21. Kapitel

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"Also Calum, was machst du beruflich? Wo arbeitest du?" wollte Mr Harris von mir wissen.

Bei dieser Frage blieb mir beinahe die Luft weg. Ich hatte schon lange keine richtige Arbeit mehr. Immer wieder hatte ich Aushilfsjobs in Werkstätten oder bei irgendwelchen Fabriken. Niemand wollte mich fest einstellen nach dem sie erfahren hatte, unter welchen mentalen Problemen ich litt.

Manchmal verbaten mir es auch die Ärzte. Es sei zu gefährlich.

"Ich ehm..." Rebecca welche direkt neben mir saß, nahm meine Hand.

Ihr Vater gegenüber mir wartete gespannt auf eine Antwort.

"Ich habe eine Ausbildung als Automechaniker gemacht, S-Sir."

Ich hatte in diesen 10 Minuten schon viel zu oft Sir gesagt.

Mrs Harris war noch in der Küche und kochte.

Währenddessen musste ich mich immer wieder in ihrem Haus umsehen. Ich wusste nie das Rebeccas Eltern viel Geld hatten. Im Gegenteil. Rebecca wohnte nur in einer einfachen kleinen Wohnung. Sie hatten keinen besonderen Job und war nicht der CEO der Firma von ihrem Dad. Sie hatte mit seinem Unternehmen gar nichts zu tun.

"Rebecca, wie wäre es wenn du deiner Mutter in der Küche hilfst?" schlug ihr Dad vor.

Ihr Grip um meiner Hand verstärkte sich etwas.

"Ich denken sie kommt auch ohne meine Hilfe klar." Doch Rebecca konnte sagen und machen was sie wollte.

"Rebecca das war kein Vorschlag, auch wenn es sich so angehört hat." sagte er streng, ohne sie dabei anzusehen.

Sie seufzte oder atmete vielleicht wütend ein und aus um nicht die Kontrolle zu verlieren. Ich wusste es nicht.

"Selbstverständlich." sagte sie mehr sarkastisch als wirklich selbstlos.

Sie lächelte mir aufmunternd zu, bevor sie außer Blickfeld war.

"Dann können wir endlich alleine reden." Mr Harris stand auf und ging an seinen Weinschrank.

Ich konnte nichts trinken. Ich hatte wieder die Tabletten genommen und es war mehrere Male aufgeführt worden, dass man keinen Falls Alkohol und die Tabletten zu sich neben sollte.

Doch ich glaube ich hatte keine andere Wahl.

Er nahm zwei Gläser und fragte gar nicht nach, sondern schenkte einfach ein.

Ich wollte etwas sagen wie: "Ich trinke nicht." was natürlich gelogen war, doch stattdessen blieb ich einfach still.

"Mechaniker also." Er nahm einen Schluck aus seinem Glas, während ich einfach nur regungslos da saß. "Auch nicht der best bezahlte Beruf."

Ich wusste was er dachte. Ich sei nicht gut genug für seine Tochter und genau das dachte ich auch.

Auch wenn ich es nicht sollte, nahm ich ein Schlug aus dem Glas welches mir Mr Harris angeboten hatte. Es konnte schon nicht so schlimme Auswirkungen haben. Oder?

Mr Harris sagte etwas, doch ich hörte ihm nicht zu. Ich konnte ihm nicht zuhören. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Meine Augen sahen immer ein anderes Objekt und ich konnte nicht still sitzen. Seit Rebecca gegangen ist, stieg meine Nervosität drastisch. Ich konnte es fühlen wie mein Herz raste.

Das konnte noch nicht der Alkohol sein.

Um mich herum fing alles sich an zu drehen und mit wurde schwindlig. Ich wollte einfach weg rennen. Rennen und nie wieder zurückkehren.

Ganz leicht hörte ich wieder etwas. Es war die Stimme von Mr Harris. Sie klang noch tiefer und langgezogen. Wie als bräuchte der Schall viel mehr Zeit, bis er zu mir gelangte.

"Ich rede mit dir. Das ist unhöflich."

Meine Sicht verschlechterte sich ebenfalls. Plötzlich sah ich alles nur noch verschwommen und überall waren blaue Punkte.

Er redete weiter, doch ich konnte nicht verstehen was er sagte.

Dann hörte ich einen lauten Knall und nur kürze Zeit später bemerkte ich, dass es die Tür war, welche ganz normal von Rebecca geschlossen wurde, doch es hörte sich für mich ganz anders an.

Ich erkannte Rebecca nur an dem weißen Kleid welches sie anhatte für diesen Abend.

Sie setzte sich neben mich, nahm wieder meine Hände und versuchte zu mich durchzudringen.

"Calum? Calum ist alles in Ordnung?" Sie merkte schnell das etwas nicht stimmt. "Calum, soll ich jemanden anrufen?"

Sie führte mir ein Glas an die Lippen, kippte es und ich trank gezwungenermaßen, dennoch froh darüber. Es war reines Wasser.

Ihre Anwesenheit, beruhigte mich spürbar. Ich zitterte schon nicht mehr so sehr und langsam konnte ich wieder vollständig hören wie auch sehen. Es war vorbei.

Erschöpft, wie als sei ich einen Marathon gelaufen, trank ich noch mal, dieses Mal selbstständig.

"Calum was ist passiert?" fragte mich Rebecca entsetzt, wie auch extrem besorgt.

"Ich weiß es nicht. Plötzlich war alles so... komisch. Ich glaube ich muss an die frische Luft."

Mit diesen Worten verließ ich das Esszimmer, raus in den Gang und aus dem Haus. Auf den Stufen vor dem Haus, setzte ich mich ihn und zündete mir eine Zigarette an.

Noch bevor ich daran ziehen konnte, kam Rebecca zu mir, setzte sich neben mich und nahm sie mir weg.

"Du willst dich umbringen, oder? Ich will dir keine Lektion erteilen oder dir jetzt ein schlechtes Gewissen einreden, aber das gerade, dass kam doch von den Tabletten, meinst du nicht?"

Genau so wie sie es tat, nahm ich die Zigarette zurück und zog daran.

"Kann sein, vielleicht werde ich einfach krank. Ich weiß es nicht, Rebecca." sagte ich als ich den Rauch ausatmete.

"Du hast dich verändert, Calum. Seit ich weg war. Was ist in der Woche passiert?"

"Es ist nichts passiert. Es geht mir nur nicht so gut." Das war nicht mal gelogen. Es ging mir schlechter als Rebecca gegangen ist.

"Wir müssen nicht bleiben. Wir können ins Kino gehen, Michael besuchen und Videospiele spiele oder wir gehen nach Hause zu Duke oder wir nerven Ashton und holen noch Luke dazu, aber du musst meine Eltern nicht kennen lernen weil ich weis ganz genau was für ein Arsch mein Vater ist."

"Nein, schon okay. Ich komme gleich rein." sagte ich und nahm einen weiteren Zug.

"Na schön." Sie legte ihre Hände um mein Gesicht, küsste mich und ging dann.

Ich wartete bis sie weg war. Dann nahm ich eine weitere Tablette, bevor ich wieder eine Panikattacke bekam.

Disconnected // c.h.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt