Kapitel 3

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Er war offenbar total paranoid und hatte unverkennbar über alles gerne die Kontrolle. Der Vertrag war umfangreich und beinhaltet all mögliche Details. Neben einer Verschwiegenheitsklausel, dachte er offenbar sogar schon an den Part der Verhütung. Er hatte ihr sogar einen Heiler vorgeschlagen. Nein, praktisch ihr aufgedrückt. Astoria hatte den Heiler heute kontaktiert und einen Termin ausgemacht für morgen und das obwohl sie immer noch nicht den Vertrag unterschrieben hatte. Er lag noch gut versteckt unter ihrer Matratze. Sie war noch nie bei einem Heiler gewesen, um über Verhütung zu sprechen. Es war schon schlimm genug gewesen, als Daphne mit diesem Mist daher kam, als Astoria damals fünfzehn war. Es waren damals Ferien gewesen und Daphne war gekommen mit einem ernsten Gesichtsausdruck. Sie war rot geworden mit jedem Wort, das sie sprach. Schlussendlich hatte Astoria ihr erklärt, dass sie bereits aufgeklärt war und Daphne diesen Part nicht übernehmen musste und dass sie sich etwas holen würde zur Verhütung, wenn sie etwas brauchte. Daphne war zufrieden gewesen und dieses peinliche Thema war nie wieder zur Sprache zwischen den beiden Schwestern gekommen.

Daphne die oft versucht hatte die Ersatzmutter zu spielen, seitdem ihre Stiefmutter und Astorias leibliche Mutter, gestorben war. Daphne war nur nicht der Typ dafür gewesen. Zumindest nicht damals in diesem Alter. Astoria war zwar die jüngere, aber definitiv verantwortungsvoller und zuverlässiger. War sie immer noch, dachte sie bei sich und grinste breit, während sie mit dem Korb die Küche betrat. Sie griff nach einer Vase und befüllte sie mit Wasser, bevor sie die Pfingstrosen darin verfrachtet und sie ins Esszimmer trug, um sie auf den Tisch zu stellen. Sie hob den Blick und musste lächeln, als Daphne ins Zimmer kam und sich schwerfällig setzte. Sie sah immer noch furchtbar blass aus, so wie heute Morgen.
„Hat sich dein Magen beruhigt?", fragte Astoria fürsorglich und Daphne sah auf die Blumen und ignorierte die Frage.
„Wie findest du die Zeit, dass du in den Garten gehst und Blumen holst. Ich meine... es fehlt nur noch, dass du dir eine Schürze umbindest und einen Kuchen rein trägst."
Sie lachte und Daphne strich sich ihre blonden Locken hinters Ohr.

„Ich habe nicht nur das gemacht. Ich war schon draußen und habe mit dem Gärtner gesprochen und mit dem Stallmeister." Daphne rollte mit den Augen und Astoria griff nach einem Krug und einem frischen Glas vom Sideboard. „Und weil ich weiß, wie gerne du die selbstgemachte Limonade liebst..."
„Hast du welche gemacht.", unterbrach Daphne sie und blickte sie liebevoll an. „Du bist die beste Schwester überhaupt. Weißt du das?"
Astoria lächelte breit und gab ihr das Glas, bevor sie sich neben sie setzte.
„Willst du nicht doch zum Heiler?", fragte Astoria besorgt und Daphne lehnte sich auf ihren Platz zurück.
„Ach Quatsch. Was soll der machen? Das gehört zum Babykriegen dazu." Daphne legte ihren Kopf in den Nacken. „Ich beschwere mich jetzt schon über das Baby und es ist noch nicht einmal da. Genauer genommen ist es noch gar nicht größer wie eine Bohne."
„Bohne?", fragte Astoria belustigt nach.
„Sagt die Heilerin.", erwiderte Daphne und kniff ihre blauen Augen etwas zusammen. „Du bist wie Edgar, der hat auch so seltsam reagiert."

Edgar Meyers war Daphnes Mann. Ein lieber und guter Kerl, aber eindeutig nicht das was man erwartete hatte bei Daphne. Alle und vor allem Daphne selbst hatten einen von und zu erwartet. Oder zumindest einen Zabini oder Nott. Aber nein, es wurde Edgar Meyers. Bis heute hatte Astoria noch nicht wirklich begriffen, wie Edgar es geschafft hatte, Astorias ältere Schwester für sich zu erobern. Aber es war passiert. Edgar, der kleine Archivar aus dem Ministerium, hatte Daphne Victoria Greengrass vor einem Jahr geehelicht. Jeder in ihren Kreisen war schockiert, dass interessierte nur keinen von ihnen. Nun, zumindest interessierte es Hyperion, Daphne und Astoria nicht. Solange die Beiden sich liebten und glücklich machten, war dies das wichtigste. Und in knapp sechs Monaten würde Astoria stolze Tante werden.

