"Um Himmels Willen, hast du ein Gespenst gesehen, oder gilt dieser Blick tatsächlich mir?", lachte der Mann auf und ich meinte sein Lachen in meiner Brust vibrieren zu spüren. So tief und dunkel war es, aber auch so laut und stark.
Unwohl presste ich meine Lippen aufeinander, bevor ich mich zu meiner vollen kleinen Größe von 1.64 Meter aufbaute und ihm antwortete:" Könnte man so sagen ja, im Gegensatz zu ihnen, weiß ich nämlich nicht, mit wem ich es hier grade zu tun habe."
Ich weiß, normalerweise sollte ich nicht so vorlaut sein, aber man o man, ich glaube ich hatte noch nie so einen seltsamen und überfordernden ersten Arbeitstag wie heute gehabt. Und dann stand auf einmal dieser Bulle von Mann vor mir und tat so, als würden wir uns schon ewig kennen.
"Mein Name ist Andrew Hastings, ich habe deine Wohnung eingerichtet und bin Taylors rechte Hand.", grinste er noch viel breiter als vorher, während ich das Gefühl hatte, dass mir alles aus dem Gesicht fallen würde.
"Oh, Entschuldigung! Mr. Hastings! Klar, wie konnte ich das nicht wissen. Entschuldigen sie meinen Ton, es ist nur alles so .... neu!", stotterte ich jetzt verlegen. Scheiße scheiße scheiße! Hastings, klar, den Namen kannte ich, er hatte mir die Verträge zukommen lassen und mit ihm hatte ich mein Einstellungsgespräch gehabt. Zugegen, er hatte mich mitten aus der Nacht völlig unvorbereitet aus dem Bett geklingelt und ich war so müde gewesen, dass ich nicht verstanden hatte, dass das Telefonat tatsächlich statt gefunden hatte, aber verdammt, wie hatte ich den Namen vergessen können? Wäre ich so gelenkig gewesen, ich hätte mir selbst in den Arsch getreten.
"Schon ok, Kleine. Aber es freut mich trotzdem, dass dir die Wohnung gefällt. Ich war mir nicht sicher, ob das deine Farbe ist. Aber letzten Endes habe ich mir gedacht, das weiß ja zu allem passt.", stieß er sich jetzt vom Türrahmen ab und ließ seinen Blick schweifen, als überprüfe er, ob auch alles so war, wie es sein sollte. Dann nickte er zufrieden und lies seinen Blick wieder auf mir ruhen. Ungeniert und eindringlich folgte er mir mit seinem Grinsen auf Schritt und Tritt, als ich schließlich das Bad verließ und ihm beteuerte, wie schön ich die Wohnung fand.
Da tauchte auf einmal jemand neues in meiner Wohnung auf. Ein junger Mann, wahrscheinlich nur ein wenig jünger als ich. Er brachte mir doch tatsächlich meinen Koffer. Er schaute mich nicht an und auch Andrews Blick wurde von ihm gemieden. Genauso schnell wie er gekommen war, wollte er auch wieder verschwinden, also konnte ich ihm das Danke nur hinterher rufen.
Etwas Ratlos stand ich jetzt also im Schlafzimmer und fragte mich, ob das hier jetzt tatsächlich meine Wohnung war, als Ilayne plötzlich wieder in der Tür stand. Sie begrüßte ihren Mann mit einem Kuss und wandte sich dann mir zu.
"Hallo Schatz. Na Gül, wie ich sehe ist der Koffer schon da. Komm ich helfe dir auspacken.", kam sie auf mich zu.
"Aber...die Wohnung ist doch viel zu groß für mich. Und ich glaube nicht, dass ich dazu in der Lage bin sie sauber zu halten und irgendwie...Ich habe mir meinen ersten Arbeitstag irgendwie anders vorgestellt. Ich dachte ich werde herum geführt und bekomme erklärt, was meine Aufgaben sind und wo ich arbeite...", versuchte ich zu erklären, merkte aber von Wort zu Wort mehr, wie es mir schwerer viel auszudrücken was ich eigentlich sagen wollte. Frustriert über mich und meine Situation fuchtelte ich wild mit meinen Händen in der Gegend rum und bekam nur nebenbei mit, wie Ilayne und Andrew sich einen komischen, wissenden Blick zuwarfen.
"Gül, du wirst die Vorzüge dieser Wohnung schon bald zu schätzen wissen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass das hier nicht nur ein Vollzeit-Job, sondern bald schon dein Leben sein wird, ist diese Wohnung wirklich nur eine winzig kleine Entschädigung für das was du hier leisten wirst."
"Mein...mein Leben?", fragte ich verunsichert und verwirrt zugleich. Warum in drei Herrgosttsnamen hatte ich in den letzten Stunden öfter das Gefühl gehabt doof zu sein, als in meinem ganzen restlichen Leben? Was meinte sie mit "es wird dein Leben sein"? Ich meine klar, ich habe eine Chefposition, aber hieß das jetzt für mich, dass ich kein Privatleben mehr haben würde? Wo war ich hier bloß gelandet? Ich hatte plötzlich das Gefühl in der Firmenbeschreibung im Internet irgendetwas wichtiges Überlesen hatte.
"Davis Industries ist die größte und einflussreichste Firma auf der Welt. Wir decken sämtliche Bereiche für Firmen ab. Egal ob Autos, Geschirr, Schuhe, Klamotten, Computer, Häuser, wir mischen bei allem mit! Überall haben wir unsere Hände im Spiel. In diesem Konzern arbeiten zur Zeit 50 000 Menschen in über 25 000 Zweigstellen und Firmen und es werden jeden Tag mehr. Du alleine bist für ungefähr 1 000 Menschen verantwortlich. Und lass dir gesagt sein, sollte einer dieser 1 000 Menschen einen Fehler machen, wirst du, als ihre Chefin, dafür gerade stehen. Und wenn du glaubst, dass deine Verantwortung mit Ende deines Dienstes ebenfalls endet, dann muss ich dich enttäuschen. Bei der Fülle an Aufträgen, kannst du von Glück reden, wenn du auch nur einen Tag frei bekommst, selbst, wenn du ihn 3 Jahre im Voraus beantragt hast! Ich hoffe du verstehst was ich meine.", seine Stimme war nur noch ein Flüstern und in ihr steckte plötzlich so viel Aggressivität, dass ich wirklich angst hatte, wer würde jeden Moment auf mich los gehen, wie ein Hund, der dich anknurrte, bevor er zum Sprung ansetzte. Ja, der Vergleich passte meines Erachtens echt gut zu ihm, denn grade unterschied er sich wirklich nicht von einem Hund. Er sah so aus, als würde er sich gerade die Zähne fletschen. Wirklich angsteinflößend. Anscheinend sah man mir das auch an, denn nun schaltete sich Ilayne wieder ein und versetzte ihm einen Schlag mit dem Ellenbogen in die Seite und schaute ihn wütend an. Zu mir gewandt lächelte sie entschuldigend:"Nimm ihn nicht Ernst! Er meint es nicht so. Glaub mir, es gibt hier nichts wovor du dich fürchten musst. Es ist gar nicht so schlimm wie er behauptet. Klar hast du auch mal einen freien Tag und du musst ihn nicht 3 Jahre im Voraus planen. Es ist nun mal Leider so, dass wir im Moment einen unglaublichen Auftragsdruck haben und daher hier wirklich durchgehend eingespannt sind. Das ist auch der Grund, warum du deine Wohnung hier hast. Hier wird fast durchgehend gearbeitet und du musst einfach immer erreichbar sein. Apropos Erreichbarkeit. Hier ist dein neues Diensthandy. Du kannst damit machen was du willst, sogar in deine Heimat telefonieren ohne die Kosten zu fürchten, aber lass dir gesagt sein. Wenn dieses Handy klingelt, dann hast du dran zu gehen.", plötzlich klang ihre Stimme sehr eindringlich," Egal was du tust, dieses Handy hast du zu jeder Tages- und Nachtzeit bei dir zu tragen und zu beantworten. Hast du das Verstanden?"
Völlig überfordert nahm ich das Ding entgegen und steckte es in meine Tasche. Abwartend schaute ich die beiden an und wartete auf die nächste Hiobsbootschaft, doch stattdessen schauten sich die beiden an und verabschiedeten sich:" Ich denke wir sollten dich jetzt ein wenig in Ruhe lassen, morgen zeige ich dir alle Räumlichkeiten und Arbeitsbereiche. Bis dahin kannst du es dir ja hier gemütlich machen. Wenn was ist, ruf mich einfach an. Meine Nummer ist schon eingespeichert, wie auch die Nummern von allen anderen, die in den Bereichen arbeiten, die mit dir zu tun haben.", damit packte sie ihren Mann am Arm und zerrte ihn förmlich aus der Wohnung. Die Wut, vermutlich über seinen "Gefühlsausbruch" mir gegenüber, war ihr mehr als anzusehen und ich fragte mich, ob sie ihm jetzt, wo sie die Halle verlassen hatten, ihm einen gehörigen Einlauf verpassen würde. Die Frage würde ich wahrscheinlich niemals beantwortet bekommen. Stattdessen stand ich nun hier, alleine, in meiner neuen Wohnung, bestehend aus Glaswänden, von denen ich nicht wusste, wie ich sie "undurchsichtig" machen konnte. Stöhnend und entnervt ließ ich mich völlig gefrustet auf meine neue Couch fallen, nur um kurz darauf wieder auf zu stehen und den Tränen nahe heraus zu finden, wie ich meine Wohnung in den Griff bekam. Irgendwie ahnte ich, dass es ein langer Tag und eine noch viel längere Nacht werden würde.
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Die andere Mate
Lobisomem*Achtung! Enthält sexuelle Inhalte und Szenen der Gewalt!* "Du bist schon feucht? So eine bist du also? Das macht es für mich einfacher...", seine Stimme war rau und belegt. Plötzlich gingen bei Gül alle Alarmglocken an. Sie wehrte sich, versuchte s...
