Bad habits die hard 3

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Tag 3


Ich schlafe fast über der alten Dame ein, die ich gerade präpariere. Also lasse ich Alexa auf Schlager umschalten, habe mir sagen lassen, dass die alte Frau ihn liebt. Ich lasse mir immer zu dem Foto des Verstorbenen noch ein paar Facts über ihn nennen, damit ich ein Gefühl für ihn bekomme. Ich selbst hasse Schlager, also wird er mich schön wach halten! Es ist bereits später Nachmittag und ich habe den ganzen Tag an Adrian gedacht, ja, ich bin verliebt, hoffnungslos. In seine leuchtenden, grünen Augen, die mich manchmal so liebevoll angeschaut haben, aber das konnte doch nicht sein, oder? Und ja, sich in jemanden zu verlieben, den man nicht haben kann, ist genau mein Ding. Wahrscheinlich wird meine Psychologin da wieder meine Bindungsängste hinein interpretieren! Vielleicht liegt sie damit aber nicht so falsch und ich beschließe, seine Bekanntschaft „auslaufen" zu lassen, wenn er erstmal wieder zuhause in Polen ist, wird er bestimmt viel weniger Zeit haben, sich bei mir zu melden. Er fängt ja schon damit an, denn er hatte sich melden wollen, bevor er losfährt, und bis jetzt habe ich nichts von ihm gehört. Denke ich gerade, als die Torklingel läutet. Ich seufze, ziehe die Handschuhe aus und drücke auf den Öffner, während Heino den Enzian besingt. Brr, furchtbar! Eigentlich sagt Papa mir Bescheid, wenn neue Leichen gebracht werden, aber er ist gerade kurz einkaufen gefahren und anscheinend ist es spontan gewesen. Es ist der Leichenwagen der Polizei. Uh!

„Hallo Frau Zietlow. Leider sind wir es mal wieder, sorry." begrüßt mich der Fahrer, den ich gut kenne.

„Unfall?" seufze ich.

„Mord."

„Oh. Aber wieso ist der Leichnam nicht in der Forensik geblieben?" frage ich verwundert und schaue auf das Klemmbrett, das er mir hinhält.

„Oh mein Gott!" japse ich dann.

„Da war er auch bis eben, aber es ist eindeutig. Der Täter hat ein volles Geständnis abgelegt." entgegnet der Fahrer.

„Adrian." flüstere ich und ich spüre, wie sich mir die Kehle zuschnürt. „Was ist passiert?"

Während der Fahrer die Trage ausklappt, berichtet er:

„Sie haben den kleinen Gruber beerdigt und auf dem Rückweg hat jemand seinen Onkel, also den da, angegriffen. Ein Schwulenhasser, der ist stadtbekannt. Aber dass der mal so durchknallt..."

„Stumpfes Bauchtrauma." murmele ich. „Heißt, Adrian war nicht sofort tot..."

„Die Anderen sind ja zum Leichenschmaus gefahren und wollten Herrn Rubinski wohl nicht dabei haben. Er hat noch länger am Grab gestanden, trotzdem, es ist heller Tag und sie können einem alten Kerl wie mir nicht erzählen, dass ihn dort niemand gefunden hat! Und retten konnte." schließt er traurig.

Und das ist selten bei diesem abgebrühten Typen!

„Und der Täter hat sich freiwillig gemeldet?" frage ich leise.

„Nein, er saß am Grab des Jungen und hat was von „Auge um Auge, Gott wird für Gerechtigkeit sorgen!" gefaselt.

Mir wird übel. Ich verscheuche den Fahrer so schnell wie möglich, nachdem ich mit ihm den Leichensack auf einen meiner Tische umgelagert habe, und schließe die Türen. Nun, Heino passt jetzt nicht mehr.

„Alexa, mach die Musik aus. Tut mir leid, Frau Maak, wir haben einen Neuzugang und ich muss mich um ihn kümmern." erkläre ich erschüttert.

Mit zitternden Händen öffne ich den Reissverschluss des Sackes. Schließe die Augen, als ich altes Blut rieche, vermischt mit Ausscheidungen. Ich entferne den Sack und werfe ihn weg, dann spüle ich Adrians kalten, blassen Körper mit dem Schlauch ab, so, wie ich es bei jeder Leiche mache. Wasche mechanisch das getrocknete Blut und Kot- Gemisch von seinem Hintern und weine, als ich ihm den Schlauch in den Anus schiebe.

Night CreaturesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt