"Mach diese verdammte Tür auf! Jetzt! Sofort! Sonst kannst du was erleben!!!", brüllte er und ich konnte die Wut, die in ihm brodelte, wie ein Vulkan eine Sekunde vorm endgültigen Ausbrechen, spüren. Ich drückte mich aus Angst er könnte es irgendwie durch die Tür schaffen soweit wie möglich in die von der Tür am weitesten entfernte Ecke. Meine Knie zitterten. Überhaupt zitterte ich am ganzen Körper. Was tat er wohl, wenn er irgendwie hier rein kam?! Ich hatte keine Ahnung und wollte es auch lieber nicht erfahren. Jedoch schien es, als sollte ich es gleich erfahren. Ein lauter Knall von der Tür kommend ließ mich zusammen zucken und ich drückte mich noch enger an die Wand. Der Türgriff hatte sich auf Carters Seite der Tür verabschiedet und ich hörte ihn dumpf auf den Boden fallen. Wäre er aus Glas gewesen wäre er in tausende von Splittern zersprungen, so wie gleich wahrscheinlich meine Welt, für den Fall, dass der immer noch gegen die Tür bollernde Carter hier herein kommen sollte. Doch leider war der Griff einfach nur zu Boden gefallen und hatte für kurze Stille gesorgt, weil Carter sich wohl auch erschrocken hatte. Ein weiterer Knall ließ mich zusammenfahren und meine ohnehin schon mit Tränen gefüllten Augen, ließen die Tränen aus Angst und Reue endlich hinaus. Dieser Tag hatte es jetzt schon verdient schlimmster Tag in meinem Leben zu werden, denn die Tür war aus ihren Angeln gerissen und ohrenbetäubend laut scheppernd zu Boden gefallen. Ein vor Wut hoch roter, schnaufender Carter stierte mir entgegen und meine Angst vor ihm wurde noch größer. Er stampfte auf mich zu und schlug mir kalt und gefühlslos ins Gesicht. Der Schmerz stieg sofort in mein Gesicht. Doch lange konnte ich mich darauf nicht mehr konzentrieren, denn mit dem folgenden Schlag hatte ich das Gefühl all meine Konzentration würde mit jedem Atemzug, den ich tat, schwinden. Und als mich der nächste Schlag traf verlor ich völlig die Kontrolle. Die Tränen liefen mir in Strömen die Wangen hinunter, wie eine Flüssigkeit die mich versuchte zu heilen. Jedoch scheiterte sie jedes Mal aufs Neue, wenn mich die kalte harte Hand Carters traf.
Nach kurzer Zeit jedoch spürte ich trotz Schmerzen nichts mehr. Es war wie als hätte ich meinen Körper verlassen und würde von außen zuschauen, was mit meinem Körper passierte, an dem Carter immernoch seine Wut ausließ. Mittlerweile hatte er mich hoch gezogen und drückte mich gegen eine der gefliesten Wände.
Ich weiß nicht wie lange es so ging, aber nach einer Ewigkeit ließ er mich endlich fallen und auf den kalten Fliesen des Bodens liegen. Ohne eine weitere Regung verließ er den Raum und ließ mich kraftlos, weinend und unter Schmerzen auf dem eisigen Boden zurück. Die Tränen flossen mir weiter über mein Gesicht und wie so oft in dieser Situation, dachte ich an Seth. Ich hatte solche Sehnsucht nach ihm. Ich wollte ihn einfach bei mir haben. SEINE Nähe, SEINE Umarmungen, SEINE Küsse und nicht die des A****loches Carter, der sicherlich gleich wieder ankommen würde, um mich zu trösten.
Ich wiegte mich weiter und weiter in meinen Tränen und den Schmerzen des getrennt sein von Seth und der Härte von Carter, bis ich langsam und vorsichtig meine Augen schloss und anfing zu träumen:
'Ich lief durch den Wald. Den mir nur allzu bekannten Wald: Unser Reservat. Ich lief und lief. Meine Beine schienen mich wie von selber zu tragen. Ich sah mich beim Laufen um. Wie hatte ich all diese Schönheit der Natur vermisst in den letzten Monaten?! Ich hatte das Gefühl es sei Jahre her, dass ich mich außerhalb dieser verflixten Wohnung befunden hatte. Ich lief und lief, genoss das Gefühl von Freiheit, wie mir der Wind durch meine offenen Haare wehte und ich einfach mit ausgebreiteten Armen durch die Sonne lief. Und da sah ich ihn. Er stand mit dem Rücken zu mir, bemerkte mich nicht. Trotzdem konnte ich ihn erkennen. Dann hörte er mich und drehte sich zu mir um. Doch das Gesicht, in welches ich blickte, jagte mir Angst ein und ich wich vor Angst aufschreiend ein paar Schritte zurück. Von hinten hatte er ausgesehen wie Seth, jedoch war es Carter, der mir selbstgefällig entgegen lächelte und nun begann auf mich zuzulaufen. Kurz bevor er mich erreicht hatte spürte ich jedoch jemanden seine Arme um mich legen. Und dieser Jemand war niemand geringeres als mein Seth. Doch noch bevor ich ihn ansehen konnte' wurde ich aus dem Traum gerissen. Ich öffnete meine vom vielen Weinen müden Augen und blickte in das Gesicht von Carter. Er hatte mich auf die Couch gelegt und zugedeckt und blickte mich jetzt mit seinem eiskalten starren Blick an. Er schien beinahe durch mich hindurch zu starren. Er machte mir immernoch Angst und ich drückte mich unauffällig tief in das harte Sofakissen, dass sich unangenehm in meinen Rücken bohrte. Mir tat alles weh. Mein Rücken, und das nicht nur durch Kissen, meine Arme und Beine, mein Kopf und auch meine Hände.
