-22- ➳ Böser Junge,naives Mädchen

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„Was willst du von mir, Niall?" presste ich zwischen meinen Zähnen hervor und verschränkte meine Arme vor meinem Körper. Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht und lässig lehnte er sich gegen die Wand.
„Ach, nun bin ich der Böse?"
Sein Grinsen behagte mich nicht, aber trotzdem hob ich mein Kinn an und nickte. „Immerhin hast du mich verfolgt."
„Ich bin hier nur normal lang gelaufen..." Nialls Lippen verzogen sich immer mehr und ich kaufte es ihm definitiv nicht ab. Es steckte mehr dahinter.
„Ach ja? Und dann bist du auch wie aus dem Nichts hinter mir aufgetaucht?"
„Und damit willst du sagen, dass ich dich erschreckt habe... aber jep, wenn du es so siehst, dann bin ich aus dem Nichts aufgetaucht."

Ich konnte mir ein Stöhnen nicht verkneifen und sammelte all meinen Mut, um ihn den Rücken zu zudrehen und meinen Weg nach Hause fort zu führen. Meine Geschwister warteten und ich wollte mich auf keinen Fall auf Nialls Spielchen einlassen. Ich hatte bereits genug Probleme.

„Oder aber ich wollte einem unschuldig und verletzbaren Mädchen nach Hause begleiten, um sie vor Überfällen zu bewahren." Ertönte seine laute Stimme hinter mir und ich drehte mich blitzschnell zu ihm um.
Mit zusammen gekniffenen Augen hob ich meinen Finger, nicht genau wissend, was ich damit eigentlich bewirken wollte. „Ich bin nicht unschuldig oder verletzbar und definitiv brauch ich auch keinen Begleitschutz."

„Stimmt, du bist ja das Mädchen, das sich eine gefälschte Prüfbescheinigung erbeutet hat und Friede Freude Eierkuchen spielt, während alles um sie herum zu zerbrechen droht... Naivität schützt nicht vor den bösen Jungs, meine Hübsche." Niall zuckte mit den Schultern und ich musste mich zusammen reißen, um nicht auf ihn los zu gehen. Ich wusste selbst nicht, woher mein plötzlicher Mut kam, aber spottend fragte ich: „Den bösen Jungs? Ich dachte das wäre deine Rolle?"

Sein Grinsen wurde noch breiter und er kam ein paar Schritte auf mich zu, blieb dann stehen und strich sich einmal über seine abgewetzte Lederjacke. Seine Hände vergrub er in dessen Taschen und antworte mir dann mit schief gelegtem Kopf: „Du lernst schnell, das gefällt mir! Nun muss nur noch das Naive weg. Denn ich habe von den anderen bösen Jungs geredet und nicht von deren teuflisch gut aussehenden und charmanten Anführer. Danny steht um den nächsten Müllberg. Rick im Korridor 5. Die anderen nicht zu vergessen, aber bis ich alle namentlich erwähnt habe, wären sie alle schon hier und nun mein Hübsche... Wir wollen doch wohl nicht provozieren, was man bekommt, wenn man die bösen Jungs verärgert, oder etwa doch?"
Er zwinkert mir zu, aber dennoch hörte ich die versteckte Drohung.
Niall vollführte mit seinem Arm eine zum Gehen auffordernde Geste. Ich presste nur meine Lippen zusammen und versuchte mein wild pochendes Herz zu ignorieren. Niall hatte seine Leute mitgebracht. Das änderte definitiv etwas.

Niall lief auf meiner Höhe, blieb aber still. Als wir am ersten Müllberg vorbei waren, sah ich mich argwöhnisch um.

„Wir lassen uns nur sehen, wenn wir gesehen werden wollen, meine Hübsche. Nur so überlebt man in dieser Welt. Lektion eins." Teilte mir Niall mit ohne mich überhaupt anzusehen.
„Was willst du von mir, Niall?" fragte ich leise und Hoffnung, dass er mich nur ärgern wollte, macht sich in mir breit, als ich bereits den Fahrstuhl entdeckte.

„Sophia, wusstest du, dass man mehr gemeinsam hat mit seiner Familie als man glaubt? Vielleicht hasst du einen Teil deiner, aber im Endeffekt hasst du somit nur ein Ebenbild deines Selbst." Er sah mich immer noch nicht an.

„Was meinst du damit?" ich verschränkte meine Arme und blickte ihn misstrauisch an, während wir vor den Türen des Fahrstuhls stehen blieben. Das Licht flackerte und mehrmals musste ich blinzeln, um mich um die etwas düsteren Lichtverhältnissen gerecht zu werden.

„Ich meine damit, dass deine Familie wohl mehr verheimlicht als du glaubst. Jeder hat seine Geheimnisse. Was ist denn mit deinem Dad? Meinst du, er wird heute Abend wieder in der Bar sitzen und morgen früh schnarchend auf der Sitzbank liegen? Bist du wirklich so naiv das zu glauben?"

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