Heute am ersten Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember, war wieder Normalität in unserer Kleinstadt eingekehrt. Die Temperatur lag knapp unter 10°Celsius und die Straßen wurden nicht länger von Schnee, sondern nur noch vom allseits bekannten grauen Schneematsch bedeckt. Spazieren gehen taten Seth und ich in seinen Pullis, jeder normale Mensch natürlich in Winterkleidung.
Gerade gingen Seth und ich Hand in Hand zum Rudel. Schließlich wollten wir auch ein bisschen Weihnachten mit unserer zweiten Familie feiern. Auch Clary und Embry wollten später noch zum Rudel kommen. Ich trug natürlich einen viel zu großen Pulli von Seth und wurde von seinem wunderbaren Duft umhüllt. Seine warme Hand umschloss die Meine und mich erfüllte ein warm-weiches Gefühl von Geborgenheit als ich ihm in die Augen sah. Ein Gefühl dass ich vor ein paar Wochen noch zu sehr vermisst hatte.
Seth und ich kamen beim Rudel an. Doch uns erwartete nicht das Bild, das wir erwartet hatten. Vor uns erstreckte sich zwar der geschmückte Platz in der Mitte und es standen auch überall geschmückte Tannen herum, aber eine friedlich-fröhliche Stimmung war das hier nicht. Und auch war Besuch anwesend. Unangenehmer Besuch, zumindest laut den Gedanken und dem Knurren des Rudels. In der Mitte des Platzes, umgeben von knurrenden und wütenden Wölfen stand Alice. Still und starr. Sie schaute mich an und es schien sie reichlich wenig zu interessieren, dass sie gleich von Wölfen zerfleischt werden würde. Ich ließ Seths Hand und sprintete, obwohl er versuchte mich aufzuhalten, durch die Wolfsmasse hindurch zu Alice. Sie blickte mich weiter an. Dann plötzlich umarmte sie mich. Fest. Sehr fest. "Al, ist ja gut. Du erwürgst mich gleich!", sagte ich wohl etwas zu laut und konnte nicht hören was Alice mir antwortete, als sie mich los ließ. Das gesamte Rudel hatte durch meinen Satz noch lauter zu Knurren begonnen und jeder versuchte mir per Gedanken klar zu machen, ich solle mich von ihr fern halten. Alice sah mich an. "Ally...", flüsterte sie und obwohl es um mich herum eigentlich viel zu laut war um sie zu verstehen, verstand ich jedes Wort, "Ich weiß was du letzte Nacht geträumt hast..." Ich schluckte. Das klang nicht gut. "Das war kein Traum", fuhr sie fort, " sondern meine Vision, die du mit 'gelesen' hast..."
"Was?!", stirnrunzelnd blickte ich sie an. 'Bitte lass das nicht wahr sein. Bitte lass das nicht wahr sein', dachte ich.
Als Antwort nickte Alice nur, drehte sich um und rannte davon. Hieß das etwa, ich war schwanger?!
'Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Nein!', dachte ich, 'Das kann nicht sein! Das ist nicht möglich... oder doch?!'
"Was ist möglich, Prinzessin?", Seths Stimme drang leise an mein Ohr als er mich umarmte. Die knurrende Wolfsmasse hatte sich aufgelöst und wild über dem Platz verteilt. Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn an. Tief in seinen Augen erkannte ich die mir allzu bekannte Neugierde und Liebe. Tief in seinen braunen warmen Augen in denen ich mich immer verlor. "Nichts... es ist alles gut", ich setzte ein gespieltes Lächeln auf. Nichts war gut! Ich war vielleicht schwanger... Das konnte nichts Gutes heißen... Hallo?! Ich bin 16!
Den Rest des Tages verdrängte ich die Gedanken an eine mögliche Schwangerschaft und genoss einfach nur die schönen Momente mit meinem Prinzen und meiner zweiten Familie. Es war ein schönes zweites Weihnachtsfest. Es wurde viel getanzt und gelacht. Billy erzählte Geschichten. Wir spielten Flaschendrehen. Clary und Embry verschwanden in ihrer Hütte. Wir spielten weiter. Es wurde dunkler und dunkler bis nur noch das Lagerfeuer unseren heimischen Platz erhellte. Wir alle setzten uns um das knisternde Feuer herum. Ein Mitglied des Rudels, dessen Namen ich nicht kannte spielte ein bisschen Gitarre und wir wiegten bei ihrem Klang alle hin und her. Zum Abschluss des Abends sangen wir nocheinmal alle gemeinsam das "Lied der Wölfe". Danach ließ sich jeder zufrieden lächelnd in sein Bett fallen.
Auch Seth und ich lagen bereits in unserem großen Bett. Dicht aneinandergekuschelt. Er war schon am schlafen, doch ich kriegte kein Auge zu. Was, wenn ich wirklich schwanger wäre?! Sollte ich das Kind bekommen?! Würde ich abtreiben, würde ich ein Kind umbringen! Nein, nein! Das kommt nicht in Frage. Ich durfte schlicht und einfach nicht schwanger sein... So lange ist die Nacht mit Seth doch noch gar nicht her... Könnte ich noch die Pille nehmen? Würde ich dann nicht auch ein Kind umbringen?! Fragen über Fragen schwirrten durch meinen überfüllten Kopf, doch keine konnte ich beantworten. Okay... theoretisch sollte ich sowieso in den nächsten Tagen meine Regelblutung kriegen, bleibt diese aus, sollte ich mir ernsthafte Gedanken machen... die Visionen von Alice müssen nicht immer stimmen. Vielleicht war ja auch etwas ganz anderes gemeint... Stop! Hat Seth im Traum zu mir nicht gesagt "SIE" seien hier?! Omg! Zwillinge?!?! Aaaaaahhh!!! Das ist ja noch viel schlimmer... Ich bin doch noch nicht mal volljährig... Ich hab noch mein ganzes Leben vor mir...
Das macht mich noch wahnsinnig... Ich kann nicht mehr... Und dabei weiß ich nicht einmal, ob ich überhaupt schwanger bin... Ich sollte echt aufhören, so viel nachzudenken... Das macht die Situation auch nicht besser...
Also... jetzt schlafen... und in den nächsten Tagen schaue ich weiter...
Ich schloss meine schweren Augenlider.
Wie würde Seth wohl reagieren, wenn ich schwanger bin?! Was... was... was wenn er mich im Stich lässt, weil ich schwanger bin... Was wenn er einfach abhaut... Quatsch! Er ist auf mich geprägt... Er hat gar keine andere Wahl... Er wird bleiben so oder so... Und das Kind oder die Kinder, wird er so lieben, wie sie sind... Hoffentlich... Hoffentlich ist das alles bloß ein böser Albtraum und ich wache gleich auf...
Dann bin ich eingeschlafen.
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Wolves - Eine von ihnen
WerewolfDies ist die Fortsetzung meiner ersten Story 'Wolves - Alleine unter Wölfen' und somit der zweite Teil meiner Trilogie. Was passiert, wenn Wolfsblut und Vampirgift aufeinander treffen?! Schon immer gibt es zwischen den beiden Seiten Auseinandersetzu...
