14. Kapitel

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Es war spät am Abend. Ich fuhr durch die dunklen Straßen. Neben mir auf dem Beifahrersitz saß Rebecca.

Wir kamen von einem Poetry Slam Abend in der Stadt, welcher bis nach 23 Uhr ging.
Es war Rebeccas Idee, von welcher ich am Anfang nicht wirklich überzeugt war, doch am Ende hatte mir der Abend sehr gefallen.

Der Nebel erschwerte mir meine Sicht etwas, was allerdings kein großes Problem für mich war.

Es war die Straße in der ich fuhr. Normalerweise vermied ich diese Straße, doch ich hatte nicht daran gedacht.

Ich realisierte es erst als wir direkt daran vorbei fuhren.
Es war die Kreuzung an der es passiert ist.
Direkt bei der Brücke zu welcher Deobra rüber wollte, allerdings die Straße überqueren musste.

Und plötzlich war alles wie in Zeitlupe.

Ich konnte genau sehen wie das rote Auto da stand, die Warnblinkanlage an, dahinter der Krankenwagen mit den Blaulichtern. Viele Menschen standen herum. Ich parkte mein Auto Mitten auf der Straße und kämpfte mich durch die Massen von Menschen.

Als ich es dann beinahe zu ihr schaffte, kamen mehrere Polizisten um die Schaulustigen zu vertreiben. Auch mich.

"Deobra!" rief ich und versuchte weiter hin zu ihr zu gelangen, da wurde ich von einer der Polizisten festgehalten.

"Nein! Lassen sie mich zu ihr!" rief ich, fast weinend und versuchte mich aus dem Griff zu lösen. Da kam ein zweiter Polizist.

"Nein! Sie verstehen das nicht! Ich bin ihr Verlobter!" Als sie das hörten ließen sie mich los und ich rannte zu ihr.

Doch es war zu spät. Ein weiteres Auto kam dazu. Ganz in schwarz, mit einem langen Kofferraum.

Zwei Männer stiegen aus und holten einen schwarzen Sarg aus ihrem Wagen.

Vor den Sanitätern und Deobra blieb ich stehen und sah sie auf dem Boden liegen. Sie konnten nichts mehr für sie tun.

Ich begann zu weinen, zu schreien. Ich wollte zu ihr, wurde aber wieder von Polizisten fest gehalten.

"Lassen sie mich zu ihr!" rief ich wieder und wieder bis ich zusammenbrach und zu Boden fiel, auch wenn ich von allen Seiten gehalten wurde.

Das konnte nicht war sein. Das durfte nicht wahr sein.

Doch es war wahr.

So schnell alles kam, so schnell ging es auch wieder. Ich wurde aus meinen Gedanken gezogen und achtete wieder auf die Straße, da sah ich sie wieder.

Sie lag auf der Straße, alleine. Keine Autos, keine Menschen. Nur ihr lebloser Körper.

Und auch wenn ich wusste, dass das nicht sein konnte, und dass ich mir das nur einbildete, erschreckte ich mich heftig, riss das Lenkrad auf die andere Seite und versuchte hektisch zu bremsen, wobei ich zuerst auf das Gas drückte, bevor Rebecca neben mir schreiend die Handbremse zog, doch der Bremsweg war zu kurz und der Wagen krachte gegen einen Baum.

Heftig atmeten wir ein und aus. Der Unfall war nur leicht, kein Airbag wurde ausgelöst und bis auf den riesen Schock den wir hatten, war alles okay.

"Oh mein... Was... Wieso..." stammelte Rebecca vor sich hin. Dann sah sie zu mir. Ich war noch völlig schockiert, genau so wie Beccy. Ich sah nicht um mich. Ich starrte nur gerade aus und hoffte, es sei vorbei.

"Calum ist alles in Ordnung?" fragte sie mich völlig besorgt.

Doch ich konnte nicht antworten. Es ging einfach nicht. Auch wenn ich es versuchte.

Ich starrte weiterhin gerade aus. Meine Hände umklammerte das Lenkrad.

"Cal?" Es klang so als wäre sie dabei ihre nerven zu verlieren, und gleich weinen, was auch verständlich war.

Sie sah auf ihr Handy, legte dieses allerdings gleich wieder weg.

"Dämlicher Akku." murmelte sie während sie in meine Hosentasche griff und mein Handy herausholte.

Sie kannte mein Code. Sie wusste nur nicht, dass es nicht irgendeine Zahl, sondern Deobras Geburtstag war.

Kurze Zeit später hörte ich sie wie sie mit jemanden sprach.

"Ashton..." weinte sie. Ashton war mein Notfallkontakt.

"Nein, nichts ist okay."

"Wir hatten einen Unfall."

"Ja, Calum und ich."

"Calum ist gefahren. Aber das spielt doch keine Rolle."

"Nein, wir sind nicht verletzt. Nur Calum ist wie... in einer Schockstarre." Sie nahm meine Hand, welche ich darauf hin vom Lenkrad löste und strich mit ihrem Daumen über meine Handoberfläche.

"Wie, wir sollen keine Polizei anrufen?"

"Calum kommt in Schwierigkeiten? Ashton, von was redest du?"

"Ja, okay. Mach ich." Sie hatte sich immer noch nicht beruhigt und weinte weiter.

"Danke Ashton." Sie legte auf und steckte das Handy zurück in meine Hosentasche.

Sie wischte sich die Tränen weg und löste ihren Gurt.

"Ashton kommt und wird uns abholen. Aber wir müssen aus dem Wagen." Sie löste auch meinen Gurt und stieg dann aus. Langsam hatte sie meine Atmung beruhigt und ich stieg eigenständig aus.

Ich hatte großen Mist gebaut.

Disconnected // c.h.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt