Kapitel 20

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Als ich am nächsten Morgen die Augen aufschlug, sah ich direkt auf Dylans T-shirt, in welches ich mich gekrallt hatte. Ich ließ es los und wandte meinen Blick nach oben. Wo ich in Dylans müde und besorgte Augen sah. "Morgen." Sagte er und strich mir eine Strähne aus meinem Gesicht. "Morgen." Erwiderte ich ebenfalls. "Hast du gar nicht geschlafen." Wollte ich wissen. "Kaum. Du hast dich die ganze Zeit an mich gedrückt und vor dich hin gemurmelt, dass ich dich nicht verlassen soll. Darüber habe ich mir eine Zeit lang den Kopf zerbrochen. Und in der Nacht hast du öfters meinen Namen geschrien, so dass ich wach blieb." Beschämt sah ich auf meine Hände. "Hattest du das damals auch und war das der Grund für deinen Nervenzusammenbruch? War ich der Grund?" Ich schaute ihn überrascht an. Woher konnte er das nur wissen? "Bella, bitte rede mit mir." Flehte er mich an und als ich ihn ansah, sah ich so viel Schuld und Reue in seinen Augen. Ich richtete mich ein Stück auf und setzte mich im Schneidersitz vor ihn. Nachdem ich einmal tief Luft geholt hatte, fing ich an zu erzählen. "Als du vor sechs Jahren ins Auto gestiegen bist, ist für mich eine Welt zusammen gebrochen. Mein bester Freund, mein Bruder hatte mich verlassen. Ich kam tagelang nicht aus meinem Zimmer, ich aß nichts mehr, wollte niemanden in meiner Nähe haben. Abends weinte ich mich in den Schlaf und Nachts wachte ich schweißgebadet und schreiend auf. Meine Eltern versuchten mich jedes Mal zu beruhigen und hatten Verständnis für mich. Doch es wurde nicht besser. Jedes Mal wenn sie nach mir sahen, kamen sie mit diesen besorgten Blicken und verließen mein Zimmer jedes mal ein Stück verzweifelter. Sie wussten nicht wie sie mir helfen sollten. Was wahrscheinlich daran lag, dass ich mir nicht helfen lassen wollte. Als ihr bereits einen Monat weg wart und ich auf deinen Anruf wartete, war ich am Tiefpunkt angekommen. Die letzten Tage hatte ich mich nur an dem Gedanken deine Stimme wieder zuhören, festgeklammert. Doch dein Anruf kam nicht. Nicht wie erwartet genau einen Monat nach eurem Umzug, auch nicht ein, zwei oder drei Tage später. Er kam gar nicht. Ich glaube das war der Punkt, an dem ich begriff, dass man sich nur auf sich selbst verlassen konnte. An diesem Tag traf ich einen Entschluss. Ich würde mich nie wieder so sehr auf eine Person einlassen, wie ich es bei dir getan hatte." Ich verstummte und sammelte mich kurz. Während meiner Erzählung hatte ich wieder angefangen zu weinen. Ein Blick zu Dylan verriet mir, dass es ihm nicht anders ging, denn auch seine Augen waren glasig. "Von heute auf morgen ging ich wieder in die Schule und baute mir ein neues Image auf. Ich wurde zum beliebtesten Mädchen an unserer Schule und baute eine Mauer um mich auf. Keiner kam an mich ran oder erfuhr zu viel über mich. Alle glaubten sie mich zu kennen, doch wussten nichts über mich. Dann fing ich an auf Partys zu gehen und stieg mit jedem Jungen in die Kiste. Anscheinend musste ich mir beweisen, jeden haben zu können und selber bestimmen zu können wer ging und wer blieb. Als dann Blair auf unsere Schule kam, hatte sie mich in Null komma nichts, in ihren Bann gezogen. Ihre lustige und offene Art, stand ganz im Gegensatz zu meiner undurchdringbaren Mauer. Und so war sie die einzige die diese Mauer überwinden konnte. Schnell wurden wir zu besten Freundinnen und ich vertraute ihr alles an. Ich ließ mich zum ersten Mal wieder auf jemanden ein. Als ich dann vor etwas weniger als einem Jahr erfuhr, dass ihr wieder kommen würdet, war ich zuerst gar nicht begeistert. Ich hatte Angst, dass es so werden würde wie früher und ich am Ende wieder alleine da stehen würde. Doch dann freute ich mich euch wieder zu sehen. Ich wollte wissen was aus dir geworden war und ich wollte dir zeigen, dass ich alleine klar kam. Die Zeit verging und ihr wart seid kurzem wieder in Deutschland. Wir verstanden uns als wärst du nie weg