Ich wachte durch das Klingeln meines Weckers auf und warf einen Blick auf die Uhr; es war 9.
Caroline würde mich um 10 Uhr abholen. Heute war der letzte Tag für mich in Philadelphia, am Abend, wenn ich von Carolines Ausflug zurück kommen würde, würden wir losfahren.
Ich stand auf, und weil sie mir gesagt hatte, das ich nichts essen sollte, zog ich mich direkt an und ging ins Bad. Zuerst wusch ich mein Gesicht, putze meine Zähne und dann tuschte ich mir die Wimpern und setzte einen leichten Lidstrich an den Wimpernkranz, um meine Augen noch größer wirken zu lassen. Zu letzt trug ich noch ein wenig Lippenstift auf und sah zufrieden in den Spiegel. Ich schaute in das Gesicht eines 16 jährigen Mädchens mit halb langen, dunkelbraunen Haaren, sie hatte grau-grüne, große Augen, schmale Gesichtszüge und volle, zarte rosafarbene Lippen. Eine Weile starrt ich mein Gesicht im Spiegel an und dann wendete ich den Blick wieder ab. Ich bürstete mir noch die Haare und sprühte etwas Haarspray hinein. Noch ein aller letzter Blick in den Spiegel und ich verließ das Badezimmer.
Ich sah auf die Uhr und merkte, das ich noch eine halbe Stunde hatte, bis Caroline mich abholen würde. Ich setzte mich an die Wand unter meinem Fenster und zog die Beine an meinen Körper. Ich freute mich zwar auf mein neues Leben, doch ich hatte sehr viel Angst vor dem Unbekannten, das mich erwartete. Ich schloss die Augen um noch einmal über mein altes Leben nachzudenken. Dann stand ich auf und entfaltete einen kleinen Umzugskarton. Dort packte ich die Sachen aus meinem Nachttisch hinein. Die Dose, den Stapel mit den Fotos, mein Tagebuch und die Liste. Vorsichtig faltete ich die Liste auseinander und las alle Punkte noch einmal durch.
"Amy! Caroline ist da, beeil dich!"
Erschrocken sah ich auf, ich hatte vollkommen die Zeit vergessen! Schnell packte ich die Liste zu den anderen Sachen, krallte mir meine Handtasche, in die ich die Sachen eingepackt hatte, die mir Caroline genannt hatte und rannte die Treppe hinunter.
In der Tür stand Caroline und grinste mich breit an, an ihren Füßen hatte sie Inliner!
"Aber Caroline! Du weißt doch, dass ich Angst davor habe!"
"Ja, das weiß ich, aber es kann nicht sein, das du ein neues Leben anfängst, ohne Inliner fahren zu können! Und das ändern wir jetzt; du wirst heute deine Angst überwinden, ansonsten gibt es nichts zu Essen!"
Caroline wusste genau, wie sehr ich essen liebte, außerdem hatte ich den ganzen Tag noch nichts gegessen und deshalb setzte ich mich auf die Treppe vor unserer Haustür und zog ich die blauen Inliner an, die sie mir entgegen hielt. Ängstlichkeit schaute ich sie an und sie reichte mir ihre Hand um mich hochzuziehen. Wackeligen stand ich nun auf den Rollen und startete ein paar erste Versuche. Natürlich klappte es nicht, doch nach etwa einer halben Stunde konnte ich immerhin schon von einer Straßenseite zur anderen fahren. Doch wir waren die ganze Zeit nur vor unserem Haus hin und her gefahren und ich hatte so langsam Hunger. Also fragte ich: "Caroline, du hast mir versprochen, das wir etwas essen, wann essen wir den endlich?"
"Du musst dir dein Essen erst verdienen. Ich habe ein Picknick vorbereitet, aber wir müssen ca. 20 Minuten dorthin fahren."
Auch das noch!
Nach etwa 30 Minuten wackeldes Fahren und mindestens 6 Stürzen gelangten wir an einen mir nur all zu bekannten Wald. "Na los, worauf wartest du? Zieh die Inliner aus.", Caroline sah mich auffordernd an.
Langsam zog ich die großen Inliner aus und blickte zu Caroline, die gerade ihre Socken auszog, also tat ich es ihr gleich. Gemeinsam liefen wir los, ich ging hinter ihr, doch eigentlich wusste ich genau, wo wir hingehen würden;
Als wir noch in der Grundschule waren, vor 8 Jahren, wollten wir zusammen abhauen. Wir packten uns Proviant ein und Decken und dann sind wir einfach in den Wald gerannt, bis wir zu einer alten, verlassenen Hütte gekommen sind und dort haben wurde uns dann versteckt. Wir haben uns ausgemalt, dass sich unsere Eltern Sorgen machen und nach uns suchen und die Polizei rufen würden, doch es kam niemand, nicht einmal ein Jogger oder ein Spaziergänger, niemand. Es kam uns so vor, als ob die Welt einfach ohne uns weiter machen würde.
DU LIEST GERADE
Second - my new life
RomanceAmy Willows ist 16 Jahre alt und war in ihrem ganzen Leben immer nur die Nummer 2. Jetzt muss sie nach Chicago ziehen, weil ihr Vater dort seine neue Stelle hat, und sie macht eine Liste mit Dingen, die sie in ihrem neuen Leben ändern will. Amy will...
