Das Klingeln meines Handys riss mich aus meinem Schlaf. Meinen Kopf unter der Decke vor dem Sonnenlicht versteckend, tastete ich nach dem kleinen Störenfried, der irgendwo auf meinem Nachttisch liegen musste. Als ich ihn ertastet und ausgeschaltet hatte, seufzte ich und rollte mich auf der Seite zusammen.
Normale Menschen schliefen am Samstag aus, aber ich konnte es noch nie leiden, den halben Tag zu verschlafen, weil ich mir dann immer total nutzlos vorkam, wenn ich allein im Bett liegen blieb. Also schlug ich die Decke zurück und setzte mich auf. Mein erster Weg ging in die Küche, wo ich Wasser für meinen Tee aufsetzte. Dann ging ich ins Bad, um zu duschen und richtig wach zu werden. Heute hatte ich noch ein bisschen was vor.
Anderthalb Stunden später, geduscht, angezogen, gefrühstückt und meinen Tee genossen, setzte ich mich auf mein Sofa und nahm mir die Mappe für mein erstes Geschäftsessen vor. Mister Black traf sich Dienstagmittag mit einem Reynold Huntington, welcher einen großen Pharmakonzern leitete. Zunächst verstand ich nicht, was IT mit Medikamenten zu tun hatte, aber wie ich schnell herauslesen konnte, ging es in erster Linie nicht um einen Geschäftsabschluss, sondern um finanzielle Hilfe. Der Konzern schien wohl irgendwie in den letzten zwei Quartalen ein sehr großes Minus gemacht zu haben und Mister Black wollte von Huntington wissen, was denn in seiner Firma vor sich ging. Laut den Aufzeichnungen hatte Mister Black die Firma vor drei Jahren aufgekauft und wiederaufgebaut. Warum sie jetzt wohl wieder Miese machte?
Ich bejubelte mein gutes, fast schon fotografisches Gedächtnis, als ich nach nicht einmal zwei Stunden die komplette Mappe durchgesehen und verinnerlicht hatte. Es wunderte mich zwar, warum Mister Black mir die ganzen Infos gab, wo er doch selbst sagte, dass ich nur sowas wie ein weibliches Anhängsel sei. Aber er hatte sicherlich seine Beweggründe.
Meinen Kopf in verschiedene Richtungen drehend, um die Verspannungen loszuwerden, stand ich auf und ging in die Küche, um mir etwas zum Essen zu kochen. Auch wenn ich allein lebte, so habe ich das Kochen doch immer geliebt. Meine Mom hat es mir sehr früh beigebracht und bis heute kann ich alle Rezepte auswendig. Ich entschied mich für Hähnchengeschnätzeltes mit einem Salat und überbackenen Kartoffeln.
Ich saß an meinem Esstisch, aß stillschweigend vor mich hin und lauschte der Musik irgendeines Radiosenders. Meine Mom hatte zu etlichen Sachen immer einen Salat zubereitet, damit man immer was Leichtes zu dem ganzen fettigen Zeug hatte. Außer zu Thanksgiving. Da hat sie immer grundsätzlich über die Stränge geschlagen. Auch wenn es nie ein großes Zusammentreffen der Familie war.
Meine Großeltern beiderseits lebten schon seit über zehn Jahren nicht mehr und meine Eltern waren jeweils Einzelkinder gewesen. Umso glücklicher waren sie, als sie erfuhren, dass sie Zwillinge erwarteten. Meine Schwester November und ich ähnelten uns äußerlich fast komplett. Der einzige Unterschied zwischen uns waren unsere Augen. Beide Augen von November waren grün gewesen.
Sahen wir uns äußerlich fast komplett ähnlich, waren unsere Charaktere wie Tag und Nacht. November war die Fröhliche, Offene und Beliebte gewesen. Die, die mit dem besten Footballspieler der Highschool ausging. Ich war schon immer die Ruhigere gewesen. Ich habe es vorgezogen ein Buch zu lesen, anstatt auf Partys zu gehen. Auch Familienausflüge waren nie mein Ding gewesen. Ich war oft nicht mitgefahren. Vor allem als ich anfing zu studieren, aber eigentlich hatte ich in der Highschool schon aufgehört aktiv am Familienleben teilzunehmen, weil ich immer das Gefühl hatte, nie wirklich dazuzugehören. Alle waren ausgelassen und fröhlich. Ich konnte auch lachen, aber lernen und studieren waren für mich wichtiger. Das änderte sich aber vor knapp sechs Jahren mit dem Mord an meiner Schwester.
November wurde in ihrer Wohnung ermordet, kurz bevor ich die Wohnung betrat. Meine Eltern nahmen sich daraufhin das Leben und ließen mich allein zurück. Ich weiß bis heute nicht, ob sie mir die Schuld an dem Mord meiner Schwester gegeben haben, aber ich ging stark davon aus. Warum sonst hatten sie sich lieber für den Tod entschieden, als mit ihrer noch lebenden Tochter alles zu verarbeiten? Das einzige Positive an der ganzen Sache war, dass Novembers Mörder auch schon seit sechs Jahren unter der Erde lag. Offiziell haben sich November und meine Eltern das Leben genommen, damit die wahre Geschichte, dem Mord an meiner Schwester nicht an die Öffentlichkeit dringen konnte.
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Reichst du mir deine Hand
Romance„Wenn du dich hier wohlfühlst, warum zum Henker willst du dann kündigen?" „Ich will nicht, ich muss. Ich werde alles, was mich umgibt mit mir runterreißen. Das kann ich dir und deiner Firma nicht antun." „Dumme Ausreden. Nenn mir einen Grund, waru...
