Kapitel 7

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Astoria wachte am späten Nachmittag auf und blieb einen Augenblick liegen. Sie musste erst wieder realisieren, dass das wirklich passiert war. Sie hatte Sex gehabt. Guten Sex. Sie kannte einige Freundinnen die die schrecklichsten Geschichten darüber erzählt hatten. Über das erste Mal. Sie konnte das nicht bestätigen. Es war eigentlich sehr schön gewesen, wenn auch ungewohnt. Sie seufzte und streckte sich, bevor sie aufstand und nochmal duschen ging. Sie zog sich an und tapste hinunter in die Küche. Nur um zu sehen, dass Edgar schon da war von der Arbeit.
„Die verlorene Seele.", feixte er dramatisch und schob seine Rahmenlose Brille die Nase hinauf, während sein braunes Haar ordentlich gekämmt war.
Seine grün-braunen Augen zeigten Belustigung.
„Ich nehme an, Daphne hat es dir schon erzählt.", erwiderte Astoria gelassen und setzte sich an den kleinen Küchentisch.
Edgar gluckste. „Erzählt? Sie hat mich die halbe Nacht nicht schlafen lassen, während ich sie davon abgehalten habe die Auroren zu rufen, um dich als vermisst zu melden."
Er lachte wieder und Astoria rollte mit den Augen, bevor sie grinste. Typisch Daphne.

„Danke Magda.", sagte sie, als ihr die Köchin einen Teller mit Eintopf hinstellte und wieder zum Herd davon wuselte.
„Das nächste Mal, gib ihr einfach Bescheid.", verlangte ihr Schwager sanft und Astoria nickte stumm. Sie brauchte wohl bessere Ausreden, als nur bei einer Freundin zu sein. Himmel, sie war doch kein Kind mehr. „Wolltest du heute nicht eigentlich noch an die Uni?"
„Schlaumeier.", antwortete Astoria und schob sich einen Löffel in den Mund. Aber er hatte recht. Sie hatte noch eine Übersetzung fertig zu stellen. „Die Bibliothek ist rund um die Uhr zugänglich.", stellte sie klar, als würde das schon alles aussagen.
„War der Ball schön?", fragte Edgar, bevor er an seiner Tasse nippte.
„Überfüllt wie immer."
„Und interessant gewesen?"
„Todlangweilig.", warf sie ein und beide grinsten sich an.
„Oh sie lügt. Das ist ihr doch an der Nasenspitze anzusehen.", mischte sich Daphne ein, die eintrat. Sie küsste Edgar und setzte sich dann zu ihm auf den Schoss. „Gib es schon zu. Du hattest sicherlich einen interessanten Abend."
Interessant traf es wohl genau.


Sie aß fertig und machte sich dann auf den Weg zur Uni. Literatur war ihr Hauptfach. Übersetzungen und Philosophie waren ihr Hauptaugenmerk. Es war ihr schon immer leicht gefallen Sprachen zu lernen. Angeblich hatte sie das von ihrer Mutter. Astoria wusste es nicht. Sie hatte kaum Erinnerungen an sie. Was nicht schlimm war. Daphne erzählte oft von ihr und ihr Vater tat es auch. Als Kind gab, es einige Momente wo sie ihre Mutter vermisst hatte, aber dann war ihre restliche Familie dagewesen und der Schmerz und die Sehnsucht waren gestillt worden. Familie war das höchste Gut, das hatte sie schon früh begriffen. Die Familie zu wahren und zu beschützen, war das wichtigste. Schon alleine deshalb hatte sie eine Lösung finden müssen. An sich ein gutes Geschäft, für dass sie dabei auch Spaß hatte. Sie wurde rot bei dem Gedanken und versuchte sich auf die Übersetzung zu konzentrieren. Es war eine Übersetzung über den alten Koboldkrieg.

Vielleicht wurde sie jetzt schamlos. Konnte das passieren? Na, wenn schon. Was spielte das jetzt noch für eine Rolle? Überhaupt keine mehr. Sie setzte zur nächsten Übersetzung an und wollte ihre Feder erneut in die Tinte tauchen, als ihr jemand die Hände über die Augen legte. Einen Augenblick erschrak sie, bis sie seine bekannte Stimme hörte.
„Ai, feines Mädchen. Einen Schatz möchte ich haben. Doch ist es weder Gold, Silber noch Ruhm. Was kann es nur sein?"
„William.", warf sie ein und William ließ sie los und setzte sich glucksend neben sie. „Musst du mich so erschrecken?" Er grinste nur. „Was machst du überhaupt hier?"
„Hab ein Buch zurückgebracht und wollte eigentlich schon gehen, als ich dich gesehen habe, du fleißiges Bienchen."

Sie rollte mit den Augen und er musterte sie aufmerksam.
„Also fleißiges Bienchen. Was ist mein Schatz?"
Sie kannte diese Zeilen aus einem Märchenbuch genau.
„Ich habe keine Ahnung.", log sie und wollte wieder ihr Buch näher ziehen und musste lachen, als William sie auf die Wange küsste. „Idiot."
Er schmunzelte und stützte seine Hand an dem Tisch ab und musterte sie aufmerksam.
„Wo bist du gestern so schnell hinverschwunden?" Sie hielt inne und merkte, wie sie rot wurde. „Ich habe dich noch mit Malfoy tanzen sehen und dann warst du einfach weg."
„Ich bin Nachhause gegangen. Mir ging es nicht gut."
William seufzte. „Du ärmste. Hättest du etwas gesagt, dann hätte ich dich gebracht."
Sie lächelte milde. „Das war wirklich nicht nötig. Außerdem konnte ich dich doch der Damenwelt nicht entreißen."
Er sah sie spöttisch an. „Genau. Weil das so wichtig ist."
„Deiner Mutter scheint es wichtig zu sein."
Er seufzte schwer. „Sie will, dass ich endlich mein Studium beende und mich meiner Verantwortung stelle."

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