Kapitel 21

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„Was soll das heißen, du willst keinen Ehevertrag?", fragte seine Mutter entsetzt. Draco bekam schon wieder Kopfschmerzen und wenn er etwas hasste dann Kopfschmerzen während seiner Arbeitszeit. Er hatte schon gewusst, warum er sie eigentlich abwimmeln wollte. „Du musst einen Ehevertrag machen."
„Ich muss gar nichts.", widersprach Draco genervt.
„Draco.", betonte seine Mutter seinen Namen und fixierte ihn streng. „Hier geht es darum, deine Interessen zu wahren und natürlich auch ihre. Aber vor allem dich abzusichern."
„Ehrlich gesagt, dachte ich, du würdest dich freuen."
Ein Fest feiern. Es in die Zeitung drucken lassen und ihn nie wieder loslassen vor Freude. Draco hatte sich geirrt. Er erzählte ihr davon Astoria zu Fragen sie zu heiraten. Was gelogen war. Für ihn war das praktisch eine Tatsache, auch wenn Astoria ihn seit drei Tagen ignorierte. Und Narzissa kam mit dem Ehevertrag daher.
„Natürlich freue ich mich.", beschwichtigte sie ihn.
„Tatsächlich?", fragte er höhnisch. „So wirkst du gerade nicht."
Sie wirkte wie der wachgewordene Schiefermutteralbtraum.

„Du weißt, dass ich Astoria entzückend finde.", antwortete sie. „Sie ist hübsch, intelligent, charmant und kommt aus gutem Hause. Sie passt perfekt an deine Seite." Vielleicht ein wenig zu jung, dachte Draco. Sie war zweiundzwanzig. Himmel er dachte jetzt nicht einmal ans Heiraten, obwohl es viele in seinem Alter machten. Doch Astoria war einfach jünger als er. Sie war schwanger. Schwanger von ihm. Sie bekam sein Kind. „Aber du musst dich absichern.", riss die Stimme seiner Mutter ihn aus seinen Gedanken. „Du bist Geschäftsmann, Draco. Du weißt das ich recht habe."
„Ich werde keinen Vertrag machen. Das ist mein letztes Wort."
„Und was wenn sie sich scheiden lässt?", fragte Narzissa und Draco blickte sie an.
„Oder ich mich von ihr. Ist das nicht deine eigentliche Angst?"
In den Augen seiner Mutter regte sich etwas.
„Darum geht es doch gar nicht.", warf sie ein und ihre Wangen wurden rot. „Ob sie von dir oder du von ihr... Eine Scheidung könnte dich ruinieren." Vermutlich. „Wir sprechen von der Hälfte deines Vermögens."
Er würde immer noch stinkreich sein.

„Die Hälfte von allem, Draco.", betonte seine Mutter. „Die Hälfte deines Goldes. Die Hälfte deiner Wertpapiere. Deiner Wohnungen und Häuser. Manor."
Er rollte mit den Augen. „Das ist mir klar, Mutter."
„Und wie willst du das dann regeln? Ist dir klar, dass bei einer Scheidung du ihr entweder Manor überlassen musst oder sie auszahlen müsstest. Und wie willst du sie auszahlen? Du weißt, wie viel Manor wert ist."
Und wie er das wusste, er kannte schon alleine die Instandhaltungskosten pro Jahr.
„Ich habe an magisches Klebeband gedacht.", erwiderte er und lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück.
Narzissa runzelte die Stirn. „Klebeband?"
„Ja, ich teile dann alle Räume in der Hälfte einfach durch und ziehe mit dem Klebeband die Grenzen."
„Draco.", empörte sich Narzissa. „Das ist nicht witzig. Ich mache mir darüber ernste Gedanken."
„Mutter, zum letzten Mal, ich werde keinen Ehevertrag machen und ich werde das auch nicht weiter mit dir durchdiskutieren. Außerdem muss ich Astoria erst einmal fragen."

Was nicht stimmte. Er hatte ihr praktisch schon gesagt, was er wollte. Was er erwartete und er hoffte bei Merlin das sie ja sagte. Er hatte zwar ihr schon versichert, dass sie gegebenenfalls eine andere Lösung finden würden, doch wie würde diese aussehen? Würde sie das Kind bekommen und er einfach anerkennen lassen? Würde sie sich dann überhaupt darum kümmern wollen? Was wenn nicht? Er hatte keine Ahnung von Kindern und vermutlich gab er ohnehin einen miserablen Vater ab. Das lag irgendwie in der Familie. Aber er wollte nicht, dass sie abtrieb. Etwas tötet. Das war nicht richtig. Absolut nicht. Sie waren beide dafür verantwortlich und einfach etwas umzubringen, das sich nicht einmal wehren konnte, weil es nicht geplant war, geschweige ein guter Zeitpunkt war, kam für ihn nicht infrage. Und er hoffte, dass auch Astoria so dachte. Denn er würde nicht zulassen, dass sie das Kind wegmachen ließ.

