Mehr hatte ich hier nicht zu tun, ich wollte nicht zuschauen, wie Louis getötet wurde. Draußen flog die Krähe sofort auf meine Schulter und ich kicherte.
„Wow." staunte die Hure, die ich nackt auf dem Bretterhaufen zurück gelassen hatte. „Das is ja cool, wie...aus diesem Film!"
Ich nickte.
„Kannst du dir etwas merken?" fragte ich sie dann, während ich mich auszog.
„Ich weiß nich...hab mir den Kopf gestoßen." gab sie zurück und nahm ihr Kleid entgegen.
Ich lächelte und sagte:
„Ja, ich weiß. Entschuldige, dass ich euch so erschreckt habe. Ich schulde dir und Lolita noch was. Trefft mich heute Abend um neun in der Madison Street 18, okay?"
Sie riss die Augen auf und staunte.
„Du gibst uns Geld?"
„Warte es ab. Wie heißt du? Und Lolita? Wirklich, meine ich?"
Sie zögerte kurz, dann antwortete sie:
„Also Loli is Jeanine Thompson und ich bin Maria Marquez."
„Okay, also, Madison 18 um neun, ja?"
Maria nickte. Ich war ein bisschen unsicher, ob sie es sich merken würde, aber sie torkelte in den Schuppen, aus dem ich gerade kam, und würde es sicher ihrer Freundin gleich berichten. Ich verwandelte mich und flog heim. Der Sicherheitszaun samt Tor wurde gerade von Fachpersonal überprüft und jemand baute ein neues Fenster ein, sodass ich über das Schlafzimmerfenster, das immer noch offen stand, hineinflog. Rob schaute mich freudig überrascht an, als ich in sein Arbeitszimmer kam.
„Ich war ganz brav." grinste er. „Du auch?"
Ich schüttelte den Kopf. Setzte mich wieder einmal vor ihn auf den Boden und legte meinen Kopf in seinen Schoß. Antwortete:
„Gar nicht, Euer Ehren. Muss ich euch meine Vergehen aufzählen?"
Nun legte er seine Finger unter mein Kinn und zog es hoch, dass ich ihn ansehen musste. Er lächelte sanft und raunte:
„Unbedingt. Sonst kann ich kein Urteil sprechen."
Ich seufzte. Krabbelte auf seinen Schoß und er knurrte leise.
„Madame, ihr versucht, das hohe Gericht zu bestechen!" tadelte er.
Ich schmollte und er gab mir einen Kuss.
„Nun leg los." murmelte er dann.
„Also, als Erstes hab ich nach einer Taube gepickt. Dann habe ich einen Penner bestohlen- nein gar nicht, hab mir nur seinen Mantel ausgeliehen, habe Louis auf dem Polizeirevier bestohlen und ihn dann bösen Menschen ausgeliefert, die ihn wahrscheinlich schon umgebracht haben." erklärte ich.
Rob lachte leise.
„Ich kapiere gar nichts. Von Anfang an, Madame. Damit das Strafmaß auch angemessen ist."
Ich beschrieb ihm, was ich in den letzten Stunden erlebt hatte. Rob nickte. Sein Blick wurde kalt, viel kälter, als er bei den Menschen war, die er verurteilte.
„Es ist also wahr." brummte er. „Louis!"
„Ja. Obwohl er sagte, es wäre Mae's Idee gewesen. Ich werde es heute Nacht herausfinden. Lassen wir sie bis dahin ein wenig schmoren..."
„Und was machen wir zwei Hübschen mit der verbliebenen Zeit?" murmelte Rob und streichelte meinen Rücken.
„Na, ist doch ganz klar, du musst dein Urteil sprechen." kicherte ich. „Hast du das schon vergessen?"
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Night Creatures
HorrorEine Sammlung von unheimlichen Geschichten, abstoßenden Kreaturen und Liebe.
