Victoria (Porter)
Ich folgte Benjamin unter Deck. Jane war tatsächlich hier.
Und Jim.
Er hatte sie gefunden.
Sie sahen zu uns herüber und Jim reagierte sofort, indem er sich zwischen unsere Tochter und seinen Bruder schob.
„Geh beiseite, Jimmy!", verlangte Benjamin mehr als fordernd von seinem Bruder.
„Niemals!", erwiderte dieser, „Nur über meine Leiche wirst du an meine Tochter rankommen."
„Darf ich dich an dieser Stelle kurz darauf hinweisen, dass ich momentan der einzige mit einer Waffe bin? Nur über deine Leiche, sollte also nicht das große Problem sein", erklärte Benjamin halb kalt und halb belustigt.
„Du bist nicht der einzige mit einer Waffe", meldete sich da plötzlich Jane zu Wort und hob mit zitternder Hand einen Dolch empor. Dabei sah sie ihrem Onkel direkt in die Augen.
Direkt und lange.
Und Benjamin, der gerade eben noch alles unter Kontrolle hatte, schien den Boden unter den Füßen zu verlieren.
„Niemals", murmelte er, „Das ist nicht möglich!"
Auch Jane, ja, wir alle waren verwirrt, über diesen plötzlichen Sinneswandel.
Fußgetrappel war zu hören, dann wurde die Tür aufgestoßen.
„Jane!"
Ich drehte mich um. Meine Nichte war so eben zur Tür herein gestürmt, hielt nun aber inne, als sie sah, dass sich niemand bewegte.
Alle starrten sie an, alle außer Benjamin, der noch immer wie gebannt zu meiner Tochter sah. Ich blickte zwischen den beiden hin und her, als Benjamin plötzlich den Moment von Jims Unaufmerksamkeit nutzte, an ihm vorbei hechtete und Jane zu sich zog.
Diese jedoch holte mit dem Dolch aus, bereit, auf ihren Angreifer einzustechen.
Doch er war viel erfahrener als sie, sah die Bewegung kommen und schlug ihr die Waffe aus der Hand, ehe er selbst seinen Säbel zog, mit dem er sie auf Abstand hielt, während er gleichzeitig ihren Arm fest im griff hatte.
Ich sprang vor und schnappte mir den Dolch, der auf dem Boden gelandet war, ehe Ben ihn wegtreten konnte.
„Lass das, Victoria!", fuhr er mich an und klang seltsam fremd, „Ich denke, wir möchten beide nicht, dass unserer Tochter etwas passiert."
Die Welt blieb stehen und begann sich um mich herum zu drehen.
Was hatte er da gerade gesagt?
Unsere Tochter?
Nein, er musste sich irren! Jane war James' und meine Tochter.
Ich hatte nie mit Ben geschlafen. Jim war der einzige gewesen.
Auch dieser schien verwirrt.
„Ben, sie ist meine Tochter nicht deine", sagte er und schüttelte den Kopf.
Doch da war ein leichtes Zittern in seiner Stimme.
„Nicht wahr, Vicky?"
Hilfesuchend sah er mich an. Er dachte doch nicht wirklich, dass Benjamin und ich...
„Nein, Jimmy, das ist sie nicht", widersprach Benjamin, während er weiterhin nur Jane ansah, die zu zittern begonnen hatte, „Und ich denke, das weißt du genau so gut wie ich."
„Ben, das ist unmöglich, wir haben nie...!", sagte ich, brach jedoch mitten im Satz ab.
„Es ist nicht unmöglich", stritt Benjamin ab und sah nun endlich zu mir, seine Augen schienen Funken zu sprühen, „Du kannst dich nur nicht erinnern. Wie auch: du warst schließlich bewusstlos. Ich tat es in jener Nacht, in der wir eure Stadt überfielen. Wohl deine letzte Nacht als ehrbares Mädchen, bevor du mit meinem Bruder verschwunden bist."
Das konnte nicht stimmen! Benjamin konnte mich nicht geschändet haben in jener Nacht. Ich war auf dem Marktplatz zusammen gebrochen, sofern ich mich richtig erinnerte. Er hätte es in aller Öffentlichkeit tun müssen, das war selbst für ihn nicht möglich.
„Du weißt es, Jimmy, nicht wahr? Ich kann ihre Gedanken lesen, was ist mit dir?"
Jim schüttelte mechanisch den Kopf und sein Kiefer spannte sich an.
„Ich dachte, der Anteil an Feenblut in ihren Adern wäre zu gering. Er ist wohl nur für mich zu gering", sagte er.
„Im Gegenteil: ich bin der Einzige, für den er hoch genug ist", widersprach sein Bruder.
Jane riss sich von ihm los.
„Niemals bist du mein Vater!", fuhr sie ihn an.
„Und ob ich das bin!"
Von der Tür her kam ein erstickter Schrei. Ich hatte Vicky schon ganz vergessen.
„Nun", sagte Benjamin, der sich mittlerweile wieder einigermaßen gefasst hatte, „Das ändert einiges, denn ich werde mit Sicherheit nicht meine eigene Tochter umbringen. Viel mehr wird sie eines Tages mächtiger sein, als wir es uns wohl vorstellen können, als Erbe der größten Piraten, die die Welt je gesehen hat."
Da hatte er Recht: wenn wirklich Benjamin Janes Vater war, so würde sie nach unserem Tod wohl unser beider Plätze einnehmen und über ein riesiges Imperium herrschen.
Wir hatten uns gerade alle halbwegs gesammelt, als Jim mit vor Wut zitternder Stimme sagte:
„Ich werde nicht zulassen, dass du mir erneut alles zerstörst, Benjamin White!"
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Ich war lange weg, doch jetzt bin ich back!
Wie ihr euch sicher denken könnt, spielt dieses Spin-Off relativ spät. Jane ist hier in etwa 17.
Ich fand die Idee ganz interessant, dass erst alle denken (über Jahre hinweg), dass Jane Jims Tochter ist, einschließlich Victoria. Und dann bekommt Ben das innerhalb von Miunten heraus.
Wie seht ihr das?
~BE
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My way down
Historical Fiction1763, Karibik: Victoria Smith, 20, lebt in einer kleinen Hafenstadt, die des Öfteren von Piraten überfallen wird. So auch diesmal. Aber etwas ist anders: nicht nur, dass der gutaussehende Pirat James White ihr eine rätselhafte Nachricht hinterlässt...
