Betthäschen.

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Teil 7

Als ich im Gefängnis angekommen bin sitzt Daryl an der Wand. Sein Kopf gesenkt und seine Arme komisch verbogen zur Wand nach hinten.
"Guten Morgen", meine ich und stelle den Teller ab den ich mitgebracht hatte.
Er sollte ja schließlich nicht verhungern. Dazu war ich einfach zu hilfsbereit und fürsorglich.

Sein Blick durchdringt mich erneut und er lässt nicht locker.
"Ich mach deine Hände los ja? Bitte tu mir nichts. Ich geb dir essen und ich hab nochmal frischen Verband für dich."

Er nickt nur und ich schneide den Strick der seine Hände ziemlich stark abschnürt durch. Sofort bewegt er seine Handgelenke und Finger um wieder Gefühl zu erlangen.

"Erst essen oder erst verarzten?"

Meine Frage war simple und doch bekam ich nur ein Grummeln zu hören.
"Gut dann Jacke runter", erwiedere ich und krame mein Messer heraus um das Tape um den Verband herum aufzubekommen.
Er sieht mich verwirrt an und zuckt zurück.

Sein Oberarm war schon frei und der Verband wurde irgendwie entfernt.
"Wie hast du das geschafft?"
Er gab mir mal wieder keine Antwort. Nur ein starrer Blick und ein Zucken mit seinem Schultern.

Ich desinfiziere die Wunde erneut und fand, dass sie schon schön verheilt.
Trotzdem band ich sie nochmals ein und klebe den Verband nun fester als den anderen zusammen.

Als ich damit fertig war, richte ich sein Shirt wieder und als er meine Hand wegschlägt um sich selbst wieder anzuziehen zucke ich zusammen.
"Ich tu dir nichts", vergewissert er mir. Ob ich ihm das glauben konnte?

Sein Blick traf wieder auf meinen und ich war ihm ziemlich nahe.
Schnell entferne ich mich und reiche ihm den Teller essen.

Dann gehe ich aus der Zelle raus und platziere mich vor der Tür.
Negan hatte ja gemeint ich sollte aufpassen, der Typ sei ja gefährlich.

Und Negan wütend wollte man nicht erleben. Ich hatte es schon oft genug durchgemacht. Ich spreche nur ungern das Thema von gestern Abend an.

"Du solltest das tun was er sagt."
Er schaut mich an und schüttelt den Kopf.
"Ihr kriegt mich nicht klein."
"Er bekommt alles was er will. Er ist Negan. Wir alle sind Negan."
"Einen Scheiß seit ihr."
"Unser Kolonie ist gut. Ich bin glücklich, fühle mich sicher."
"Meine Familie gibt mir Sicherheit. Nicht irgendeine Schlampe die dahergekrochen kommt und sich um Sicherheit schert."
Das reichte. Genervt stehe ich auf schaue ihn drohend an und schreie: "Ich bin vieles aber keine Schlampe. Urteile nicht so vorschnell über Menschen die du nicht kennst!"

"Oh ich kenne Menschen wie dich. Reiche Familien, dir ging es nie schlecht du hattest alles was du wolltest und jetzt wo es weg ist und Gefahr droht lasst ihr euch von so einem beschützen!"

"Hör auf damit!"

Ich wollte das alles nicht hören. Ich war nicht zu Negan um am Ende als sein Betthäschen dazustehen. Anfangs war ich das vielleicht, aber jetzt nicht mehr. Oder war das vielleicht die Rolle die ich in Negans Leben spielte?
Dieser Daryl hatte recht. Ich fühle mich benutzt oder...Ach ich weiß nicht. Was rede ich da? Negan würde mich nie als sein Betthäschen ansehen.

Ich renne mit großen Schritten davon. Daryl lasse ich in der Zelle.
So ein Arsch. Aber sollte ich Negan davon berichten?
Nein, er würde sich nur unnötig aufregen.

Als ich über den Hof wanderte an den Motorrädern einiger Jungs vorbei durch die Hintergasse zurück ins Haus ließen mich die Wörter von Daryl nicht los.

Er hatte so verdammt recht. Umso mehr ich darüber nachdachte desto mehr wurde mir klar, dass ich nichts weiter als sein Betthäschen war.

1. Er hatte noch nie "Ich liebe dich" zu mir gesagt.
2. Er wartet nie auf mich beim Sex.
Und 3. Er will die ganze zeit nur Sex haben.

Ich war so dumm und naiv und ich weiß nicht was ich noch alles war. Und ich Dummkopf habe mich nicht nur in ihn verliebt. Diese Gefühle sind weitaus stärker.

Im Apartment lasse ich mich auf mein Bett fallen und kam da den ganzen Tag nicht raus.
Ich las ein Buch und aß währendessen mal einen Müsliriegel. Irgendwann um 8 Uhr abends lege ich dieses dann weg und versuche einzuschlafen.

Es klappte nur einfach nicht.
So lag ich Stunden lang wach.

Irgendwann vernehme ich auch das Geräusch von der Tür. Es musste wohl Negan sein. Doch er unterhielt sich mit jemanden was heißt er ist nicht alleine her gekommen.

Benommen von dem Schlaf den ich irgendwie doch nicht hatte tapse ich in die Küche.
Dwight sprang mir sofort ins Auge als ich den Raum studierte.
Er stand am Tresen gelehnt und wartete auf Negan, der wohl auf die Toilette gegangen war.

"Was machst du hier um...2 Uhr morgens?"
"Keine Ahnung mit dem Betthäschen von meinem Chef reden."

Da. Sogar er verwendet dieses Wort. Jetzt reicht es mir.

"Das reicht mir jetzt. Ihr seit doch alle undankbare Schweine!"

Ohne auf irgendwas zu achten stürme ich aus dem Haus und bemerke erst draußen das ich nur ein großes Shirt von Negan trug und meine Unterwäsche.
Außerdem renne ich planlos durch dir Gegend. Wo ich die Nacht lang schlafen würde? Keine Ahnung. Irgendein leerer Raum würde schon reichen.

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Einen wunderschönen Tag euch allen ❤

Unter seinem Befehl!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt