdem war meine Haut nicht nur ein bisschen dunkler als ihre.
"Das deute ich mal als ja", interpretierte Doktor Franklin und holte nun einige dieser typischen Arzt-Untersuchungsgeräte. "Sie kennen die Telefonnummer, die Sie wählen müssen, wenn Sie Hilfe brauchen?" "Sie verstehen mich falsch!", rief ich verzweifelt, achtete aber immer noch auf die Lautstärke, "Bob ist nicht meine Schwester! Und was Bernd betrifft, keine Ahnung, ob die ein Paar sind. Ich kenne die beiden gar nicht! Sie haben mich ent-" "Machen Sie mal bitte den Mund auf und strecken die Zunge raus." Verzweifelt blickte ich Doktor Franklin an, tat aber was sie sagte. Eine andere Wahl hatte ich ja auch nicht wirklich. "Das vermisste Mädchen! Burg Schreckenstein!", versuchte ich es nochmal, als Doktor Franklin meinen Mund fertig kontrolliert hatte.
Doch bevor ich noch etwas ergänzen oder sie sagen konnte, streckte Bob ihren Kopf hinein. "Entschuldigen Sie, dass ich störe, aber geht das noch lange? Livia hasst Krankenhäuser seit dem Autounfall ihrer Eltern. Seit sie bei uns ist haben wir die so gut es ging vermieden." "Wir sind gleich fertig. Einen kurzen Moment noch." Nachdem Doktor Franklin das gesagt hatte, musste Bob die Tür wieder hinter sich schließen. "Ich bin nicht Livia", flüsterte ich den Tränen nahe, "Bitte. Helfen Sie mir." Doktor Franklin fuhr mir tröstend über den Rücken. "Alles wird gut." Dann ließ sie Bob ins Zimmer hinein und klärte sie über meine Gesundheit auf. Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, dass Doktor Franklin log. Wenn es wirklich so schlecht um meine Gesundheit stand, wie sie Bob gerade erzählte, würde ich das doch merken, oder?

Die Mädchen von SchreckensteinGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt