Kapitel 62

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Wie konnte das sein? Wieso war er hier? Warum zeigte er sich jetzt? Mo und ich lösten uns erschrocken aus der Umarmung und saßen senkrecht auf die Bank. Wir sahen wohl aus, als wären wir von Lehrer erwischt worden. Fassungslos starrte ich ihn mit großen Augen an. Seine blond-bräunlichen Haare wehten im sanften Augustwind. Sein Gesicht, welches nun ernst und verbittert in unsere Richtung blickte, hatte ich schon oft erblicken dürfen. Seine Lippen, die leicht bebten und die ich schon mehrmals heimlich geküsst hatte. Sein Körper, welche sanft zitterte vor Anspannung und den ich in- und auswendig kannte. Er trug einen normalen weinroten Kapuzenpulli mit einer lässigen Jeans und die schwarzen PUMA Rebound FS4. Ich spürte, dass Mo mit dieser Situation nicht gerechnet hatte.

„MOOO, DU HAST MIR VERSPROCHEN, DASS DU DIE FINGER VON IHR LÄSST!"

Der junge Mann, der zu uns stieß, kam ein Schritt näher und wurde allmählich verbitterter.

„Ich kann eben nichts dafür." sagte mein Jugendfreund kleinlaut.

„ICH BIN NOCH RECHTZEITIG GEKOMMEN, BEVOR DU EINEN BEREUENDEN FEHLER GEMACHT HÄTTEST!!! SIE IST VERLOOOOOOOOOBT MIT NEYMAR. SIE IST NICHT MEHR IN DEINER LIGA, MOOO."

Er wusste aber schon, dass ich neben seinem Gesprächspartner saß und ihn zuhören konnte. Der Herr sprach ernsthaft über mich, obwohl ich direkt neben ihm saß. Ich sah ihn erbost an und wandte mich von seinem Abbild ab.

„DU bist doch nur eifersüchtig, dass sie bei mir ist." gab Mo etwas lauter hinzu.

„Ach wirklich. Wie kommst du denn darauf?" kam es nun ironisch von Marco.

Ja, es war Marco, der uns gefunden hatte. Seine Stimme hatte er noch nie so wütend, so herablassend und so vorwurfsvoll in meine Richtung gebracht. War er wirklich noch wütend, weil ich ihn vor einem Jahr sitzen gelassen hatte? Oder war es wegen dieser Nacht, welche ich undankbarerweise vergessen hatte? Ich überlegte, ob ich mich bedanken sollte, aber ich wusste ja nicht mal, ob er mich wirklich ins Hotel gebracht hatte. Seufzend sah ich in Richtung Teich und nahm die Diskussion der zwei jungen Herren nur mehr verschwommen wahr.

*

Nach einiger Zeit wedelte eine bekannte Hand vor mein Gesicht herum. In Gedanken versunken merkte ich, dass es immer wieder dunkel und hell wurde. Ich blickte auf und sah in die schönen grau-grünen Augen von Marco.

„Hmm?"

„Weiß Neymar dass du hier bist?"

Fragte er das wirklich? Ernsthaft und sauer strahlte ich ihn intensiv an. Ich würde ihn nicht mehr anlächeln, nachdem er mich einfach ignoriert hatte.

„Wieso willst du das wissen? Meinst du, du kannst mich erst ignorieren und sich versteckt halten um später einfach wieder in mein Leben zu stürmen? Vergiss es, Junge..." brummelte ich ihn an.

„Ich hatte doch nie ignoriert. Ich war nur verunsichert, weil du einf... Wurst, wieso sollte ich auch dir eine Rechenschaft ablegen?"

„Schön, dann muss ich dir auch keine Erklärung abgeben, warum ich mit Mo reden wollte!"

„Ach, ihr habt geredet, dass sah für mich mehr aus als würdet ihr wieder was miteinander haben." motzte er mich an.

Ich stand schwungvoll und wütend auf, sodass Marco, der in der Hocke saß erschrocken nachhinten purzelte.

„Anscheinend geht es dir ja wieder gut, weil sonst könntest du ja nicht so scheiße reden."

„WAS WILLST DU DAMIT SAGEN? WAS HAT REDEN MIT MEINEN FUß ZUTUN?"

„MANCHE MÄNNER HABEN IHR HIRN IM RÜSSEL UND DU HAST DEIN HIRN ANSCHEINEND IM FUß!"

„DU BIST DOCH NICHT MEHR GANZ SAUBER."

Er schrie mich an, während er langsam wieder von Boden aufstand. Nun stand er vor mir und ich sah hoch in seine Augen. Ich zeigte keine Angst nur Wut.

„ABER DUUU WOHL?"

Wir stritten uns und jeder von uns zwei wollte den anderen übertönen. Irgendwann schubste ich ihn verärgert von mir weg, sodass er seinen Halt verlor und mit einem Satz im Teich landete.

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