"Bring das bitte in den Druck. Sie sollen es auf AlluDibond drucken. 2x3 Meter. Bevor es raus geht, möchte ich es mir noch einmal anschauen. Rachel? Rachel? Ah, gut, da bist du ja. Richte dem Food Department aus, dass das Storyboard für die Werbung in etwa 1 Stunde fertig ist. Sie sollen jemanden schicken, der es abholt. Ben! Geh das bitte kopieren. Arthur, ja, das sieht wundervoll aus. Hier noch ein wenig mehr davon und tada! Genial! Sehr gut gemacht Arthur...", lief ich langsam, aber gestresst durch eine der Hallen in denen meine circa 1 000 Leute arbeiteten. In Wirklichkeit waren es etwa 1 700 aber wen jucken schon die 700 Leute unterschied? Ist ja nicht so, als wenn es auch so genug Leute wären, die etwas von mir wollten? Nein, das machte absolut keinen Unterschied. Seid gerade einmal 7 Tagen arbeitete ich hier und ich war schon voll drin in meinem 24/7 Job, der daraus bestand Projekte zu Leiten zu Koordinieren, Teams aufzustellen und ihren Flow zu überprüfen. Und natürlich die Absegnung aller kreativ Arbeiten und verdammt nochmal, es war anstrengend, nicht ansatzweise das, was ich mir unter diesem Job vorgestellt hatte. Gerade wollte ich mein Apartment betreten, als plötzlich jemand meinen Namen rief. Alarmiert drehte ich mich um und blickte in besorgte und schuldbewusste Augen. Mein Herz schlug schneller. Das war Amber vom Brothers Projekt. Egal, was sie mir mitteilen würde, ich wusste, dass es nichts Gutes war. Wortlos ließ ich sie in meine Wohnung und wir nahmen auf dem Sofa platz. Ich saß still und in die Kissen zurückgelehnt. Sie die Arme auf den Knien abgestützt die Hände ineinander verschränkt und immer gegen ihre Lippen tippend. Ihr Blick scheu auf den Boden gerichtet. Ich hätte gerne gewartet, aber ich wusste, wie groß der Auftrag von Brothers war. Eine der größten Firmen in den USA. Und was noch viel Schlimmer war, war die Tatsache, dass die Presentation morgen sein sollte. In nicht mal 24 Stunden...Mein Blick ruhte nach wie vor auf Amber und ich spürte instinktiv, dass sie zusammenbrechen würde sobald ich sie ansprach. Normalerweise würde ich darauf Rücksicht nehmen, aber hier stand zu viel auf dem Spiel und die Uhr tickte.
"Amber...", sprach ich sie an. Sofort brach sie in tränen aus und entschuldigte sich. Wieder und immer wieder. Erst nach etwa einer Stunde war sie wieder dazu in der Lage mir halbwegs beruhigt, man konnte sie zwischen ihren Schluchzern wieder verstehen, mitzuteilen was passiert war.
"Bitte, bitte feuern Sie mich nicht. Es tut mir so Leid. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Auf ein mal hat es gescheppert und dann...", wieder brach sie lautstark in Tränen aus, doch auch ohne, dass sie es mir sagte, wusste ich was passiert war und mein Magen zog sich krampfhaft zusammen. Die Worte von Andrew kamen mir wieder in den Sinn und ich schluckte schwer. Ich hatte geahnt, dass die Katastrophe kommt, aber dass es schon jetzt so weit sein würde... Ich musste mir etwas einfallen lassen. Schnell. Die Nacht machte ich kein Auge zu und auch alle Mitarbeiter vom Brohters Projekt nicht. Wir arbeiteten die gesamte Nacht durch. Der Kaffee floß in rauen Mengen und dennoch wurde der ein oder andere vom Schlaf übermannt. Irgendwann saß ich alleine da und arbeitete weiter, die Augenlieder schwer wie Blei, ich kaum in der Lage sie offen zu halten. Man könnte sich fragen warum, doch mir war klar, dass sie eine Pause und eine Nase voll Schlaf brauchten. Gegen morgen würde ich mich zurück ziehen um während der Präsentation halbwegs passabel auszusehen, oder zumindest nicht wie eine Leiche mit dicken Augenringen. In der Zeit mussten sie dem Projekt nur noch den letzten Schliff geben. Andrews Worte hallten ständig in meinem Kopf wieder. Arschloch! So leicht würde ich mich nicht geschlagen geben. Da konnte er einen drauf lassen.
Ich spürte so viel. Ich spürte, wie ich den Atem anhielt, nachdem ich die Presentation fehlerfrei geendet hatte. Ich spürte, wie kalt meine Hände waren, weil ich die ganze Zeit meinen Stift krampfhaft festhielt. Ich spürte, wie meine Beine begannen schwach zu werden und mein Magen fühlte sich komisch flau an. Ich spürte auch, wie ich begann zu zittern. Der Schlafmangel und das fehlende Frühstück machten sich bemerkbar. In Kombination mit den bohrenden Blicken der ernst und feindselig drein blickenden Männer und Frauen, würde ich nicht mehr lange "funktionieren".
Mein Blick fing ein Grinsen von Andrew auf, der am Kopf des Konferenztisches saß. Das war mein Zeichen. Alle Fragen waren beantwortet und ich durfte gehen. Schnell verabschiedete ich mich und verließ dann den Raum. Ohne mich noch einmal umzuschauen ging ich den langen Gang entlang und fuhr mit dem Aufzug hoch in mein Apartment. Ich knallte meine Schuhe in die Ecke, ließ meine Unterlagen auf den Boden gleiten und plumpste ins Bett. Mit letzter Kraft zog ich die Decke über mich und schlief ein. Mein Job war vorerst gerettet.
DU LIEST GERADE
Die andere Mate
Werewolf*Achtung! Enthält sexuelle Inhalte und Szenen der Gewalt!* "Du bist schon feucht? So eine bist du also? Das macht es für mich einfacher...", seine Stimme war rau und belegt. Plötzlich gingen bei Gül alle Alarmglocken an. Sie wehrte sich, versuchte s...
