Ich wusste zwar, dass ich nicht für immer die Sorglosigkeit in mir behalten konnte, doch ich hatte zumindest gedacht, dass ich den restlichen Abend weiterhin meine Sorgen ausblenden konnte und vielleicht endlich mal wieder mit Sam und Clovy spielen konnte.
Doch stattdessen kam es anders.
Ich lief gerade den Korridor zu unserer Wohnung entlang, den Blick auf den Boden gerichtet, als ich Schritte hörte. Leicht verdutzt hob ich meinen Kopf und sah gerade nur noch, wie ein Mann, mit gesenkten Blick und übergezogener Kapuze an mir vorbei lief. Blonde Haarsträhnen lugten unter den Sweatshirtstoff hervor und die abgewetzte Lederjacke kam mir seltsam bekannt vor.
Erst als er schon ein paar Meter weiter weg war, realisierte mein Gehirn, wer diese Person war.
Niall.
Was zum Teufel machte er hier?
War er hier wegen Sam?
Sofort wurde ich etwas schneller und riss die Tür zu unserer Wohnung auf.
Mum sah überrascht vom Kochtopf hoch, doch bevor sie überhaupt den Mund öffnen konnte, stürmte ich an ihr vorbei in unser Zimmer, wo Clovy alleine friedlich mit ihrer Puppe spielte.
„Sophia!" rief mir meine kleine Schwester begeistert zu und schenkte mir ein Lächeln. Gezwungen lächelte ich zurück, drehte mich dann aber wieder zu Mum um und fragte hastig: „Wo ist Sam, Mum?"
„Was ist denn mit dir los, Schatz? Willst du etwas essen oder warst du wieder bei deiner Arbeitskollegin? Du kommst ziemlich spät..."
„Mum, wo ist Sam?" fragte ich nochmal wütender nach und warf einen Blick auf die Uhr. In einer halben Stunde trat die Ausgangssperre in Kraft.
Mum verdrehte die Augen und rührte einfach weiter im Topf herum. „Er ist eben gegangen, ein Junge war hier... kannst du bitte schon einmal die Teller rausholen? Dein Dad ist gerade noch bei Andrew Calder, wegen der Wasserkraftwerke..."
„Ein Junge?" schrie ich Mum beinahe panisch an, sodass sie zusammen zuckte und etwas Suppe verschüttete. Während sie den Fleck seufzend wegwischte meinte sie: „Ja, blond... Vielleicht in deinem Alter. Ich habe mich ein bisschen mit ihm unterhalten, doch er kam immer wieder auf den Todessektor zurück, was genau er damit meinte, weiß ich nicht, aber die Lederjacke muss sicherlich ein Erbstück..."
Was sie mir sagen wollte, bekam ich nicht mehr mit, denn ich schlug bereits die Wohnungstür zu und lief mit schnellen Schritten Richtung Fahrstuhl.
Was zur Hölle machte Niall bei uns Zuhause?
Und was wollte er diesmal von Sam?
Todessektor. Warum hat er diese zum Tode verdammten Etagen Mum gegenüber erwähnt?
Er würde Sam doch nicht... Bei diesem Gedanken wurde ich noch etwas schneller und meine Schritte hallten viel zu laut in dem Gang nach.
Ich wusste, dass ich Sam versprochen hatte, ihn sein Ding lassen zu machen, damit er sich eine Zukunft aufbauen konnte, doch in diesem Moment war es mir egal.
Denn Sam war mein kleiner Bruder und ich seine große Schwester.
Ich würde mir immer Sorgen um ihn machen.
Mit Niall war nicht zu spaßen, wie ich am eigenen Leib erfahren hatte und am liebsten würde ich ihn für immer aus dem Weg gehen, doch ich würde niemals zulassen, dass Sam in den Todessektor ging. Dort war es nicht sicher und wenn er dort sterben würde, würde ich es mir nie verzeihen. Denn ich hatte eingewilligt, ihn das lassen zu machen, was ihn früher oder später umbringen würde.
Ein paar Menschen liefen auf dem Platz umher, doch komischerweise entdeckte ich die Person mit der Kapuze und der Lederjacke sofort. Niall. So schnell es ging schlüpfte ich durch die kleine Menschenmasse, bestehend aus den Leuten, die gerade erst von der Arbeit wiederkamen, um noch mit in den Lift zu schlüpfen.
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Skyscraper
Hayran Kurgu➳ 2433. Die Welt ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Durch die Auswirkungen von Kriegen, Naturkatastrophen, Überbevölkerung und der Gier nach Forschung und Entwicklung wurde die Menschheit vor einigen Jahrzehnten dazu gezwungen in die sogenannte...
