Kapitel 19: ,,Kannst du es lassen mich beim essen zu beobachten?"

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Die Häuser ziehen an dem Auto und mir vorbei und verbinden sich mit den Häuser die in der Reihe dahinter stehen. Nach fünf Minuten fährt der Wagen langsamer, bis wir schließlich vor einem großen Haus anhalten, dessen Einfahrt mit ein paar Autos verschiedenster Modelle gefüllt ist. Ich frage mich, ob das alles die Autos von der Familie sind. ,,Sind das alles eure Autos?", frage ich und versuche möglichst viel Desinteresse in die Frage zu legen. ,,Nein, sie gehören verschiedener Rudelmitglieder, welche sich gerade im Rudelhaus aufhalten.", erklärt mir Arden und steigt aus, während ich noch sitzen bleibe. Nur weil ich gefragt habe, heißt es ja nicht, dass ich sofort springe, wenn irgendwas verlangt wird oder erwartet wird. Mein Herz pumpt immer noch schnell und das Adrenalin lässt mich wachsam sein. Neben mir ertönt das Öffnen einer Autotür und ich sehe wie Arden sie mir aufhält, damit ich aussteigen kann, doch wer sagt, dass ich nicht in dem Auto übernachten will? Als ich mich immer noch weigere und nur noch wir beide mittlerweile draußen sind knurrt er bedrohlich und droht mir:,, Wir können das so machen, dass du jetzt von alleine aussteigst, oder ich werde dich raus ziehen und dich bis ins Haus tragen! Ich bevorzuge ersteres." Ein erschrockenes Keuchen entfährt meinen Lippen, als er dabei ist sich zu bücken und so schnell wie es geht steige ich aus und laufe einfach ihn ignorierend vor.

Er schließt die Tür auf und ich trete nach ihm ein. Schnell schließe ich die Haustür und laufe ihm hinterher. In einem fremden Haus möchte ich nicht unbedingt alleine herumlaufen. Arden steuert auf eine Treppe zu, doch ich habe noch etwas Hunger. „Hast du hier etwas zu essen?" Fragend dreht er sich zu mir um. „Du hast jetzt noch Hunger?" Mit einem Augenrollen antworte ich:„Offensichtlich, sonst würde ich wohl nicht fragen. Also?" Grummelnd geht er mit mir in die Küche und holt zwei Teller und füllt diese mit Nudeln mit Soße, während ich hier am Rand stehe und verloren mich umsehe. Immer wieder laufen mir heiße und kalte Schauer über den Rücken, welche mir Unbehagen bereiten. ,,Komm her und setz dich zu mir. Die Nudeln sind warm, Vorsicht." Aus meinen Gedanken gerissen sehe ich mich um und entdecke Arden an dem Tisch sitzend und mich beobachten. Leicht zögernd setze ich mich in Bewegung und lassen mich wenig später auf einen der Stühle fallen und beginne auch zu essen.

,,Könntest du es bitte lassen mich beim essen zu beobachten?", stöhne ich auf und sehe Arden gereizt an. Als dieser sich nicht bewegt und mich weiter anstarrt lege ich meine Gabel zur Seite und mein Kinn auf meinen geballten Händen ab. Zurück starren kann ich auch. „Arden du starrst. Lass das." Und tatsächlich hört er auf meine Bitte und schon fast verdutzt esse ich noch die restlichen Nudeln von meinem Teller auf. Um Zeit zu schinden esse ich so langsam es geht meine Nudel auf, ohne komisch zu wirken. Arden steht auf und räumt ab während ich es nicht für nötig halte ihm auch noch zu helfen, stehe ich wieder nur wie bestellt und nicht abgeholt in der Küche rum und versuche meinen Herzschlag langsam wieder runter zu kriegen, was mir auch ein wenig gelingt.

Als er meine Hand, nachdem alles sauber gemacht wurde, greifen will ziehe ich sie noch rechtzeitig noch näher an mich heran als sie schon ist und schaue ihn böse an. „Vergiss es!" Irgendwann wird er meine Hand noch brechen, wegen seinem starken Griff. Es zeichnen sich schon Abdrücke von ihm ab! Nachdem er keinen weiteren Versuch gemacht hat sich meine Hand zu ergattern geht er die Treppe in den zweiten Stock hoch und hält vor einer Tür an, die sehr wahrscheinlich in sein Zimmer gelangt. Als ich da bin macht er die Tür auf und das Licht an und lässt mich eintreten. Kurz kann ich mir das Zimmer in Ruhe ansehen und gehe ein paar Schritte Richtung Zimmermitte. Ich kann direkt auf ein großes Fenster welches ,gegenüber von der Tür ist sehen. Rechts neben dem Fenster steht ein großer Kleiderschrank in schwarz und auf der linken Seite steht ein Schreibtisch in einer Nische versteckt, auf dem einige Blätter verstreut sind. An der Linken Wand hängt ein Fernseher und vor dem steht ein etwas größeres Sofa, auf dem bestimmt viele seiner Freunde Platzfinden können. Wenn man nach rechts schaut sieht man ein großes Doppelbett mit schlichter dunkler Bettwäsche und schwarzem Bettbezug. Sein Zimmer wirkt eher wie ein Hotel. Ich entdecke kaum persönliche Gegenstände. Nur einige Bilder, die ich von meiner Position nicht sehen kann, hängen neben dem Schreibtisch. Mein Blick fällt auf den Teppich welcher unter dem Bett steht. Arden muss vorher ein kleineres Bett gehabt haben, da man leicht unter dem Bett weiter mittig am Rand zwei kleine Abdrücke sehen kann auf dem vorher das Bettgestell drauf stand. (A.N.: Ich glaube das heißt Bettgestell.) Er muss also schon mal Platz für seine Mate gemacht haben. Pf...

