Wenn man einen inneren Konflikt gegen sich selbst zu führen hat, versucht man sich an jeden halbwegs logischen Gedanken zu klammern. Man spürt deutlich, dass das Gewicht auf den Schultern zu schwer wird, man merkt, dass nicht mehr viel fehlt bis man einknickt, bis man am Boden liegt. Man versucht die Kontrolle über seinen Körper zu bewahren und die leise Panik zu ignorieren, die sich in einem aufbaut. Menschen haben Tricks entwickelt, die einem helfen sollen, sich an dem letzten Strang Hoffnung zu klammern. Zehnmal tief ein und ausatmen. Die Schläfen massieren. Seinen Puls fühlen.
Alles nur um das Gefühl der Kontrolle über und selbst zu bewahren.
Aber Kontrolle ist nur eine Illusion, eine Tatsache, die wir zu oft verdrängen.
Unser Bewusstsein ist ein komplexes System. Auf der einen Seite haben wir unser aktives Bewusstsein, mit dem wir unsere Handlungen steuern oder unser Wissen abrufen, uns unserer Normen und Werte bewusst werden. Hand in Hand einhergehend besitzen wir aber auch unser Unterbewusstsein, das zum Beispiel für Träume oder unser „Bauchgefühl" verantwortlich ist.
Aber was ist, wenn diese beiden Anlagen auf einmal gegeneinander arbeiten?
Was kann man selbst tun?
Hört man auf sein Herz oder auf seinen Kopf?
Ich weiß es nicht. Ganz ehrlich.
Robin hat mich wieder belogen. War es um sich selbst zu schützen? Um mich zu beschützen?
Ich war gerade so weit, ihm mein ganzes Vertrauen zu schenken. Und dann das.
Nennt mich, wie ihr wollt.
Naiv. Berechenbar. Dumm.
Das alles trifft zu. Was wäre gewesen, wenn ich einmal auf meinen Kopf gehört hätte und in der Anstalt geblieben wäre?
Dann wäre ich jetzt nicht für die Öffentlichkeit tot.
Dann wäre Robin immer noch unter Jacks Aufsicht und ich hätte nichts mehr mit Robin Brooks zu tun gehabt.
Dann wäre ich jetzt nicht in dieser Lage.
Also sollte ich doch jetzt auch auf meinen Kopf hören, oder?
Aber ich habe damals auf mein Herz gehört. Robin Brooks war die erste Person, die mich wirklich berührt hat. Geistig wie körperlich.
Ich hätte schon einige Beziehungen vor Robin, aber niemand hat ein solches Feuer auf meiner Haut, in meiner Seele hinterlassen. Mein ganzer Körper fühlt sich an wie außerirdisch, sobald er seine Lippen auf meine legt, diese Mischung aus vollkommenem Vertrauen und Energie.
Die Energie, die er in mir ausgelöst hat, in dem Moment als ich ihn zum ersten Mal sah.
Es ist schwer zu beschreiben, was mit mir geschieht, wenn er mich ansieht. Es ist auch schwer zu beschreiben, was mich letztendlich veranlasst hat mit ihm zu flüchten.
Aber es ist einfach zu beschreiben wie sehr mein Herz schmerzt sobald er weg ist. Und in genau diesem Moment weiß ich, dass ich meinem Herz folgen muss. Ich löse meinen Blick von der Wand und erst jetzt bemerke ich, dass ich meine Arme um meinen Bauch geschlungen hatte und von den Fersen zu meinen Fußballen hin und hergewollt bin. Mein Gesicht ist tränenüberströmt.
Und erst jetzt bemerke ich Nick vor mir. Er sieht mich eindringlich an.
„Venice? Geht es dir gut? Kannst du mich hören?!" Es ist als wäre ich aus einer tiefen Trance erwacht. Mein Blick wird klarer.
„Robin..." Es ist ein sehnsüchtiges Flüstern. Ich merke, wie ein Teil von mir fehlt, als wäre mir be vollem Bewusstsein ein Arm amputiert worden. Und es schmerzt mindestens genauso sehr. „Venice, Es ist okay. Du bist in Sicherheit." Ich Presse meine Augen zusammen und versuche mir Robins Gesicht vorzustellen. Ich spüre dass er weg ist.
Und nicht nur für fünf Minuten.
„Wo ist Robin?"
Nicks Blickt huscht für den Bruchteil einer Sekunde zur Decke, so kurz, so unscheinbar. Doch mir fällt es auf. „Er kommt sicher bald zurück." Er legt mir eine Hand auf die Schulter und alles in mir sträubt sich gegen diese Berührung, will diese Hand abschütteln die nicht Robins ist. „Du solltest dich setzen. Einen klaren Kopf bekommen. Du siehst überfordert aus." Ich weiß, dass er recht hat. Ich sollte einen kühlen Kopf bekommen, bevor ich überstürzt handle.
Aber ich kann es nicht, ich will es nicht. Ich weiß, dass ich nicht zur Ruhe kommen kann, bevor ich Robin nicht in Sicherheit weiß.
Ich muss wissen, dass es ihm gut geht. Nick sieht mich weiter durchdringend an. „Denk nicht einmal daran, Venice. Du gehst nirgendwo hin. Nicht solange ich hier bin."
Eine Welle von heißer Wut überrollt mich. Kann man so viel Antipathie verspüren?
Gegen einen Mörder schon.
„Ich scheiß auf dich."
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Robin Brooks - CHANGES
Подростковая литература//!!Das ist der zweite Teil von 'Robin Brooks'. Um wirklich alle Inhalte zu verstehen, rate ich, den ersten Teil zuerst zu lesen.!!// Als Venice und Robin in Tadem, einer kleinen Stadt in Alaska, Zuflucht vor den Behörden finden, scheint endlich Ruh...
