Kapitel 55: Erinnerungen

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Jill, Ivor und ich wollten die Party für Rahim am Samstag klein halten. Ivor hatte sich netterweise dazu bereiterklärt mit mir das ganze Haus zu schmücken und alles an Essen und Getränke aufzubauen. Das anstrengendste war den Laptop mit dem Fernseher zu verbinden, damit wir Musik abspielen konnten. Nach mehreren Versuchen hatte ich es aber dann doch geschafft und Ivor war auch recht schnell fertig. An dem Abend war Rahim bei Jill und Paula. Ich hatte mir damals schon gedacht, dass er was ahnen könnte. Um acht Uhr am Abend kamen dann Jill, Paula und Rahim zu meinem Haus und wir hatten für ihn ein Geburtstagsständchen gesungen. Kurz darauf kamen auch die anderen Gäste und hatten ihn auch gratuliert. Sogar Emma konnte mit Selma kommen. Selma ist ja ihre Austauschpartnerin und ihr ging es am Abend davor nicht ganz so gut, weswegen ihr Erscheinen noch in Frage stand. Rahim hatte sich gefreut, dass sie es am Ende doch noch geschafft hatte. Da wir die Feier klein gehalten hatten, hatten meine Eltern ein Auge zugedrückt und ein wenig Alkohol gekauft. Nur ein wenig Bier und Sekt. Wenn ich an den Abend zurückdenke war das auch gut so, wir waren ja eh gut drauf. Gegen ein Uhr morgens hatten wir dann einen spontanen Karaoke Wettbewerb abgehalten, bei dem wir viele versteckte Talente von einigen aufgedeckt hatten. Ich erinnere mich noch, wie Emma auf der provisorisch gestalteten Bühne eine super Show samt Choreografie abgeliefert hat und auch Arden hatte am Ende des Abends zu Mikro gegriffen und was gesungen. In meinem Gehirn war bei seinem Auftritt ein kleiner Stripp entstanden. Wenn er sich ja auch so bewegt hatte, dann konnte ich ja nichts für... Am Ende hatte dann aber doch Emma mit ihrer genialen Show gewonnen und erhielt den Preis, dass wir alle mit jemand andere unser Oberteil getauscht hatten, bis auf sie und wir dann ein Gruppenbild geschossen hatten. Herrlich. Es war zum tot lachen, als ich gesehen hatte wie Jill und Arden den armen Ivor in ein enges Bandeautop gesteckt hatten. An diesem Abend hatten wir total viel Spaß und hatten erst gegen vier oder fünf Uhr morgens aufgehört Party zu machen.

Als Rahim dann mit mir in der Schule unterwegs war, hatte ich ihn direkt für den Deutsch Unterricht als meinen persönlichen Joker benutzt. Ich glaube ich war noch nie so gut in Deutsch wie an diesem Montag. Dank dem Sport Unterricht am selben Tag wissen wir jetzt alle, das Rahim super sportlich ist, weswegen Arden Rahim angeboten hat ihn am Mittwoch in seinen Football Kurs mitzunehmen, damit er das mal ausprobieren kann. Auf dem Nachhause Weg hatte Rahim mir von dem Kurs erzählt und meinte, dass es ihm richtig Spaß gemacht hat. Er hatte sich sogar bei meinem Freund drei mal bedankt. Das fand ich ja schon niedlich. Als wir bei dem Übungsfeld standen und Arden dann meinte, dass ich auch mal so motiviert für Football sein sollte, hatte ich ihn dann glatte drei Runden über den Platz gescheucht und ihn angemeckert, dass er seinen Mund nicht so voll nehmen sollte. Daraufhin bekam ich nur den Spruch an den Kopf geworfen, dass ich den Mund ja voll nehmen könnte. Deswegen hatte ich ihn dann nach drei weitere Runden über den Sportplatz gehetzt in Anwesenheit von seinen Teamkollegen.

