Megs sprach danach kein einziges Wort mehr zu mir.
Sie verzog sich wieder in die am weitesten von mir entfernen Ecke und hielt ihren Blick auf den dunklen Flur gerichtet.
Ich hingegen hatte noch einige Zeit versucht, aus ihr Details zu quetschen, doch ich hatte keine Chance.
So blieb mir nichts anderes übrig, als mich so bequem, wie es hier ging, hinzusetzen und mir Gedanken zu machen.
Ich überlegte, was sie vorhaben und was uns helfen könnte.
Doch mir fiel nichts ein. Denn alle meine Gedankengänge endeten wieder im Exil.
Es gab einfach keinen Ausweg aus dieser Situation.
Leise seufzend lehnte ich meinen Kopf wieder gegen die Wand. Auch ich hatte mich nun wieder an das andere Ende gesetzt, um so, genau wie Megs, den Flur im Auge zu behalten. Doch es tat sich nichts.
Ich hatte zwar jegliches Zeitgefühl verloren, doch ich war mir sicher, dass ich schon mindestens drei Stunden wach war. Wie lange ich zuvor bewusstlos auf dem Boden gelegen hatte, konnte ich nur schwer einschätzen. Jedoch müsste bald jemand kommen, falls sie uns nicht hier verrotten lassen wollten.
Ich hatte aber keine Ahnung, ob ich nur darauf wartete, dass jemand kam oder dass ich Angst davor hatte. Es war wahrscheinlich eine Mischung aus Beidem...
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als plötzlich das Geräusch einer ins Schloss fallende Tür und die schweren Schritte von Wächterstiefeln ertönte.
Sofort versteifte ich mich und richtete mich auf. Mein Herzschlag beschleunigte sich und mein Blick huschte zu Megs. Auch sie sah gebannt auf den, noch immer dämmrigen Flur.
Die Schritte kamen immer näher und langsam zog ich mich an den Stangen in eine aufrechte Position.
Megs tat es gleich, auch wenn sie dabei um einiges graziler wirkte.
Mein Verstand schrie mir zu, mich zu verstecken oder meine Füße in die Hand zu nehmen und wegzurennen. Doch beides war hier nicht möglich. Megs schlich sich langsam zu der kleinen, abgeschlossenen Tür, die nur aus Stangen bestand.
„Megs, was tust du?" zischte ich und trat näher an die Stangen, die uns beide voneinander trennten. Sie ignorierte mich.
„Megs!"
Die Schritte kamen immer näher und das Echo der Schritte jagte mir einen Schauer über den Rücken.
Würden sie uns jetzt sofort ins Exil schmeißen. Schaudernd schlang ich meine Arme um mich selbst und drückte mich mit meinen schmerzenden Rücken gegen die Stangen.
Ich könnte jetzt eh nichts mehr daran ändern... versuchte ich mir einzureden und schloss für ein paar Sekunden die Augen.
Dann verstummten die Schritte und ich riss meine Augen auf.
Für einen kurzen Moment setzte mein Herz aus.
Ein Wächter, in voller Montur, stand genau vor Megs Zelle. Beide standen so dicht an den Stangen, dass kein halber Meter zwischen ihnen lag. Die Schwärze der Ausrüstung schüchterte mich ein, aber dennoch fiel mir etwas auf.
Er war alleine.
Alleine. Wieso kam er alleine? Aus Sicherheitsgründen mussten doch immer mindestens zwei dabei sein...
Meine Augen waren starr auf Megs und den Wächter gerichtet und ich wusste nicht, wie ich diese ganze Situation einordnen sollte.
„Du bist spät dran." Meinte Megs plötzlich und mir fiel es wie Schuppen von den Augen.
Es gab einen Verräter in den Reihen der Wächter. Das war Megs Plan...
„Ich weiß, ich musste noch etwas erledigen." Meinte er in dem Moment, als er seine Hände hob, um seinen Helm abzunehmen.
Braune Locken fielen ihm ins Gesicht und es fühlte sich so an, als würde mir jemand imaginär einen Schlag ins Gesicht verpassen. „Harry!" keuchte ich erschrocken auf, als ich ihn erkannte. Sofort schossen die Köpfe von Megs und ihm zu mir herum. „Ihr kennt euch?" fragte Megs, während Harry mich verwirrt und misstrauisch zu gleich musterte. Während er sofort mit „Nein." Antwortete, meinte ich „Ja." Fügte dann aber noch hinzu: „Nicht wirklich, meine Mum ist mit deiner befreundet..."
DU LIEST GERADE
Skyscraper
Fanfic➳ 2433. Die Welt ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Durch die Auswirkungen von Kriegen, Naturkatastrophen, Überbevölkerung und der Gier nach Forschung und Entwicklung wurde die Menschheit vor einigen Jahrzehnten dazu gezwungen in die sogenannte...