Derweil hatte sich etwas in Carters Blick verändert. Der eben noch so gefühllose starre Blick war nun der eines kleinen 5-jährigen Jungen, der seinen Lolli nicht kriegte, nur dass er schon lange nicht mehr der kleine Junge war, der seinen Lolli nicht bekam, sondern ein nahezu erwachsener junger Mann, der es nicht kapierte, wie man eine Frau zu behandeln hatte. Ich sah ihn an. In irgendeiner Form faszinierte mich dieser Blick. Ich hatte ihn noch nie zuvor bei ihm gesehen. Es war komisch ihn irgendwie so verletzlich zusehen. Seit Monaten versuchte ich seine Schwachstelle herauszufinden um hier endlich raus zu kommen. Seit Wochen blieb ich erfolglos, ohne Fund. Doch jetzt, genau in diesem Moment fiel es mir auf. ICH war seine Schwachstelle.
So saßen wir da, ich über meine neue Erkenntnis staunend und er anscheinend überlegend was er sagen sollte. Jedoch konnte der Schmerz den er mir Tag-ein Tag-aus zufügte nicht durch Worte geheilt werden. Was er allerdings wohl zu versuchen schien. Vorsichtig nahm er das Wort an sich und fiel wie mit der Tür ins Haus in den Korridor unseres Schweigens. Ich schwieg weiter doch er begann stockend und stotternd zu reden:
"Nixe, es tut mir so unglaublig leid, was ich dir angetan habe...", er baute ein lange Pause ein und redete dann weiter: "Ich habe mich manchmal einfach nicht richtig unter Kontrolle... aber irgendwo, musst du mich auch verstehen... ich habe dich bei mir aufgenommen, habe dir Essen und Trinken gegeben, sowie Kleidung und überhaupt einen Unterschlupf. Ich habe dir alles gegeben und was gibst du mir als Dank dafür?! Einen Schlag ins Gesicht..." Er machte eine wirklich bedeutungsvolle Pause und ließ mich über das eben gesagte nachdenken. Irgendwo hatte er ja recht. Ich war ganz schön undankbar gewesen.
"Ich wollte dich jetzt halt fragen, ob du mich als Entschädigung, für den Rest deines Lebens als Ehemann haben willst?"
What?! WTF! STOOOPP!! Hat mir Carter gerade einen Heiratsantrag gemacht?! Hallo?! JUNGE?!? Bist du dumm?! Ich bin schon verlobt! Bei dem Gedanken daran kamen mir die Tränen hoch, obwohl ich eigentlich gar nicht mehr heulen konnte. Was würde ich dafür geben meinen Seth jetzt in meine Arme zu schließen. Mir wurde eines klar: In Carters Leben hat sich nicht viel geändert, genauso wenig, wie der 5-jährige, seinen Lolli bekommt, bekommt er jetzt mich als seine Frau und schon wieder kriegt er seinen Willen nicht.
"Ich kenne deine Antwort schon... sie lautet Nein. Aber lautet sie auch nein, wenn ich dir das bringe, was dir am wichtigsten ist momentan?", sagte er geheimnistuerisch.
"Je nachdem. Was wäre es denn?"
"Dein Verlobungsring", als Carter das sagte, machte ich große Augen. Woher wusste er davon?!
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Wolves - Eine von ihnen
Manusia SerigalaDies ist die Fortsetzung meiner ersten Story 'Wolves - Alleine unter Wölfen' und somit der zweite Teil meiner Trilogie. Was passiert, wenn Wolfsblut und Vampirgift aufeinander treffen?! Schon immer gibt es zwischen den beiden Seiten Auseinandersetzu...
