Am nächsten Morgen stand ich früh auf. Einerseits da ich noch einkaufen musste, bevor ich zu meiner neuen Arbeitsstelle musste, anderseits, aber auch da ich nicht mehr schlafen konnte.
Dad war schon weg, als ich leise in den Wohnraum tapste und dabei mein Flanellhemd zuknöpfte. Mum hingegen schlief noch auf der harten Bank. Mit einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass sie auch noch eine gute halbe Stunde hatte, bis sie aufstehen musste.
Selbst im Schlaf wirkte sie etwas angespannt und sanft strich ich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sofort entspannten sich ihre Züge etwas.
„Guten Morgen, Mum." Flüsterte ich, bevor ich unseren Wandschrank öffnete und den kleinen Keramikbecher hervorholte, in dem wir unser Einkaufsgeld aufbewahrten. Bis auf fünf Münzen war dieser gähnend leer und langsam nahm ich drei Münzen in meine Hand. Dann schloss ich für einen kurzen Moment meine Augen, atmete einmal tief ein und aus und versuchte die Angst zu verdrängen.
Angst davor, dass wir uns bald nichts mehr leisten konnten.
Angst davor, dass wir in die unteren Sektoren ziehen mussten.
Ich redete mir ein, dass dies nie passieren könnte. Immerhin hatte ich jetzt eine neue Arbeitsstelle, bei der ich mehr als dreimal so viel verdiente wie vorher, wenn ich meine weitere Ausbildung schaffte.
Doch die Betonung lag auf wenn.
Denn ich hatte meine erste schon nicht geschafft, wie sollte ich dann so leicht meine zweite bestehen?
Denn bei dieser konnte ich mir nicht einfach eine gefälschte Bestätigung kaufen.
Mit einem Ruck stellte ich die Geldtasse zurück an ihren Platz, schlüpfte in meine Jacke sowie Schuhe und verließ unsere Wohnung.
Die Münzen hielt ich fest in meiner Hand, die in meiner Jackentasche steckte.
Ich war zwar im Sektor 2b groß geworden und kannte hier vieles, aber ich wusste auch, dass man auf seine Wertgegenstände ein waches Auge haben musste, um nicht von einer Sekunde auf die nächste ärmer zu sein.
Ich lief den Korridor entlang, an der Nische vorbei, in der ich erst vorletzte Nacht auf Eleanor gewartet hatte und schlug den Weg zu dem kleinen Markt- und Handelsplatz von Sektor 2b ein.
Er war nicht groß und er bot auch nicht die besten Sachen an. Die Qualität mal ganz weggelassen. Aber die Sachen waren günstiger als die auf dem Hauptmarktplatz von Sektor 2 in Etage 8, also 2c.
Jeder Sektor hatte seinen Haupthandelsplatz und gelegentlich ein Shoppingcenter in deren besten Etage, also jeweils der Sektor mit dem c.
Wir waren zwar ein b, doch selbst die Preise in 2c waren im Moment viel zu hoch.
Wie immer war der Marktplatz schon ziemlich voll, da die meisten ihre Einkäufe vorm Arbeitsbeginn erledigen wollten. Es war unangenehm laut und mehrmals hielten mich Händler an, um mir ihre Ware anzubieten.
Ich blieb kein einziges Mal stehen und kämpfte mich nur durch die Masse bis zu den Stand von Rina vor, die wie jeden Tag hinter ihren zerkratzten Klapptisch stand und wie eine Furie ihre Ware anpries: „Frische Äpfel aus Skyscraper 21 West! GANZ FRISCH! Apfelsinen aus Skyscraper Süd 46! NUR ZUM HALBEN PREIS!"
Ich wusste nicht, woher diese kleine Frau, mit der großen Zahnlücke dieses unglaubliche Stimmvolumen her hatte. Mir fielen beinahe die Ohren ab, aber als sie mich entdeckte, verzog sie ihre Lippen zu ihrem typischen Zahnlücken-Lächeln und stemmte die Arme in die Seite.
„Na na na, wenn das nicht die kleine Sophia ist. Lange nicht mehr blicken gelassen, hm?"
Ich lächelte nur als Antwort und zuckte mit den Schultern.
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Skyscraper
Fanfiction➳ 2433. Die Welt ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Durch die Auswirkungen von Kriegen, Naturkatastrophen, Überbevölkerung und der Gier nach Forschung und Entwicklung wurde die Menschheit vor einigen Jahrzehnten dazu gezwungen in die sogenannte...
