Kapitel 13

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Als sie wieder aufwachte, war sie alleine gewesen. Sie hatte sich geduscht und sich angezogen, bevor sie auf die Suche nach Malfoy gegangen war. Um dann von einer älteren Hausdame zu erfahren, dass er noch einen Termin wahrnehmen musste und sie sich aber frei bewegen sollte und Bescheid sagen bei seinen Angestellten, wenn sie etwas brauchte. Sie brauchte nichts. Sie hatte nicht einmal Hunger. Sie wollte sich umsehen und fing mit der Parkanlage an. Einer riesen Parkanlage, die offenbar in diverse Abschnitte geteilt war. Da gab es symmetrische angelegte Blumenbeete neben kleinen angelegten Wegen. Angelegte Alleen mit dazwischen platzierten Marmorfiguren, die kunstvoll alte Legenden darstellten oder Astoria unbekannten Figuren, die wie aus alten griechischen Legenden wirkten. Mehrere angelegte Gartenbögen, die meterlang reichten und durch das bewachsene Efeu Schatten spendeten.

Kunstvolle Springbrunnen und angelegte Wasserspiele. Das atemberaubendste war der riesige See, in deren Mitte eine Insel war auf der offenbar ein Steinpavillon thronte. Die Sonne stand mittags hoch, als sie wieder Richtung Haus ging und nicht weiter den Park erkundete. Sie hatte sogar ein Labyrinth entdeckt, dass sie aber nicht betreten hatte. Ihr Orientierungssinn war katastrophal, sie würde vermutlich nie wieder rausfinden. Wie konnte so etwas Schönes vom Dunklen Lord besetzt worden sein? Es war wundervoll und verträumt. Nichts erinnerte an den Krieg. Absolut gar nichts. Nun Draco hatte auch gesagt, dass er alles renovieren lassen hatte. Wobei sie sich kaum vorstellen konnte, dass es vorher anders aussah. Es wirkte so, als wäre es schon seit Jahrhunderten so gehalten worden. Es war wunderbar. Wie in einer anderen Welt. Einer anderen Zeit.

Und wozu das? Damit es verlassen verweilte für die Ewigkeit? Draco war offenbar auch nicht oft hier und seine Mutter mied es, weil es sie beengte. Wie konnte man sich hier nicht wohlfühlen? Sie verstand es nicht. Aber vielleicht hatte Draco recht und Astoria müsste Dracos Mutter selbst fragen. Was vermutlich nie passieren würde. Sie ging die Treppe nach oben, die zur Terrasse führte und entdeckte Draco auf einigen Gartenmöbeln sitzen.
„Ich dachte, du kommst gar nicht mehr.", begrüßte er sie. „Oder das du dich verläufst."
Sie lachte leise. „Ich hatte wirklich Angst, dass ich mich verlaufen würde."
Sie setzte sich ihm gegenüber und er schenkte ihr aus einer Karaffe Wasser ein.
„Du hast nichts gegessen."
„Ich hatte keinen Hunger.", erwiderte sie knapp und nippte an dem Glas, dass er ihr reichte.
„Dann sollten wir jetzt essen gehen."
Sie schüttelte den Kopf. „Nein."
„Nein?", wiederholte er amüsiert.
„Ich bin schon viel zu lange hier, Draco. Daphne springt vermutlich schon im Dreieck."
„Deine Schwester war schon in der Schule eine kleine Nervensäge."

„Sie macht sich Sorgen.", antwortete Astoria ruhig.
„Warum? Du bist erwachsen?", hakte er verständnislos nach.
Sie rollte mit den Augen. „Das weiß sie. Daphne hat nur Angst wieder jemanden zu verlieren. Das ist in Familie so." Er senkte kurz den Blick und sie räusperte sich. „Außerdem muss ich sie davon abhalten, dass sie doch noch eine riesen Party hinter meinen Rücken plant."
Er lächelte. „Zu deinem Geburtstag."
Sie runzelte die Stirn. „Woher weißt du das?"
„Nun, weil ich heute Morgen eine Einladung erhalten habe."
„Du... warte was?", stotterte sie irritiert und er ging gar nicht darauf richtig ein.
„Die Frage ist, soll ich dort auftauchen oder nicht. Deine Schwester schreibt etwas von einem gemütlichen amüsanten Grillabend. Ich glaube, ich war noch nie bei einem Grillabend."
„Ich bringe sie um.", knurrte sie und Draco lachte.

Ihr war gar nicht zum Lachen. Sie war wütend und aufgewühlt. Warum tat ihre Schwester so etwas? War sie noch ganz dicht.
„Daphne!", schrie sie, als sie Zuhause ankam. Wäre Daphne nicht schwanger, würde Astoria sie in der Luft verfluchen. „Daphne!", wiederholte sie sich und lief durchs Haus.
„Ich bin hier.", flötete Daphne und Astoria trat in den Garten. Ihre Schwester lag mit Sonnenbrille auf einer der Gartenliegen. „Wieso lädst du Draco Malfoy zu meinem Geburtstag ein?", fragte sie ungestüm, was ihre Schwester offenbar wenig störte.
„Weil ihr Zusammenarbeitet." Astoria schnappte nach Luft und ihre Schwester setzte sich auf und nahm ihre Sonnenbrille ab. „Apropos wo warst du die Nacht?"
„Ich... habe in Manor geschlafen.", sagte sie und ihre Schwester wollte schon den Mund aufmachen, doch Astoria ließ sie nicht zu Wort kommen. „Nicht so wie du denkst." Es war viel schlimmer. „Die Übersetzung hat lange gedauert und ich... es war schon spät. Deshalb hat er mir ein Gästezimmer angeboten."

„Aha.", machte Daphne siegessicher und ging an Astoria vorbei zurück ins Haus.
„Was heißt hier Aha? Daphne, ich rede mit dir."
Sie würde hier noch den Verstand verlieren, so viel stand fest. Daphne ging in die Küche und holte sich Saft aus dem Kühlschrank.
„Ich erzähle dir mal etwas über Draco Malfoy. Er lässt niemals, Frauen in Manor schlafen die mit ihm zu tun haben. Nicht einmal seine Freundinnen, Schrägstich Affären." Astoria atmete genervt aus und die Blondine quasselte weiter. „Aber du, die ein Buch übersetzt, darf dort schlafen? Halte für mich verrückt, aber es ist wohl ganz offensichtlich."
Astoria erstarrte. „Was ist offensichtlich?"
Wusste Daphne Bescheid?
„Draco Malfoy steht auf dich."
„Oh Merlin Daphne.", schimpfte Astoria weiter. Es war ein Geschäft verdammt, aber dass konnte sie ihrer Schwester ja schlecht sagen. „Wir sprechen hier von Draco Malfoy. Der kann jede haben und da denkst du, er wartet auf mich?"
„Sag was du willst, aber Tatsache ist, niemand darf seit Jahren mehr in die heiligen Hallen von Malfoy Manor und du übernachtest dort."

Sie bekam langsam Kopfschmerzen.
„Daphne.", seufzte sie schwer und Daphne sah sie vielsagend an.
„Soll ich ihn wieder ausladen?"
„Das ist doch total unhöflich."
„Na und?", meinte die Blondine schulterzuckend. „Seit wann scheren wir uns darum was unhöflich ist und was nicht. Oder was die Leute über uns denken."
Darum scherte sich Astoria nicht wirklich. Aber... zum Teufel... Draco auf einer Feier bei engen Freunden und der Familie? War das nicht ein wenig viel dem Guten. Und nebenbei, hatte sie das Gefühl, ihr Glück zu sehr herauszufordern. Bis jetzt hatte niemand eine Ahnung von Draco und ihr. Zumindest nicht wirklich. Wie sollte sie den mit ihm umgehen, wenn er bei ihren Freunden saß, sie aßen und tranken und vermutlich irgendwelche dummen Spiele spielten, die Daphne mit Sicherheit noch aus dem Hut zaubern würden? Ihr war unwohl bei der ganzen Sache. Wirklich unwohl.



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