Das war auch so ein Punkt warum sie unbedingt die Geschäfte ihres Vaters retten musste. Zumindest wieder das Privatvermögen und um das Anwesen zu sichern. Edgar verdiente nicht schlecht, um sich zu finanzieren, aber niemals um eine ganze Familie durchzufüttern. Er war ein kleines Licht im Ministerium, das eindeutig zu wenig beachtet wurde. Er wohnte seit der Eheschließung mit Daphne hier, auch wenn ihm das zu Beginn unangenehm war. Es war eine gute Lösung für alle Beteiligten. Daphne wohnte hier gerne und Hyperion hatte seine Kinder gerne in seiner Nähe und bald auch sein erstes Enkelkind. Aber wenn sie das alles hier verlieren würden, wo würde dann Daphne und Edgar wohnen? Wo unterkommen?
„Ich beneide dich, weißt du das eigentlich?", fragte Daphne und griff nach Astorias Hand.

„Wieso? Weil ich der klassische Albtraum von dir bin?", hakte Astoria nach und ließ sich nicht anmerken, dass sie seit Tagen umhergetrieben war.
„Nein.", fing die Blondine an und lächelte breit. „Weil dir alles immer so leicht fällt und du jedes Problem am Schopf packst."
„Du übertreibst."
„Unsinn. Denkst du, ich hätte den Nerv dafür gefunden nach Hogwarts weiterzumachen? Ich war schon froh, dass ich die Stelle beim Juwelier bekommen habe."
„Nun du hast dich schon immer mit schönen Dingen umgeben."
Daphne boxte sie und Astoria unterdrückte ein Lachen. Daphne trank erneut aus dem Glas und ihr Blick wurde plötzlich besorgt.
„Was ist?", fragte Astoria alarmierend.
„Was wenn ich das nicht hinbekomme?"
„Ach Quatsch."
„Das ist mein ernst, Tori. Ich habe ja nicht einmal hinbekommen dich anständig großzuziehen."
Astoria drückte die Hand ihrer Schwester. „So ein Unsinn. Siehst du nicht, wie groß ich geworden bin. Ich meine gut, ein halber Kopf größer, wäre eindeutig zum Vorteil gewesen, aber..."

Daphne unterdrückte ein Lachen. „Das ist mein Ernst. Was wen ich das Baby fallen lassen. Oder es nicht richtig füttere und..."
„Du wirst eine tolle Mutter werden.", unterbrach die Brünette sie.
Daphne beugte sich vor und umarmte sie so fest, dass Astoria fast vom Stuhl runterrutschte.
„Ich habe dich furchtbar lieb, weißt du das?", nuschelte Daphne und Astoria strich ihr über den Rücken.
„Ich dich auch." Sie ließen sich los, als Astorias Armbanduhr piepste. „Sorry, Zeit für Dads Medikamente und seinen Tee."
„Er hat gerade einen Termin."
Astoria runzelte die Stirn. „Einen Termin?"
Die Blondine nickte. „In seinem Arbeitszimmer. Kam wohl unerwartet. Vielleicht solltest du dann gleich noch eine Tasse bereitstellen, falls sein Geschäftstermin auch Tee trinken möchte."
„Verstehe.", meinte Astoria und stand auf, um in die Küche zu gehen.

Magda, die Köchin, hatte offenbar bereits Teewasser heißgemacht. Astoria bedankte sich bei ihr, bevor sie den Tee fertig machte. Sie stellte zwei Tassen auf das silberne Tablett und holte dann noch ein Glas Wasser dazu und schob die beiden Tabletten für ihren Vater in ihre Westentasche. Sie strich nochmal über das schlichte Sommerkleid, bevor sie das Tablett nahm und sich Richtung Arbeitszimmer auf den Weg machte. Sie stellte es kurz zur Seite, um zu klopfen und trat erst ein, als ihr Vater
„Herein.", sagte.
So hatten sie es gelernt, schon als Kinder. Ihr Vater blickte auf mit seiner viereckigen silbernen Brille, die er meistens nur beim Lesen trug.
„Oh Astoria, du bist ein Schatz."
Nun zumindest gab sie sich mühe. Ihr Herz setzte aus, als sie bei ihrem Vater ankam und sie vor dem Schreibtisch ihres Vaters niemanden anderes erblickte, als Draco Malfoy. Beinahe rutschte ihr das Tablett aus den Fingern, doch sie konnte sich gerade noch so beherrschen.

Sie stellte das Tablett vorsichtig neben ihren Vater ab.
„Meine Jüngste.", meinte Hyperion stolz, der das gleiche dunkle Haar wie Astoria besaß, auch wenn es inzwischen bei ihm leicht angegraut war. „Draco Malfoy.", fuhr er fort und sah Astoria an, die Tee in beide Tassen eingoss.
„Ich weiß.", erwiderte sie so ruhig wie möglich und reichte eine Tasse unaufgefordert an Malfoy weiter, der sie scheinbar nicht aus den Augen ließ.
„Wir wurden uns bei der Hochzeit von Daphne vorgestellt.", antwortete dieser und ihr Vater nickte verstehend.
Wieso war er hier? Was zum Teufel machte er hier?
„Mr. Malfoy schlägt mir gerade einen Deal vor, Liebes. Er hat eine gute Idee für die Geschäfte.", erklärte ihr Vater beinahe schon euphorisch.
Ihr Hals fühlte sich trocken an. „Tatsächlich?"
„Tatsächlich.", wiederholte Malfoy und Astoria wandte sich ihrem Vater zu, als dieser nach der Tasse greifen wollte.
Sie reichte ihm zuerst das Glas und fischte dann die beiden Tabletten aus ihrer Weste. „Zuerst die."
„Oh danke, Liebling. Wo habe ich nur meinen Kopf."
Das wusste sie nicht wirklich, aber sie verlor ihren gleich.

Sie sagte nicht viel und ging einfach, spürbar den Blick von Malfoy im Rücken. Sie zog die Tür zu und atmete im Flur schwer aus. Sie legte ihre Hand gegen ihr stark schlagendes Herz. Er war schon hier und unterbreitete ihrem Vater ein Angebot und das obwohl der Vertrag immer noch ungekennzeichnet oben in ihrem Zimmer lag. War das Nächstenliebe oder Diabolisch? Sollte es ihr zeigen, dass er sich an seinen Teil der Abmachung hielt? Vermutlich weiterhin nur, wenn sie endlich ihren Teil des Deals einbrachte.
„Hast du einen Geist gesehen?", fragte eine vertraute Stimme und Astoria wirbelte im Flur herum. Ihre Schwester sah sie besorgt an. „Himmel, was ist passiert?", fragte Daphne besorgt und ihr Lächeln verschwand. Sie eilte auf Astoria zu und griff nach ihrer Hand und legte eine ihrer Hände an Astorias Wange. „Tori, du bist ja weiß wie eine Wand. Was ist den los? Geht es dir nicht gut?"
Astoria schob die Hände ihrer Schwester weg. „Nein. Alles Bestens." Daphne wirkte nicht überzeugt. „Wirklich. Ich... lege mich nur kurz ein wenig hin."
Daphne nickte langsam. „In Ordnung. Aber wenn du etwas brauchst..."
„Gebe ich dir Bescheid. Versprochen."

Niemals. Was sollte sie denn Daphne erzählen? Das ihr vermaledeiter Cousin den größten Teil des Vermögens verspekuliert hatte? Das sie nahe dran waren alles zu verlieren? Ihr Zuhause? Und das sie sich keine andere Option gesehen hatte, als bei Draco Malfoy aufzulaufen und ihm ein Geschäft vorzuschlagen? Sich zu verkaufen wie eine Hure? Nein das konnte sie ihr nicht erzählen. Astoria schlug ihre Zimmertür zu und lehnte sich heftig atmend dagegen. Daphne würde Malfoy nur Angreifen oder Ermorden. Und dann? Sie brauchten seine Hilfe. Ihr könnte die verdammte Firma egal sein, aber nicht das Anwesen. Nicht ihr zuhause. Ganz zu schweigen, dass ihr Vater seine Firma liebte. Er hatte sie aufgebaut mit seinem Vater damals.

Zum Teufel, wenn sie ein Junge geworden wäre, hätten sie diese dummen Scherereien gar nicht. Dann könnte ihr Vetter bleiben, wo der Pfeffer wuchs. Aber die Erbregel war festgelegt worden von ihrem Großvater. Ein männlicher Erbe musste es sein. Daphne und sie schieden damit aus und somit würde Robert alles bekommen. Robert der Vollidiot. Wie sehr sie ihn hasste. Er hatte sie in diese Bredouille gebracht. Er ganz alleine. Dieser Schwachkopf. Sie ging zu ihrem gemachten Himmelbett und hob die Matratze an, nur um die schwarze Mappe hervorzuholen. Sie konnte den Vertrag noch hundertmal durchlesen. Es würde nichts an der Tatsache ändern. Sie brauchte Draco Malfoys Hilfe und er würde ihr nicht helfen, wenn sie ihren Teil der Abmachung nicht erfüllte. Sie musste das tun. Merlin verdammt, was stellte sie sich so an? Es wäre Sex. Sie verkaufte nicht ihre verdammte Seele. Sie ging hinüber zu ihrem Schreibtisch und griff nach einer Feder und Tinte. Sie würde dieses dumme Ding unterschreiben und ihm dann schicken. Sie wollte gar nicht weiter darüber nachdenken.

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