Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, alles schien viel zu weit weg und gleichzeitig viel zu nah dran. Es war einerseits viel zu laut, anderseits aber viel zu leise in meinem Kopf.
Stille.
Ich rieb mir über meine Schläfen, während ich an der Wand gelehnt dastand.
Ich konnte hören, wie Mum in den Töpfen herumwerkelte, doch meine Gedanken wanderten immer wieder zu Dad und den verbrennenden Dokumenten.
Ich dachte die ganze Zeit, Mum wäre viel zu naiv, um irgendetwas mitzubekommen, aber vielleicht war auch genau das ihre Tarnung?
Was stand noch alles auf den Zetteln?
Dad wurde als WW bezeichnet, doch was bedeutete dies?
Liam wusste es und er wusste auch, wie er mich austricksen konnte, damit ich nicht sprach.
Ich hatte das Gefühl, dass sich die offenen Fragen und Probleme immer weiter zu einem Meer anwuchsen und versuchten mich zu ertränken.
Doch es musste einfach eine Lösung geben.
Es gab Antworten auf all die Fragen.
Und ich wusste von einer Person, die sie wahrscheinlich alle kannte.
Es vergingen keine fünf weitere Minuten bis ich meinen Entschluss beschlossen hatte. Leicht schüttelte ich über mich selbst den Kopf, da ich mir eigentlich geschworen hatte, nie freiwillig zu ihm zu gehen, doch es blieb mir nichts anderes übrig, falls ich aus all diesen Sachen schlau werden wollte.
„Ich gehe zu Eleanor." Murmelte ich zu Mum, als ich in meine Stiefel schlüpfte. Ich spürte Mums Blick auf mir, doch sie sagte nichts. Vielleicht hatte sie doch keine Ahnung von alldem.
Mir war bewusst, dass ich nicht mehr viel Zeit bis zur Ausgangssperre hatte, doch mir blieb nichts anderes übrig. Die Blicke der wenigen Wächter auf dem Marktplatz streiften mich und automatisch zog ich mir meine Kapuze über den Kopf. Sie interessierten sich nicht weiter für mich und drehten sich um, die eine Hand aber dennoch immer auf den Pistolengriff.
So lange man sich still verhielt, waren wir für sie wie Dreck.
Schnell huschte ich in einen der vielen Aufzüge, die gerade den Weg nach unten antraten. Mein Herz wurde mir schwerer, als wir am Sektor 2a ohne Zwischenstopp entlangfuhren. Zu gerne würde ich hier aussteigen und zu Eleanor gehen, wie ich es Mum vorgelogen hatte. Doch ich hatte keine Zeit dafür, auch wenn ich nun alles dafür geben würde, ihr offenes Ohr und ihre tröstende Schulter bei mir zu haben.
Sofort schob ich den Gedanken beiseite, bevor ich mich noch anders entschied.
Als wir Sektor 1c passierten und immer näher 1a kamen, wurde mein Herzschlag immer schneller und mein Atem immer hektischer.
Die Umgebung, all die ekelerregenden Gerüche machten mich nervös und als ich aus dem Lift trat, umschlang ich meinen Oberkörper mit meinen Armen selbst, um einen Kälteschauer zu verhindern. Es war kälter als in meiner Erinnerung.
Doch als ein klirrendes Geräusch und dann die schlürfenden Schritte einer Person ertönten, machte ich mich so schnell es ging auf den Weg zu der Wohnung. Ich suchte einen Weg durch die Müllberge, nicht ohne vorher immer zu schauen, ob gefährlich aussehende Leute sich irgendwo befanden.
Ein einziges Mal musste ich mir einen anderen Weg suchen, da eine Gruppe Obdachloser sich durch einen Müllberg auf der Suche nach nützlichen Sachen gruben.
Bevor sie mich jedoch entdecken konnten, hatte ich bereits meine Richtung geändert.
In dem Korridor kamen mir immer wieder ein paar Personen entgegen und jedes Mal sah ich mit klopfenden Herzen auf den Boden. Zar hüllte die Kapuze mein Gesicht in Schatten, aber sie würde nicht verhindern können, dass ich vielleicht tot in der nächsten Ecke lag...
Komischerweise wusste ich sofort, dass dies die Wohnung war, die Niall zusammen mit mir betreten hatte, als ich sie sah. Ich wusste nicht, ob es an der abgeblätterten Farbe lag oder eher an der Tatsache, dass ich es mir unbewusst gemerkt hatte.
Einmal atmete ich tief ein, bevor ich mit einem kaum hörbaren Quietschen die Tür aufstieß.
Dunkelheit umgab mich, als ich unsicher einen Schritt in den Raum reinmachte und hinter mir die Tür wieder zu zog.
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Skyscraper
Fanfiction➳ 2433. Die Welt ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Durch die Auswirkungen von Kriegen, Naturkatastrophen, Überbevölkerung und der Gier nach Forschung und Entwicklung wurde die Menschheit vor einigen Jahrzehnten dazu gezwungen in die sogenannte...