gewesen. Doch als unser Streit kam, merkte ich bereits, dass du wieder eine gewisse Macht über mich hattest. Ich wurde wütend auf mich selbst, da ich es erneut zugelassen hatte, doch ich konnte mich dem nicht entziehen. Wir vertrugen uns und du erzähltest mir von der bevorstehen Scheidung deiner Eltern und dem damit verbundenen Umzug. Nun wie es mir danach ging hast du ja selber mitbekommen. Und das war noch ein harmloser Zusammenbruch, doch an dem Punkt habe ich gemerkt wie viel du mir bereits wieder bedeutet hast. Es verging weitere Zeit und wir verstanden uns immer besser, doch dann kam die Drohung und du hast angefangen mich zu ignorieren. Ich habe es nicht verstanden, da ich dachte du würdest mir vertrauen, doch in dem Moment glaubte ich mich in dir getäuscht zu haben. Bereits da hatte Blair verstanden, dass du mehr als nur ein Freund für mich warst, doch ich stritt es weiter hin ab. Mir ging es wieder schlecht und ich verhielt mich wie vor sechs Jahren auch schon. Als du mir dann jedoch auf der Party alles erklärt hast, habe ich mich selbst gefragt, wie ich nur an dir zweifeln konnte. Schließlich hast du all das nur gemacht um mich zu schützen. An diesem Abend realisierte ich das Blair die ganze Zwit Recht hatte und habe mir meine Gefühle dir gegenüber eingestanden. Doch bereits einen Tag später wurdest du mir schon wieder weg genommen und dieses Mal brach eine viel größere Welt für mich zusammen. Du hast selbst mitbekommen wie es mir gestern Nacht ging und das wäre erst der Anfang gewesen, wenn du fanach nicht wieder aufgetaucht wärst." Nach meiner langen Rede, holte ich erst einmal tief Luft und senkte meinen Blick. Dylan blieb stumm und als ich meinen Blick wieder hob, konnte ich Tränen auf seiner Wange erkennen. Dann schluckte er einmal kräftig. "Ich hatte ja keine Ahnung." Er schüttelte den Kopf, nahm meine Hände in seine und legte sie auf meinem Schoß ab. "Bella, es tut mir alles so leid. Alles was du durchgemacht hast, war meinet Wegen und ich hatte keinen blassen Schimmer. Natürlich habe ich dich auch vermisst und hatte anfangs eine harte Zeit, aber es kommt deiner Situation nicht ansatzweise nahe. Ich wünschte, ich hätte das ganze Leid durchlebt, nur damit es dir besser ergangen wäre." Ich war gerührt von seinen Worten, sodass auch mir wieder Tränen in die Augen stiegen. Langsam hob ich meine Hand und legte sie an seine Wange, er schloss die Augen und schien Kraft aus dieser kleinen Geste zu schöpfen. "Auch das ich dich nicht angerufen habe tut mir leid. Doch meine Mum hat es mir ungefähr drei Wochen nachdem wir in Amerika waren, verboten. Sie meinte es wäre nicht gut, wenn ich noch weiter Kontakt zu dir hätte. Doch wenn ich gewusst hätte, dass ein Anruf von mir, deinen Schmerz hätte lindern können, hätte mich keiner daran hindern können dich anzurufen. Es tut mir so unendlich Leid, Bella." Weitere Tränen rannen seine Wangen hinunter und er vergrub seinen Kopf in seinen Händen. Doch ich konnte ihn so nicht sehen. Er sollte sich nicht die ganze Schuld an all dem geben. Daher nahm ich kurz darauf sein Gesicht in meine Hände und schaute ihm in die glasigen Augen. "Es ist nicht deine Schuld Dylan. Die Hauptsache ist, dass du jetzt da bist. Hier bei mir." Dann legte ich meine Lippen auf seine und versuchte all meine Gefühle in diesen Kuss zu legen. Ich wollte ihm damit zeigen, dass ich ihm schon längst verziehen hatte. Außerdem sollte er merken, wie glücklich ich war, ihn jetzt bei mir zu haben. Doch er antwortete mit Verzweiflung, Trauer und Schmerz. Das wollte ich nicht, er sollte sich nicht meinet Wegen schlecht fühlen. Also legte ich auch noch meine ganze Liebe zu ihm in diesen Kuss. Erst da schien er zu verstehen und vertiefte den Kuss noch etwas mehr. Schweratmend lösten wir uns von einander und er legte seine Stirn an meine. "Ich werde dich nie wieder alleine lassen, versprochen. Dafür liebe ich dich zu sehr." "Ich liebe dich auch."

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