Kapitel 50

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Einige Minuten der Stille stand er auf und lief zum Wasser, welches nur zwei Meter vor uns ans Ufer schwappte.

„Ich kann einfach nicht verstehen, warum wir beide nicht glücklich geworden sind, warum wir nicht zusammen in eine positiviere Zukunft gehen konnten, warum wir uns so hassten, warum sie mich betrogen hatte, warum das alles. Ich hab für sie nicht immer gekämpft, hab sie für selbstverständlich gehalten und dennoch wollte ich für sie da sein und doch für was? Für die Worte, dass sie mich nicht mehr liebe. Es tat schrecklich weh, als sie ein Bild von Marco rein gestellt hatte in einer Zeit als sie ihn noch nicht einmal offiziell gekannt hatte. Ich möchte einfach mit ihr Reden über unsere Beziehung und über diese Vergangenheit. Weißt du, Mats, dass ist sie mir nach dieser Scheiße, den ich ihr verziehen hatte, schuldig. Verstehst du mich da, wenn ich sage, dass ich mit ihr ein klärendes Gespräch haben möchte, ohne das sie mich abwimmelt, einfach auflegt, Nummer ändert und mich überall auf die Blockliste setzt als wäre ich ein Gewalttäter."

Ich hörte ihn aufmerksam zu und verstand seine Worte. Immer wieder nickte ich ihm zu, dass er weitersprach. Am Abend nachdem Amina mit ihm Schluss gemacht hatte, haben wir wir ausgemacht, dass wir uns beim Kevin einnisten. Wir hatten in dieser Nacht mit Mario nicht über Amina reden können, weil er seine Gefühle einfach prima verstecken konnte. Er ließ keinen an sich ran, weil er selbst damit klar kommen wollte. Er hatte sich selbst nachdem er im besoffenen Zustand eingeschlafen war, nichts über sie verloren.

„Ich hatte all die Zeit nicht über sie geredet, weil ich immer eine Möglichkeit gesucht habe ihr klar zu machen, wie sehr ich sie in meinem Leben brauchte." gab er nun zu.

„Deswegen hast du Ann-Kathrin genommen?"

„Sie sah ihr damals sehr ähnlich." fing Mario leicht das Lächeln an.

„Aber Ann war anders wie Amina. Amina zog durch die Länder, weil sie es konnte. Sie konnte Urlaub machen von ihrem eigenen Geld. Sie konnte mit ihrem eigenen Geld machen was sie wollte. Sie hatte mich damals darum gebeten, dass wenn wir Ausgehen, dass wir getrennt bezahlten. Nicht weil sie mich nicht liebte, aber sie wollte nicht, dass es hieße, sie ließe sich nur aushalten. Ich würde alles dafür tun, dass sie wieder in meine Armen liegen könnte..."

Er dachte nach und wandte sich wieder zu mir.

„Bei Ann-Kathrin bin ich mir da nicht sicher, meine Brüder mochten sie noch nie. Meine Eltern akzeptierten sie mir zur Liebe. Meine Familie mögen Amina immer noch sehr gern und fragen immer wieder, wann wir uns wiedersehen."

„Du hattest es ihnen nicht erzählt, dass sie Schluss gemacht hatte?"

„Nein, wieso auch? Ich dachte, es würde wieder werden. Aber anscheinend war es damals wohl nicht der Fall."

„Du hast die Hoffnung bis jetzt nicht aufgegeben!" stellte ich mit großen Augen fest.

„Ich gebe sie solange nicht auf, bis sie eines Tages vor mir stehen würde und zu mir sagt, dass sie heiraten würde."

„Oh, du weißt schon, dass du dich damit kaputt machst?" wollte ich neugierig von ihm wissen.

Er nickte schnell.

„Solange ich mich nicht anders verliebe, wird das wohl mein Weg sein. Aber ich möchte auch erst wieder eine Freundschaft mit ihr aufbauen."

„Das klingt nach einem logischen und voraussichtlich guten Plan."

* Amina's Sicht*

So verging die Woche, Neymar musste bis Mittwoch im Krankenhaus verweilen, damit er noch hier und da einige Untersuchungen über sich ergehen lassen musste. Ich besuchte ihn von früh bis spät und es freute ihn. Seine Schmerzen waren zwar noch nicht besser, aber man merkte, dass er sein Lächeln nicht verloren hatte. Er konnte sich allmählich wieder für kurze Zeit setzen ohne das er heftige Schmerzen mit sich brachte. Am Dienstag hatte er seinen Jungs eine Videobotschaft übermittelt.

'Hey Jungs, ich wünsche euch ein schönes Halbfinalspiel. Auch wenn ich nicht dabei sein kann, ich denk an euch. Ihr macht das schon!'

Wir hatten das Sonderprivileg und hatten die WM im Krankenhaus in seinem Einzelzimmer gemeinsam anschauen dürften. Die anderen in diesem Krankenhaus mussten entweder alleine schauen oder gar nicht, weil es ihnen nicht interessierte.

„Schatz, zieh das Trikot aus!" sagte er empört.

„Wieso?"

„Weil es die falschen Farben und der falsche Name drauf steht."

„Ich finde es guuut."

Es war kein Spaß für Neymar das Spiel mitanzusehen, weil ich von liegen, aufstehen, setzen und jubeln gar nicht mehr herauskam. Neymar und ich dachten, die meiste Zeit, dass es die Wiederholung von dem ersten Tor war, weil die Treffer in so kurzen Abständen kamen. So musste also der verletzte Neymar, der Superstar der Brasilianers, mit an sehen, wie seine Mannschaft innerhalb der ersten dreißig Minuten mit fünf Gegentore in die Halbzeitpause geschickt worden.

„Das wäre mit mir nicht passiert." schmollte mein Freund nun.

„Ach, Baby, ihr habt doch schon fünf Sterne."

„Wir müssen aber einen Ruf verteidigen."

„Welchen den? " kicherte ich ihm zu.

„Land des Fußballs."

„Also nach diesem Spiel könnt ihr euch dementsprechend umbenennen: Land-in-dem-nur-einer-richtig-Fußball-spielen-kann-und-wenn-er-fehlt-loosen-wir-ab."

„Das nehm ich jetzt einfach als Kompliment mir gegenüber auf und als Diss gegenüber meinen Jungs." schmunzelte er immer noch etwas angeschlagen.

„Aber es war voll süß, dass sie mit deinem Trikot in der Hand eure Hymne gesungen haben." strahlte ich ihn an.

„Es ist schön dich wieder bei mir zu haben."

Er lächelte mir zu und zog mich an sich um mich leidenschaftlich zu küssen.

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