Kapitel 31

842 43 3
                                        

Die letzten Nächte waren der blanke Horror. Ich habe noch nie so wenig geschlafen. Nicht nur wegen der Vision. Meine Regel ist ausgeblieben und das macht mir echt Angst. Natürlich habe ich das nicht komplett für mich behalten. Clary ist ja nicht blind. Sie hat sofort gemerkt, das etwas nicht stimmt und hat mich ausgefragt. Sie findet das alles, im Gegensatz zu mir, total aufregend und fährt heute mit mir zusammen zur Apotheke um einen oder vielleicht auch zwei Schwangerschaftstests zu holen. Seth weiß von allem nichts. Ich möchte nicht, dass er genauso unruhig schläft, wie ich. Er ahnt bestimmt, das etwas nicht stimmt, aber erfahren tut er es noch nicht. Soll er sich mal mit dem Rudel um die Silvestervorbereitungen kümmern. Billy hat vorgeschlagen meine Familie zur Silvesterfeier einzuladen und bis die morgen hier aufkreuzen können, muss noch einiges passieren.

"Seth?", rief ich durch unsere Hütte.

"Ja, Prinzessin?!", antwortete er aus der Küche.

Ich betrat diese: "Ich gehe jetzt mit Clary noch ein bisschen shoppen. Bis später", grinsend gab ich ihm einen Kuss auf die Wange und verschwand schon aus unserer Hütte. Clary wartete schon vor der Tür. "Wir gehen shoppen", sagte ich zu ihr und sie nickte grinsend: "Kinder shoppen!"

"Oh Clary, bitte!"

"Was?! Darf ich mich nicht freuen, dass ich Tante werde?!?!"

"Nein! Weil du keine Tante wirst!"

"Da sei dir mal nicht so sicher...", sie grinste über beide Ohren. Mittlerweile waren wir bei ihrer altrosanen Vespa angekommen und schoben den Motorroller ein Stückchen durch den Wald, bis der Boden und der Weg fester wurden, sodass man darauf fahren konnte.

Ich genoss den Wind, der durch meine Haare wehte, während ich mich an meiner Schwester festklammerte. Ja, sie konnte gut fahren. Aber musste man so sehr zwischen den Autos durch heizen?! Sorry, dass ich eine Wölfin bin und es gewöhnt bin, dass meine Beine mich tragen und nicht irgendwas anderes...

Nach nur 5 Minuten (als Vergleich: mit dem Auto braucht man ungefähr 20 Minuten) waren wir an der kleinen Apotheke angekommen.

Seth POV

Irgendetwas war komisch... Ich kenne meine Ally doch... Sie verhält sich so seltsam in letzter Zeit... Irgendwas muss sie sehr beschäftigen... aber was?! Vielleicht immer noch die Sache mit diesem Carter?! Glaub ich eigentlich nicht... Sie schien so glücklich wieder hier zu sein... und wenn sie krank ist?! Könnte sein... aber dann wäre sie doch mehr und nicht nur schlecht gelaunt, oder?! Ach keine Ahnung! Was bringt es sich da jetzt Gedanken drüber zu machen?!?!

"Seth! Hilf mir mal!" Jake, Embry und Quil kamen mir entgegen gelaufen. Alle drei hatten die Arme voll gepackt mit Feuerwerkskörpern für morgen. Sie konnten es schon kaum erwarten. Kurz hinter ihnen kamen Emily und das Mädchen auf das Quil sich vor längerer Zeit geprägt hatte. Sie war noch recht jung und ich hatte nicht viel mit ihr zu tun. Einfach aufgrund ihres Alters... Doch ich konnte an Quils Gedanken hören, dass sie einfach zauberhaft sein musste. Kein Wunder... Entweder man hat als Wolf das Glück mit Kindern umgehen zu können und sie zu mögen, oder eben nicht. Quil und ich gehörten beide zu der Kategorie, die gut mit ihnen umgehen konnten. Das wussten wir. Jake auch. Embry allerdings war ein bisschen Draufgängermäßig und hatte leider auf das Kinderhändchen verzichten müssen. Das war aber auch nicht sonderlich dramatisch. Wir hatten eh nie etwas mit kleinen Kindern zu tun. Da sie normalerweise nicht hierher kommen und wir kommen nicht zu ihnen. Der einzige Kontakt, den wir zu Kindern hatten, war, wenn innerhalb des Rudels mal ein Kind geboren wurde, was äußerst selten vorkam. Die alten Rudelmitglieder waren zu alt dafür. Die mittleren hatten bereits Kinder und wir, die jungen, waren noch etwas zu jung. So ging das hier aber immer... seit Generationen.

Mittlerweile waren hier schon alle möglichen Vorbereitungen getroffen worden, damit morgen Allys und Clarys Familie hierher kommen konnte. Alle Pfotenabdrücke waren beseitigt. Die Wolfshaare waren weggefegt. Überall lagen Decken und Pullis und dicke Jacken herum, damit wir nicht wahnsinnig erschienen, wenn wir Oberkörper frei hier herum liefen. Bis morgen war ein Verwandlungsverbot innerhalb der Siedlung verhängt worden und anziehen mussten wir uns morgen auch.

Schließlich war sichergestellt, das die Familie nichts von unseren zweiten Identitäten mitbekam.

Ally und Clary waren auch wieder heimgekehrt. Sie hatten lustige Partyhüte, Luftschlangen und massenhaft andere lustige kleine Partyartikel im Schlepptau und verschwanden sofort in Allys und meine Hütte. Irgendwie schien meine Prinzessin gestresst und nervös... Was hatte sie denn?! So langsam mache ich mir wirklich Sorgen...

Ally POV

"Schwanger",

hatte der erste Test gesagt.

"Schwanger",

hatte der zweite Test gesagt.

"OMG, ALLY! ICH WERDE TANTE!", hatte Clary geschrien.

"OMG, ICH BIN SCHWANGER!", hatte ich gedacht und natürlich darauf geachtet, das niemand das hören würde.

Langsam ging ich vor den Spiegel. Ich zog mein T-Shirt hoch, sodass ich meinen Bauch sehen konnte, und legte vorsichtig die freie Hand auf ihn drauf. Ich drehte mich in die eine und in die andere Richtung und stellte mich auf die Waage. "Clary?", ich sah meine Schwester an, "Bilde ich mir das nur ein, oder habe ich schon einen kleinen Bauch bekommen?" Sie betrachtete mich genauer. "Hm...", begann sie, "vielleicht ist die Schwangerschaft bei euch kürzer... Vielleicht kannst du es deshalb überhaupt schon merken... Normalerweise würde man das schließlich erst in frühestens einer Woche merken können..." Danach waren wir zu Billy gegangen. Unsere Jungs waren zum Glück mit den Vorbereitungen - wohl eher mit Blödsinn - beschäftigt, sodass sie uns nicht bemerkten. Wir betraten Billys Hütte und nach einem kurzen Gespräch mit ihm wussten wir nun: Clarys Vermutung war korrekt, Billy freute sich über Nachwuchs im Rudel, hatte keine Ahnung wie lange die Schwangerschaft dauern würde und erklärte Abtreiben für lebensgefährlich für Wölfe, und dass ich es meinen Eltern und Seth würde erzählen müssen.

Okay... das hieß also: Abtreiben ist tabu. Da blieb mir ja nur eine Wahl. Ich würde das Kind bekommen müssen... Verdammt! Ich bin doch erst 16! Man! Warum muss sowas immer mir passieren?!?!

Gegen Abend, unseren Jungs und anderen Freunden waren wir aus dem Weg gegangen, da sie sicher etwas merken würden, fuhren Clary und ich zu unseren Eltern. Ich wollte es ihnen jetzt sofort sagen, sodass Seth es morgen unterm mit Feuerwerk übersähtem Himmel erfahren konnte.

"Mom, Dad", begann ich als wir alle gemeinsam in unserem Wohnzimmer saßen. Clary ihrerseits konnte kaum noch still sitzen und strahlte über das gesamte Gesicht. Mir war hingegen zum heulen zumute. "Ich... ich... ich bin..."

"Verlobt?!", versuchte meine Mutter meinen Satz zu vollenden. Das war einer dieser Momente, in denen ich mir wünschte Einzelkind zu sein.

"Ja, dass auch... aber pssst", Clary hielt sich den Finger auf den Mund, " sie redet gerade..."

"DU BIST-", "BITTE WAS?!", hallten die Stimmen meiner Eltern durchs Wohnzimmer und ich hatte das Gefühl die Wände rückten ein Stückchen näher heran um näher am Geschehen zu sein. Ich warf Clary einen genervten 'Was-sollte-das-denn?!'-Blick zu und redete weiter: "Ja... ich bin verlobt... seit meinem Geburtstag..."

Empört begann mein Mutter zu reden. Wenn sie nervös war, tat sie dies besonders schnell, doch so schnell hatte ich sie noch nie reden hören: "Was?! Und davon hast du uns nichts erzählt?! Erst jetzt rückst du mit der Sprache heraus?! Ich habe ja nichts gegen die Verlobung, aber warum hast du uns nicht eingeweiht?! Das hättest du ja mal tun können! Wir sind schließlich deine Eltern!" Deshalb liebte ich meine Eltern so. Meine Mutter hatte kein Problem mit der Verlobung. Es regte sie viel mehr auf, dass ich sie nicht eingeweiht hatte. Das fand sie scheußlich. Meine Eltern waren schon immer der Meinung gewesen, dass dies mein Leben sei und ich einfach machen sollte, was ich wolle, solange es mir nicht schadete. Deshalb liebte ich sie so sehr.

Die Schwangerschaftsnachricht hatten sie ebenso entspannt aufgenommen. Sie sagten aber auch, dass ich aufpassen sollte. Sie würden mich immer unterstützen, aber ich solle trotzdem auf mich aufpassen.

DIE BESTEN ELTERN DER WELT!

Wolves - Eine von ihnenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt