Astoria fühlte sich seltsam leichtfüßig und befreit. Sie konnte es sich nicht erklären, aber es war ein Gefühl von Zufriedenheit. Vielleicht war sie verrückt? War es das? Zumindest hatte sie den Gedanken, als sie durch Manor spazierte. Irgendwie wirkte alles noch heller, noch wärmer und schöner. Sie nahm es zumindest so wahr, als sie in den Garten trat und die Sonne warm auf sie herab schien. Nicht grell und blendend, sondern angenehm wärmend. Sie fuhr mit ihren Fingerspitzen über das schlichte, weiße Sommerkleid, während sie ihren Weg fortsetze. Vorbei an kunstvolle Springbrunnen und Wasserspielen. An angelegten wunderschönen Blumenbeete. Es war ein betörender Duft, der sie einhüllte.
Sie hielt an dem großen See an. Das Wasser glitzerte durch die Sonne, als wäre er befüllt mit tausenden Diamanten. Auf der Insel im See wirkte der Steinpavillon heute noch herrschaftlicher als sonst. Sie legte den Kopf schief, als sie eine Frau dort stehen sah. Eine Frau, die ihr unheimlich bekannt vorkam. Aber das konnte doch nicht möglich sein. Das... das war einfach unmöglich. Die Frau winkte ihr lächelnd zu.
„Mama?", flüsterte Astoria leise und schüttelte kaum sichtbar den Kopf.
Sie war doch tot. Wie... wie konnte das den möglich sein? Astoria sah sich suchend nach einem Boot um. Vielleicht musste sie übersetzen, um sich selbst zu überzeugen, dass es nicht ihre Mutter war. Dass es irgendeine Frau war, aber nicht ihre Mutter. Sie wollte gerade sich dem Wasser nähern, um ein Boot zu erhaschen, als eindeutig jemand ihren Namen sagte.
Sie sah sich um, doch entdeckte niemanden. Überhaupt niemanden. Vielleicht bildete sie sich das Ganze auch nur ein? Sie näherte sich der kleinen Anlegestelle und schreckte erneut zusammen, als jemand ihren Namen rief. Es kam ihr weit entfernt vor. Sehr weit entfernt. Aber die Stimme klang angsterfüllt und voller Sorge. Sie sah wieder zu dem Pavillon. Es kam ihr nicht richtig vor, dort überzusetzen, wenn sie jemand offenbar brauchte. Sie wandte sich dem See ab und schritt zurück nach Manor, während immer wieder jemand ihren Namen sagte. Es kam ihr so vor, als käme die Stimme aus dem Herrenhaus selbst. Draco. Es war sicher Draco, der sie suchte. Wer sollte es sonst auf Malfoy Manor sein? Sie schritt die Stufen der Terrasse empor und trat ins Haus.
Es war nicht echt, das wurde Astoria klar, als sie langsam zu sich kam. Wahrnahm, dass sie in einem Bett lag. Registrierte, dass sie offenbar angeschlossen war an einem Überwachungsapparat, der ihren regelmäßigen Herzschlag wiedergab. Ihr Arm schmerzte und sie spürte, dass sie offenbar eine Infusionsnadel darin hatte. Generell fühlte sie sich erschlagen und irgendwie leicht benebelt. Sie bewegte leicht ihre Nase. Offenbar bekam sie über ihre Nase Sauerstoff zugeführt. Was war passiert? Die Heilerin wollte das Baby per Kaiserschnitt holen. Sie wusste nur noch, dass sie in den Operationssaal gebracht und die Narkose eingeleitet worden war. Sie bewegte leicht ihre Finger und spürte, wie jemand sofort nach ihrer Hand griff. Eine größere wärmere Hand.
„Astoria?", hörte sie Draco ängstlich fragen. „Verstehst du mich?"
Sie blinzelte schwerfällig. Ihr Sichtfeld verschwamm immer wieder, aber sie merkte, wie Draco ihre Hand fester drückte.
Er wirkte unheimlich blass. Seine Augen gerötet und sein Haar wirr.
„Draco.", sagte sie schwer und er machte ein Geräusch, das sich halb wie ein Lachen, halb wie ein Schluchzen anhörte, bevor er sich vorbeugte und sie auf die Stirn fest küsste und sich auf den Rand des Bettes setzte. Er war offenbar zuerst auf einen Stuhl gesessen, der vor dem Krankenbett stand. Er nahm ihre Hand und küsste ihre Handinnenfläche. Was war passiert? Wo war das Baby? Und vor allem wie lange lag sie hier schon? Es war offenbar mitten in der Nacht. „Was... was ist geschehen?"
Draco musterte sie aufmerksam. Seine Stimme hörte sich kratzig an. „Es gab Komplikationen bei dem Kaiserschnitt. Du hast sehr viel Blut verloren, Astoria." Wollte darum die Heilerin das nicht machen? Um eine Blutung zu verhindern? Seine Augen wurden glasig. „Du... dein Herz hat aufgehört zu schlagen. Ich... ich dachte, ich verliere dich.", brachte er schwer hervor und Astoria legte ihre Hand an sein Gesicht.
„Draco..."
Es brach ihr fast das Herz, als sie sah, dass er tatsächlich weinte. Er weinte nie. Niemals. Er nahm ihre Hand wieder in seine und liebkoste ihre Fingerspitzen.
„Es war sehr, sehr knapp, Astoria. Ich dachte wirklich..."
Er brach ab und sie sprach seinen Namen aus, was ihn sie wieder ansehen ließ.
„Aber ich bin nicht tot. Ich bin hier. Hier bei dir." Er nickte schwerfällig und er beugte sich vor, vergrub seinen Kopf an ihren Hals und sie fuhr ihm sanft durchs Haar, als sie ihren Arm um ihn legte. Sie spürte seine Tränen auf ihrer Haut. Er weinte. Weinte aus Angst um sie und er sagte immer, er könne keinen Menschen lieben. Er war blind vor der Wahrheit. Draco konnte lieben, ob er das sich eingestehen wollte oder nicht. „Was ist mit dem Baby?", fragte sie leise und er setzte sich wieder auf.
„Ihm geht es gut."
Ihr Herz schlug aufgeregt. „Ihm? Es ist ein Junge?"
Er nickte schwach. „Ja. Ja er ist gesund, sagt Edgar."
„Edgar?"
Der Blonde nickte erneut. „Ich habe ihn noch nicht gesehen. Daphne ist bei ihm und Edgar hat mir Bescheid gesagt."
Sie wusste nicht, ob sie schimpfen oder lachen sollte. „Du hast unseren Sohn noch nicht gesehen?"
Er schüttelte den Kopf. „Ich... ich konnte nicht. Ich wollte dich nicht alleine lassen."
Sie strich über seine Wange. „Aber jetzt kannst du mich alleine lassen. Ich will ihn sehen und du musst ihn auch sehen. Du freust dich schon die ganze Zeit so sehr darauf."
Und wie sehr hatte sie gehofft, dass es ein Junge werden würde, weil sie glaubte, dass Draco so eine bessere Verbindung aufbauen konnte. Wobei gerade die letzten Wochen ihr gezeigt hatten, dass es offenbar für ihn keine Rolle spielte. Er freute sich auch so auf das Kind.
„Ich werde ihn holen. In Ordnung?"
Sie nickte stumm und schloss die Augen, als er sich vorbeugte und sie zuerst auf den Mund kurz küsste und dann erneut auf die Stirn. Als hätte er Angst, sie könnte gleich verschwinden. Sie fühlte sich müde und entkräftet, aber sie freute sich auch. Sie hatten einen Sohn. Scorpius Hyperion Malfoy. Sie lächelte glückselig, als sie daran dachte.
Er war erleichtert. Es war, als hätte ihm gerade jemand einen ganzen Sack Steine von den Schultern genommen. Sicher, die Heilerin hatte schon bei der Verlegung von Astoria ins Krankenzimmer gesagt, dass sie über den Berg war und es schaffen würde, aber erst jetzt war es Draco leichter um die Brust. Erst jetzt, wo sie mit ihm gesprochen hatte. Wieder ansprechbar gewesen war. Er hätte sich nie im Leben das verzeihen können. Nie im Leben sich verzeihen können, wenn sie gestorben wäre bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes. Niemals. Diese unbeschreibliche Angst, die ihn erfasst hatte, als Astoria ohne Herzschlag dort gelegen war. Die Heilerin um ihr Leben gekämpft hatte.... Er spürte jetzt wieder einen Schauer über seinen Rücken jagen, als er daran dachte. Wie grausam wäre das gewesen, wenn ihm Astoria genommen worden wäre.
Er betrat die Säuglingsstation und entdeckte Daphne vor einem der zahllosen rollbaren Kinderbettchen. Sie hielt offenbar das Baby im Arm. Man sah nicht viel von dem neuen Erdenbürger, der gut in eine Decke gewickelt war.
„Hey.", sagte er einfallslos und Daphne sah von ihrem Platz auf. „Wo ist dein Mann?", fragte Draco und schritt weiter in den Raum.
„Zu Vater geflohnetzt. Er wollte unbedingt Vivien in den Arm nehmen. Wie geht es Astoria? Ist sie aufgewacht?"
Draco nickte. „Ja. Ja und ihr scheint es wirklich gut zu gehen." Daphne lächelte, bevor sie wieder sanft auf das Baby blickte. „Sie will ihn sehen.", warf er ein. Konnte er Daphne einfach das Baby jetzt wegnehmen? „Scorpius, meine ich."
Daphne stand lächelnd auf. „Aber natürlich will sie das. Aber zuerst musst du auch Hallo zu deinem Sohn sagen." Er konnte nicht verhindern einen kleinen Schritt zurückzuweichen, als Daphne auf ihn zukam. „Keine Angst. Es ist ganz leicht.", erklärte sie und Draco sah das erste Mal seinen Sohn.
Er hob wie ferngesteuert seine Arme und Daphne legte den kleinen Säugling vorsichtig in Dracos Arme hinein. Das Baby regte sich leicht und Dracos Herz hüpfte aufgeregt. Dieses keine Wesen war die letzten Monate in Astorias Leib gewachsen. Dessen Bewegungen hatte er gespürt mit seinen Händen durch Astorias Bauch. Hatte leise auf den Bauch eingeredet, damit er aufhörte, Astoria in der Nacht zu treten. Was für ein Wunder. Draco blinzelte gegen die Tränen an. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, dass er nicht kannte. Wobei... wobei es dem gleich kam, was er für Astoria empfand. Draco sah den blonden Schopf seines Sohnes. Gab es ein hübscheres Baby?
„Ist er nicht wunderschön?", fragte Daphne leise und Draco nickte wie ein Trottel. „Das haben Astoria und du wirklich gut hinbekommen. Er ist bezaubernd."
Er nickte wieder. Ja, das hatten sie.
„Hallo Scorpius.", wisperte er leise und küsste den Kleinen auf die Stirn. Das war sein Sohn. Sein Fleisch und Blut. Sein Kind. „Ich werde ihn ihr bringen.", sagte er und wollte gehen, als er sich wieder zu Daphne wandte. „Ist es in Ordnung, wenn du nicht mitkommst?"
Daphne grinste. „Natürlich ist es das. Das war wahrlich heute genug Aufregung."
Sie umarmte Draco vorsichtig, verabschiedete sich von Scorpius und ging. Draco trug seinen Sohn sicher zum Krankenzimmer von Astoria. Wie wertvoll das Leben war, dachte er bei sich, als er bei Astoria am Bett saß, die genauso fasziniert ihren gemeinsamen Sohn im Arm hielt und musterte wie Draco zuvor. Wie schön sie war. Wie gut und wunderbar und beinahe hätte er sie verloren. Das war seine Familie und er würde sie beschützen, um jeden Preis.
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Der Deal
عاطفيةHyperion Greengrass hat sich verspekuliert. Die Familie und das Unternehmen stehen vor dem finanziellen Ruin. Doch eine Möglichkeit steht offen, Draco Malfoy, der zu den reichsten Männern Englands gehört, um Hilfe zu bitten. Doch Draco Malfoy ist ke...
