„Holen wir deine Sachen gleich, dann können wir den Rest des Tages hier verbringen", sagte Adam, als er den letzten Löffel Müsli heruntergeschluckt hatte. Wir waren erst gegen Mittag aufgestanden, aber Hunger hatte ich nicht wirklich gehabt. Da Adam aber darauf bestanden hatte, dass ich was zu mir nahm, hatte er uns etwas Müsli hingestellt. Es war noch immer etwas befremdlich, dass sich nun jemand um mich kümmern wollte, aber es gefiel mir, dass Adam so aufmerksam war. Wenn ich ehrlich war, gefiel es mir sehr gut sogar.
Ich nickte. „Alles klar. Ich mache mich schnell fertig."
„Mach in Ruhe, wir haben keinen festen Zeitplan", sagte Adam liebevoll lächelnd.
Als wir schließlich in Adams SUV saßen, hingen wir beide größtenteils unseren Gedanken nach. Die Fahrt dauerte nicht allzu lange. Adam parkte das Auto und wir stiegen aus. In meiner Wohnung angekommen, lief ich schnurstracks ins Schlafzimmer und holte eine Reisetasche unter meinem Bett hervor. Adam setzte sich auf die Bettkante.
„Viele Farbtöne hast du aber auch nicht."
„Stimmt. Ich habe alles irgendwie in einem braun bis cremefarbenen Ton gehalten", sagte ich schmunzelnd. Adams Blick glitt durch mein Schlafzimmer, bis er an dem Bild auf dem Nachttisch hängen blieb, auf dem meine Eltern, November und ich zu sehen waren. Damals müssten wir um die 17 Jahre alt gewesen sein. Er blickte zu mir. „Darf ich?" Und deutete auf das Foto.
„Sicher."
Adam nahm den Bilderrahmen zur Hand und betrachtete es mehrere Minuten still. „Du und deine Schwester, ihr saht euch wirklich verdammt ähnlich."
„Ja das stimmt. Die meisten konnten uns nicht auseinanderhalten", erzählte ich, während ich ein paar Sachen aus meinem Kleiderschrank zog.
„Das bist du." Adam tippte auf das Bild. Ich ging von meinem Kleiderschrank mit ein paar Hosen im Arm zu ihm herüber und schaute auf das 17-jährige Mädchen. „Genau. Woher wusstest du es?", fragte ich verwundert.
„Deine Schwester ist hübsch gewesen, keine Frage, aber dich würde ich überall erkennen. Du bist für mich einfach schöner auf eine innere Art und Weise und das sieht man auch auf dem Foto hier."
Ich ließ mich neben ihm auf meinem Bett nieder. „Schöner?", fragte ich nur verwirrt. November sah auf dem Foto genauso aus wie ich, wie konnte ich da schöner sein?
„Ja." Adam schaute zu mir und unsere Blicke trafen sich. Er lächelte. „Es ist deine Ausstrahlung, April. Die ist ganz anders als die deiner Schwester. Auch auf diesem Foto. Hätte ich euch beide kennengelernt, wäre mein Blick an dir und nicht an ihr hängen geblieben."
Ungläubig schüttelte ich den Kopf. „Sie war immer die Beliebte. Sie war die Cheerleader Kapitänin und mit dem Footballstar zusammen. Ich mein, mich hat das nie gestört, weil ich es nicht wollte. Ich wollte nie so im Mittelpunkt stehen, aber sie hatte immer die Blicke aller auf sich gezogen."
Adam schmunzelte. „Tja meinen hätte sie nicht gehabt. Dafür bin ich zu sehr von dir angetan."
Ich schaute wieder auf das Foto. „Als ich 11 war, sind meine Großeltern gestorben. Sie waren für mich mehr meine Bezugspersonen gewesen als meine Eltern. Ich weiß bis heute nicht warum, aber ich hatte nie diese innige Bindung zu ihnen, wie November sie hatte. Als meine Großeltern gestorben waren, habe ich alles und jeden verflucht. Ich habe meine Haare geschnitten und dunkel gefärbt, mir Kontaktlinsen eingesetzt und mich komplett äußerlich verändert. Ich wollte einfach anders sein und etwas für mich haben. Das ganze habe ich zwei Jahre lang durchgezogen, bis ich mich damit abgefunden hatte, so auszusehen wie November. Aber der Tod meiner Großeltern hat mich damals unheimlich aus der Bahn geworfen. So sehr wie der Selbstmord meiner Eltern."
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Reichst du mir deine Hand
Romance„Wenn du dich hier wohlfühlst, warum zum Henker willst du dann kündigen?" „Ich will nicht, ich muss. Ich werde alles, was mich umgibt mit mir runterreißen. Das kann ich dir und deiner Firma nicht antun." „Dumme Ausreden. Nenn mir einen Grund, waru...