„Draco...", setzte seine Mutter erneut an und er hob die Hand, damit sie aufhörte.
„Ich habe keine Lust mit dir weiter darüber zu diskutieren. Aber du kannst mir gerne helfen, bei der Planung der Hochzeit."
Sie schnaubte. „Ist das dein Ernst? Damit ist das Thema für dich gegessen?"
„Ja.", erwiderte er knapp. „Wie lange denkst du, braucht man für eine Planung einer Hochzeit?"
Sie kniff ihre Lippen zusammen, bevor sie sich offenbar geschlagen ab.
„Das kommt darauf an. Ich denke, aber dass es in zehn Monaten zu schaffen sein müsste."
Er schnaubte. „Ich werde doch kein Jahr warten."
„Eine gute Hochzeit braucht Planung und vor allem Zeit." Die er nicht hatte, aber dass musste seine Mutter nicht wissen. „Draco, eine Hochzeit ist eine wichtige Angelegenheit."
„Ich bin Draco Malfoy, ich will heiraten, wann ich will und ich will dieses Jahr noch heiraten. Am besten noch im Sommer."
„Du bist verrückt.", rief seine Mutter aus. „Du kannst keine Hochzeiten in wenigen Wochen aufziehen."
„Kann ich nicht?"
„Draco...", fing sie gereizt an und sie beide wandten die Köpfe, es klopfte.

Es war Dracos Sekretärin.
„Verzeihen Sie Mr. Malfoy für die Störung. Aber Miss Greengrass wäre hier."
Er stand auf. Sie war da. Er hatte seine Mitarbeiter angewiesen, dass egal wann Astoria auftauchen oder eine Nachricht schicken würde, sie ihn sofort informieren sollten.
„Gut. Sie kann gerne hereinkommen." Seine Angestellte nickte und ging wieder. Draco sah seine Mutter ruhig an. „Ich denke, wir können dieses Gespräch später fortführen, ich habe jetzt zu tun."
„Draco, bitte überstürze nichts.", sprach seine Mutter sanft.
„Wolltest du nicht unbedingt, dass ich heirate und warst mit meiner Wahl zufrieden?"
Sie seufzte. „Das bin ich immer noch. Ich... mache mir einfach Sorgen, dass du Hals über Kopf etwas erzwingst."
Hals über Kopf? Vielleicht. Was er wusste war, dass er etwas tun musste. Das richtige tun musste und das war für ihn richtig.
„Mach dir keine Sorgen.", erwiderte Draco und die beiden blickten auf, als die Tür erneut aufging.

Astoria blieb verdutzt stehen, als sie sah, dass Narzissa da war.
„Du... du bist nicht alleine. Ich dachte..." Sie wurde rot. „Deine Sekretärin sagte..."
„Ich weiß.", unterbrach er sie. „Meine Mutter wollte gerade gehen."
Narzissa wirkte darüber nicht begeistert.
„Wie du meinst.", meinte sie ruhig und lächelte aber Astoria an. „Wir sehen uns bestimmt bald wieder, Astoria."
Draco schloss die Tür hinter ihr und wandte sich langsam zu Astoria.
„Möchtest du etwas trinken?" Sie schüttelte stumm den Kopf. „Willst du dich setzen?", hakte er weiter nach und sie setzte sich langsam selbst in Bewegung und nahm auf der Sitzecke Platz, die in der anderen Ecke des Raumes stand. „Ich dachte nicht, dass du von selbst kommen wirst.", erwiderte er und sie sah auf.
Sie trug einen Seidenschal. Vermutlich sah man noch die Würgemale.
„Ehrlich gesagt, dachte ich das auch nicht."

„Was hat dich zum Umdenken bewogen?", hakte er nach und sie senkt den Blick.
Sie wirkte in sich gekehrt und zerbrechlich.
„Daphne. Ich habe mit ihr gesprochen." Er wollte den Mund aufmachen, doch sie war schneller. „Nicht... über den Vertrag. Nur über die Schwangerschaft. Sie wird es keinem erzählen." Nun sie würde es mit Sicherheit ihrem Mann erzählen. „Und... ich kann das nicht ewig ignorieren, oder?" Vermutlich nicht. Sie knetete ihre Finger ineinander. Er wünschte sich, es wäre anderes gelaufen. Er hätte nie etwas gesagt, sondern sie damals einfach reden und gehen lassen, nur um später so zu tun, als wäre es wie immer. „Ich habe keine Ahnung, ob ich das hinkriege.", fing sie an und sah auf. „Oder ob wir das hinkriegen. Ich... fühle mich wirklich nicht bereit ein Kind zu bekommen."
„Astoria, das geht mir doch genauso.", erwiderte er.
Er hatte eigentlich vorgehabt nie Kinder in die Welt zu setzen. Niemals.

Sie ging darauf offenbar gar nicht.
„Ich will es aber auch nicht wegmachen lassen." Er war erleichtert. Wirklich erleichtert. Er dachte schon, dass er sie die nächsten Monate einsperren musste. Sie schluckte und sah wieder auf ihren Schoss. „Ich möchte, eine Rolle in dem Leben meines Kindes spielen und... für es da sein." Sein Kiefer spannte sich an. Es hörte sich nach einem Aber an. Sie blickte auf mit ihren braunen Augen und es lag Entschlossenheit in ihrem Blick. „Ich werde deine Frau." Er blinzelte. „Aber nur unter folgenden Bedingungen."
„Und die wären?"
„Wenn wir heiraten, dann ist das eine richtige Ehe. Kein dummes Abkommen. Mit denselben Regeln wie eine Verbindung aus Liebe geschlossen."
Er grinste schief. „Du spielst auf Affären an." Sie wurde tatsächlich rot und nickte stumm. War das ihr verdammter Ernst? Er hatte den besten Sex mit ihr. Keine Frau konnte ihr das Wasser reichen. „Ich habe kein Bedürfnis mir eine andere Frau fürs Bett zu suchen, Astoria. Das ist dir hoffentlich bewusst."
Sie schien noch mehr zu glühen und sah wieder auf ihren Schoss.

„Die zweite Bedingung?", hakte er nach und sie schluckte sichtlich.
„Ich will, dass niemand von unserem damals geschlossenen Geschäft erfährt. Absolut niemand. Weder meine Familie noch... Irgendjemand anders."
Er nickte verstehend. „Mach dir darüber keine Sorgen. Wir werden die Verlobung diese Woche bekannt geben und versuchen die Hochzeit die nächsten beiden Monate über die Bühne zu bringen."
„Fällt das nicht auf?", fragte sie leise und schien darüber nachzudenken.
„Tori, ich bin Draco Malfoy. Der bekannteste Junggeselle überhaupt, der sich plötzlich bindet. Glaub mir, das wird Story genug sein." Er würde groß verliebt tun und alle würden vermutlich denken, dass er es überstürzte und darauf spekulieren, dass die Beziehung nicht lange hielt, aber das war ihm egal. Er räusperte sich. „Du hast sicher noch eine Bedingung. Oder?"
Ihre Augen hatten etwas... Trauriges und verletzliches an sich. „Unser Kind soll nie das Gefühl haben, dass es nicht geliebt wird, Draco oder dass seine Eltern..."

Sie brach ab und senkte wieder den Kopf. Sie hatte Angst. Angst in einer gefühllosen Ehe festzusitzen. Angst, dass Draco nichts für sein Kind empfinden würde. Nur weil er niemanden liebte, hieß das nicht, dass er sich um niemanden sorgte. War er in dem Punkt nicht deutlich? Er griff nach ihrer Hand. Streichelte sanft mit seinem Daumen darüber.
„Tori, ich werde mich um euch beide kümmern und wir...wir werden ein gutes Leben haben. Ich werde dafür sorgen, dass du glücklich bist und auch unser Sohn oder unsere Tochter." Ihre Lippen zitterten und er lächelte milde. „Du warst doch in unserer gemeinsamen Zeit auch glücklich, oder? Ich meine, zumindest hatte ich das Gefühl." Sie nickte kaum sichtbar und schloss die Augen, als er sich vorbeugte und sanft ihre Lippen mit seinen teilte. Sie blinzelte zu ihm wie in Trance auf. „Vertrau mir einfach.", sagte er leise und drückte ihre kleine Hand etwas fester in seiner.


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