Kapitel 49

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* Mats' Sicht*

Meine Mannschaft, Fabian, Mo, Leo und ich saßen an jenem Freitag nach unseren Spiel auf dem Hotelgelände. Wir sahen uns noch die letzten Minuten von Spiel Brasilien gegen Kolumbien an. Da wir davor unser Sieg gegen Frankreich und somit den Einzug ins Halbfinale gesichert hatten. Ich war wieder total fit, was man vor einigen Tagen kaum noch sagen konnte.

Ich hatte mächtig Fieber bekommen und war mit meiner Freundin im Hotelzimmer. Sie war schon liebevoll, wenn man etwas hatte. Sie war allerdings immer eine Augenweite für mich. Ich genoss es in ihrer Nähe zu sein. Ihre Atem auf meiner Haut zu spüren. Ihre zarten Lippen auf meine zu fühlen. Ihre Augen, die ich doch am allermeisten an ihr liebte. Ich war in meinen Gedanken versunken, als mich Philipp mich aus diesen riss.

„Anscheinend müssen wir gegen Brasilien ran im Halbfinale."

„Das könnte etwas schwer werden wegen Neymar." sprach ich über meine Kenntnisse.

„Er ist wirklich ein gefährlicher Spieler."

Es broch die 86. Minute an, als wir den Lauf von Neymar erblicken konnten. Er rannte über die Wiese mit dem Ball immer dicht an seinem Fuß. Er wechselte öfters von links nach rechts und wieder zurück. Er konzentrierte sich so auf seine Laufstrecke, dass er Juan hinter ihm nicht bemerkte.

Wir beugten uns gespannt nach vorne und starrten die große Leinwand auf der Terrasse an. Augenblicklich wandte sich Neymar in Richtung der brasilianischen Kurve, lächelte bevor er schmerzhaft zusammenklappte. Er lag auf dem Bauch im Gras, hielt seinen Rücken mit seiner rechten Hand fest und schrie vor Schmerzen. Wir waren alle nur noch geschockt, dass ein Gegenspieler zu so etwas fähig sein konnte.

„Will der Schiedsrichter das nicht ahnden?" rief Schweini in Richtung der Leinwand.

Man merkte, dass viele von der Mannschaft sauer waren, dass der Schiedsrichter diese fahrlässige Foul nicht gelten gelassen hatte. Dabei musste ich mich an das Pokalfinale in Berlin erinnern, als der Schiri anscheinend auf das andere Tor fixiert hatte. Schließlich kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum er das Tor nicht gesehen hätte. Dante war mit dem Fuß auf der Torlinie gestanden und schoss mit dem anderen Fuß den Ball - der schon im Tor war - raus.

„Was macht Amina da?" kam es nun von Kevin, der sein Kopf etwas schräg lag.

Als ich meine Augen wieder in Richtung dem Szenario blicken ließ, erkannte ich meine Schwester, die durch ein kleine freie Stelle durch krabbelte und auf den Spielfeldrand sprang. Sie war anscheinend so schockiert, dass sie gar nicht mitbekam, wie der Höhenunterschied war. Meine Schwester hatte damals bevor sie das erste Mal flog schon Angst an einem Steg zu sitzen.

Als meine Schwester bei Neymar war um ihn zu trösten, stand erst Mo und schließlich auch Mario nacheinander auf. Sie verließen die Terrasse. Ich konnte sehen, dass es für beide nicht leicht war, ihre große Liebe mit einem anderen zu sehen. Ich hatte ihre Gesichter gemustert, als ihr Handeln übertragen wurde.

Mo's Gesicht verlor sämtliche Farben und hatte einen Hauch vor Traurigkeit in seinem Gesicht. Seine Lippen bebten. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Ich wollte schon gern wissen, was in Sydney zwischen Amina und ihm passiert war? Woher er die Biss- und Kratzspuren am Hals und am Rücken hatte? Er war seit er vor einigen Stunden mit Fabian und Leo zum Training kam, sehr nachdenklich und auf keine Scherze angelegt. Ich hatte ihn noch nie so ruhig erlebt. Leo fragte ihn öfter, was los war, aber auf diese Frage wollte Mo ihn nicht antworten. Und spätestens bei diesem Aufstehen, erahnte ich worüber er sich die ganze Zeit Gedanken machte..

Als ich einige Sekunden später in Mario's Gesicht blickte, sah ich er Schmerzen hatte. Ich wusste nicht, ob er sie noch so sehr liebte oder einfach den Gedanken hasste, dass Amina mit einem anderen glücklich war, dass sie bei diesem Jemanden sein musste, weil sie ihn nicht allein lassen wollte. Ich konnte sein schmerzverzerrtes Gesicht nicht deuten, deswegen stand ich kurz nach ihm auf und stellte fest, dass beide nicht in die gleiche Richtung gegangen waren.

Ich fand Mario auf einer Bank mit dem Blick zum Meer. Als ich mich zu ihm setzte, sah er mich irritiert und erschrocken an. Es tat mir wirklich sehr weh, als ich ihn seinen Augen sah. Wie viel Schmerzen und Schuldgefühle wollte er sich noch aufladen? Wollte er wirklich, dass ihn alle hassten nur um seine Liebe zu meiner Schwester zu verstecken? Ich konnte seine Blicke einfach nicht deuten. Ich war noch nie der Geduldigste und dennoch hoffte, ich das Mario von alleine zu Sprechen begann.

„Meinst du sie ist wirklich glücklich mit ihm?" wollte Mario auf einmal von mir wissen.

Ich lehnte mich mit den Rücken an die Bank und sah auf das Meer.

„Ich glaube schon. Warum fragst du?"

Er verstummte allerdings wieder und ich konnte gar nicht verstehen, wieso er so zurückhaltend war.

„Es ist peinlich mit dir darüber zu reden."

„Wieso?"

„Weil du ihr Bruder bist. Ich kann nicht einfach mit dir darüber reden, obwohl du einer meiner Kumpels bist."

„Vergiss einfach für die nächsten Stunden, dass ich ihr Bruder bin und sprich dich aus." gab ich zuversichtlich hinzu.

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