Ich schließe die Tür hinter mir und bekomme von Arden welcher noch kurz in seinem Kleiderschrank kramt ein T-shirt und eine Jogginghose in die Hand gedrückt. Schnell erklärt er mir wo sich das Badezimmer für diesen Stock sich befindet. „Natürlich steht es dir frei dich auch hier umzuziehen. Für mich ist das kein Problem.", kommentiert er seine Wegbeschreibung und grinst verwegen. Mit einem Augenrollen mache ich mich auf den Weg in das Badezimmer in dem ich mich fertig mache. Nachdem ich mich umgezogen habe durchsuche ich die Schränke und Schubladen nach einer Zahnbürste und Zahnpasta. Nach einigen Minuten gehe ich zurück in sein Zimmer und lege mein Kleid von heute und die High Heels auf den Boden. Kurz verschwindet auch er im Badezimmer, bis er wieder kommt und mich mustert. Ich mustere ihn auch, so leicht wie er bekleidet ist kann ich es nicht lassen einen kleinen Blick zu erhaschen. Augenscheinlich schläft er nur in einer Boxershorts. Oh je, was wird das hier? Fix wende ich meinen Blick ab und streiche mir durch meine Haare. Wo soll ich eigentlich schlafen, schließlich kenne ich ihn kaum. Im Bett mit ihm zusammen? Wohl eher nicht. ,,Ich schlafe aber nicht mit dir in einem Bett!", spreche ich das Thema an. Grinsend sieht er mich an und kommt mir immer näher, während ich immer weiter nach hinten ausweiche, bis er vor dem breitem Sofa stehen bleibt. Ich schaue auf das Sofa. Dann wieder zu ihm um ja keine Bewegung von ihm zu verpassen. ,,Ich kann auf dem Sofa schlafen", spreche ich nun an und will mich gerade darauf setzen. Arden schnalzt nur mit der Zunge und stellt sich vor mich. Mit der Hand an meinem Bauch schiebt er mich zu seinem Bett, bis meine Waden das Bettgestell berühren. „Ich kann doch nicht in deinem Bett schlafen. Es ist schließlich deins." Ich nehme seine Hand von meinem Bauch und schüttel den Kopf. Wie unangenehm in einem fremden Bett zu schlafen. Hotelbetten oder Sofas sind was anderes. „Ich bin der Gast, also schlafe ich auf dem Sofa. So wird das immer gemacht." „Nein du kannst in meinem Bett schlafen ich nehme für die Nacht das Sofa. Es ist frisch bezogen also besteht kein Problem. Du brauchst den Schlaf mehr als ich." „Aber, das habe ich noch nie gemacht. Keine gute Idee damit in deinem Bett anzufangen." Er guckt mich an und schmunzelt kurz schmutzig. Was wohl in seinem Kopf für ein Bild aufgeploppt ist. ,,Kein aber. Leg dich hin und schlaf!", kommt es wieder von ihm. Langsam gehe ich einen Schritt zur Seite und stolpere lachend auf das Sofa zu, nur um mich darauf zu schmeißen. „Jetzt bin ich doch schon hier. Belassen wir es dabei.", lalle ich lachend von dem Sofa aus. Ungläubig schaut er mich an und verdreht die Augen. „Gwen, du macht es mir echt nicht einfach." Er folgt mir in Richtung Sofa und setzt an mich hochzuheben. Allerdings kriegt er mich nur halb zu fassen, weswegen ich mit einem Krach auf dem Boden lande. „Wehe wegen dir ist mein Po gebrochen!" Ich stehe auf und komme ihm mit erhobenen Zeigefinger entgegen. „Das wäre nicht passiert, wenn du dich einfach hingelegt hättest." „Ach jetzt ist das meine Schuld. Ich kann ja gleich wieder gehen. Den Weg nach Hause finde ich schon.", zicke ich ihn empört an. Nebenbei taste ich mein Steißbein ab, ob vielleicht noch etwas weh tut. Glücklicherweise verlief der Vorfall glimpflich. „Ich lasse dich doch jetzt nicht um diese Uhrzeit gehen. Du hast eingewilligt mit mir mitzukommen, also leg dich jetzt in's Bett und wir sehen uns in ein paar Stunden." Wieder legt er seine Hand an meinen Bauch aber dieses Mal weitaus höher als beim ersten Mal. „Du gehst jetzt, so wie ich, schlafen. Gute Nacht.", sagt er zu mir und mit jedem wort zwingt er mich einen Schritt rückwärts zum Bett zu machen. „Ich wünsche dir nur eine nette Nacht.", entgegne ich bockig und setze mich auf die Bettkante. Arden dreht sich um und macht das Licht aus. Vorher schließe ich mein Handy noch an meine Powerbank an und sehe wieder zu dem Bett.

„Na gut, nur für eine Nacht.", denke ich mir und lege mich ganz nah an die Wand.

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