Und so wie Rahim mir schon Montag in Deutsch behilflich war hilft er mir jetzt gerade auch, als ich nicht weiter komme bei der Textübersetzung. Bei ihm sieht das so leicht aus. Schmollend und demotiviert haue ich meinen Textmarker und meinen Stift auf den Tisch und verschränke die Arme. Rahim sieht mich nur verwirrt an und bricht dann in Gelächter aus und versucht mich danach zu motivieren. „Ach komm schon, so schwer ist das gar nicht. Schau mal der Satz sagt aus, dass Lena keine Katzen mag und sich einen Hund wünscht." Mir geht ein Licht auf. „Das erklärt, warum sie sich ein Hundehalsband geholt hat. Okay jetzt habe ich es verstanden, Danke." Lächelnd bedanke ich mich bei ihm und mache die Aufgabe zu Ende und gebe sie komplett übersetzt am Ende der Stunde ab. Sofort nach der Stunde habe ich Kunst und Musik. Die fünf Minuten Pause nutze ich deswegen meistens nur um die Räume zu wechseln und wenn ich wirklich noch mal auf die Toilette muss, dann sprinte ich schnell dahin. In Kunst machen wir wie im letzten Unterricht unsere Bilder fertig. Sie sollen aus maximal vier Farben bestehen und sollen Gut und böse widerspiegeln. Für mich war das am Anfang gar nicht so einfach sich einen Leitfaden zu basteln, dennoch habe ich mich dafür entschieden, dass Rot die böse Farbe ist und fast die ganze Hälfte vom Bild eingenommen hat, während Grün ganz eingeengt ist und von Blau geschützt wird. Meiner Meinung ein recht einfaches Motiv, doch meinem Kunstlehrer gefällt die Idee und die Umsetzung so gut, dass ich auf dem Weg zu einem B+ bin. Das macht mich als Kunstmuffel natürlich sehr stolz. Nachdem ich aber auch Musik überstanden habe gehe ich zusammen mit Rahim zu mir nach Hause. Ich glaube frische Luft tut uns beiden sehr gut, nach dem wir 45 Minuten lang nur was von der Tafel abgeschrieben haben. Meine Lehrerin meint, dass sie das Thema lieber einmal ganz detailliert aufschreibt, damit wir beim nächsten Test keine Schwierigkeiten bekommen.

„Ist Musik bei euch immer so langweilig und uhm.. monoton?", erkundigt sich Rahim, der sich neben mir seine Schläfen massiert. „Eigentlich nicht. Wir arbeiten eigentlich voll oft mit Instrumenten, aber diese Stunde hat es uns alle wohl erwischt." Seufzend kicke ich den Stein vor meinen Füßen hin und her, bis ich fast ein Auto damit schramme und es lieber gut sein lasse. „Wann müssen wir eigentlich noch mal fertig sein, damit und Jill abholt und wir zu dieser Kletterhalle fahren. 4Pm oder 4.30 pm ich bin mir gerade unsicher..." Erschrocken reiße ich meine Augen auch und schaue auf meine Handyuhr und suche die Nachricht raus in der sie das geschrieben hat. „Mhhh... und dich holen wir.. nein das ist das nicht... Arden ist gelb... nein das erst recht nicht..", murmelnd suche ich die Nachricht und scrolle unseren Chat hoch. Mist wo war das denn? „Da! Sie meint, dass sie uns gegen 4.30 pm abholen will, damit wir spätestens um 5 pm da sind. Wir haben also noch Zeit und müssen uns nicht abhetzen." Gelassen stecke ich mein Handy wieder zurück in die Jackentasche und schweigsam laufen wir den Rest des Weges nach Hause.

Dort angekommen laufen wir in unsere Zimmer und packen uns eine Tasche. Ich schmeiße mir zwei Wasserflaschen rein und mache uns beiden noch schnell was zu essen. „Ich weiß ich habe dich das schon mal gefragt, aber hast du irgendwelche Allergien?", rufe ich durch das Haus zu Rahim. „Ja ich darf keine Bananen essen.", antwortet mir und kommt die Treppe runter. Als er sieht, dass ich uns Essen mache, meint er nur, dass ich das doch nicht für ihn machen müsste. Beschwichtigend winke ich ab und schneide das Obst weiterhin klein. Es geht doch wirklich nichts über Birnen. Ich weiß noch an dem einen Abend, als ich bei Arden war und ich mir Birnen gemacht hatte und er meinte, dass er keine möchte und dann doch welche wollte. Ja der Abend war schön. Oder einmal als wir nach dem Schwimmbad Ausflug nach Hause gefahren sind und dann im Auto laut mit gesungen haben. Wenn ich mich recht erinnere war das doch Sickboy von den Chainsmokers gewesen. In Erinnerung schwelgend summe ich das Lied währen ich die Küche wieder sauber mache und wir uns noch was im Fernsehen ansehen, bis Jill hupend vor unserem Haus uns abholt und wir rasant losfahren.


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