Kapitel 4

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Er hatte viel erwartete. Wahrlich viel, aber nicht das. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er Nachhause kommen würde von Hyperion Greengrass und kurze Zeit später eine Eule kam mit der Mappe und dem unterzeichneten Vertrag. Aber vermutlich durfte man sich über Astoria Greengrass niemals wundern. Sie erstaunte ihn immer wieder. Schon von Anfang an. Zuerst unterbreitete sie ihm ein wirklich unmoralisches Angebot, nur um im nächsten Augenblick zu erfahren, dass sie keinerlei Erfahrung in solchen Dingen hatte. Dann wollte er mit ihr alles in Ruhe besprechen und sie war so schnell mit dem Vertrag verschwunden, dass er gar nicht begreifen konnte, dass sie das Treffen beendet hatte. Er war sich sicher gewesen, dass sie innerhalb von vierundzwanzig Stunden den Vertrag unterzeichnen würde. Was sie aber nicht getan hatte. Also hatte er beschlossen vorzufühlen und das tat er am besten über Hyperion Greengrass selbst. Sein Plan war nicht gewesen ihr zu begegnen, er wollte nur erreichen, dass Hyperion von den Rettungsplänen erzählte. Sie war schockiert gewesen ihn zu sehen und doch schien es sie wachgerüttelt zu haben. Der Vertrag war eingetrudelt, und zwar unterschrieben.

Jetzt zerbrach er sich nur noch den Kopf, wie das alles stattfinden sollte und vor allem wo. Ihr zuhause fiel auf jeden Fall schon weg von der Liste, das war definitiv klar. Außerdem keimte in ihm immer wieder die Frage auf, ob es moralisch gesehen verwerflich war. Nicht das er etwas auf seine Moral gab. Aber es war etwas anderes mit einer Frau zu schlafen, die das auch wollte. Sex zu haben mit einer, die nichts weiter wollte als schnellen Spaß. Es war was anderes, eine Frau vertraglich daran zu binden und dann vor allem noch eine, die keinerlei Ahnung hatte, auf was sie sich einließ. Das glich fast schon Prostitution, oder nicht? Doch anderseits war es ihre Entscheidung. Warum sollte er den Aufpasser oder Moralapostel deshalb spielen?

Es war ein verdammtes Geschäft und für ihn noch ein verdammtes gutes dazu. Es entband ihn von solcher Lästigkeit wie sicher zu gehen, dass ihn keine Konsequenzen erwarteten. Die Suche nach einer kurzen Nummer würde wegfallen und zum Teufel, er wusste nicht, wo sich Astoria Greengrass die letzten Jahre versteckt hatte, aber sie war attraktiv. Er war sich sicher, dass ihr dieser Umstand bewusst war, sonst wäre sie auf gar keinen Fall so selbstsicher in seinem Büro erschienen. Immer wenn er daran dachte, hatte er Lust sie aufzusuchen und diesen verdammen sinnlichen Mund zu küssen. Sie an sich zu ziehen und ihr die verdammte Kleidung vom Körper zu nehmen, nur um diese makellose Haut zu küssen und sich in ihr zu vergraben.

Der Gedanke gefiel ihm äußerst gut, dass er ihr Erster sein würde und sie in Sachen Sex einführen konnte. Normalerweise mied er solche Frauen. Meistens waren sie zu prüde und unerfahren, um ihn wirklich befriedigen zu können und außerdem bedeuteten solche Frauen immer ärger. Sie wollte nicht kurzen Spaß, sondern geehelicht werden. Besonders von Jungfrauen hatte er die Finger gelassen. Reinblüterinnen waren die schlimmsten Nattern. Denn sie beriefen sich auf ein altes Reinblütergesetz, dass praktisch den Mann dazu zwang sie zu ehelichen, wenn sie nachweisen konnten, dass er der Erste war. Schon alleine deshalb hatte er mit Parkinson niemals Sex gehabt. Sie hätte es bereits in Hogwarts versucht, aber Draco war nicht so dumm um sich darauf einzulassen. Ein kleiner Fick, um dann das ganze Leben lang dafür zu bezahlen? Für ewig gebunden zu sein? Nein, danke.

Manor oder die Stadtwohnung? Vermutlich die Stadtwohnung. Sie würde sich besser dafür eignen und sie waren vor allem ungestört. Keine lästigen Hauselfen oder andere Störfaktoren. Er legte den Kopf schief und nippte an dem Champagner. Er dachte, seitdem er hier war auf diesem Gartenfest darüber nach, wann er sein Recht einfordern sollte. Ob es unverfroren war, sie anzusprechen und zu fragen, ob sie heute nach der Gartenparty mit ihm schlief? Er zuckte innerlich zusammen, als ihm jemand auf die Schulter klopfte und
„Na du", sagte.
Blaise Zabini sah ihn grinsend an und folgte seinem Blick. „Eine Schönheit, oder?", fragte Blaise grinsend und Draco zog spöttisch eine Braue nach oben.
„Du kennst sie?"
„Ich bitte dich, das ist Astoria Greengrass. Jeder kennt Astoria Greengrass." Er sah ihn gelangweilt an und Blaise gluckste. „Nun ja, zumindest jeder der sich auf solchen Festen sehen lässt."
Was er nicht immer tat. Lästige Pflicht.

Astoria Greengrass schien sich angeregt mit einem jungen Mann zu unterhalten.
„Sie ist Hyperions jüngste Tochter."
Draco rollte mit den Augen. „Was du nicht sagst."
„Sie ist aus gutem Hause. Wohl erzogen und eindeutig nicht so langweilig wie einige andere Hexen."
Draco sah Blaise höhnisch an. „Seit wann ist es dir wichtig, dass Hexen nicht langweilig sind. Soviel ich weiß, waren deine meisten Eroberungen eher schön anzusehen, statt etwas im Kopf zu haben."
Blaise grinste weiterhin gelassen. „Ja, Eroberungen. Aber denkst du, ich will mein ganzes Leben lang mit irgendeiner langweiligen Hexe verbringen?" Draco sagte nichts. „Astoria Greengrass wäre die perfekte Wahl."
„Hast du das bei Daphne nicht auch gesagt?", murmelte Draco flachsend und leerte sein Glas in einem Zug. Sein ehemaliger Klassenkamerad verzog das Gesicht.
„Hör auf. Ihre Wahl ist bis heute noch unbegreiflich für mich. Wie konnte sie sich auf diesen Loser einlassen?"

Das fragte sich wohl die ganze hohe Gesellschaft. Daphne hätte es mit ihrem Aussehen und Charm wirklich breit bringen können.
„Wie einer der sich ins gemachte Nest setzt.", schimpfte Blaise schon fast. „Es ist nicht gut, wenn solche Leute in unseren Kreisen einheiraten."
„Solche Leute?", hakte Draco nach.
„Du weißt schon. Aus unteren Schichten."
„Ich halte ohnehin nichts vom Heiraten.", antwortete Draco und stellte sein Glas auf einem Tablett ab, das vorbei schwebte und nahm sich ein neues. Heiraten war überbewertet. Und mal nebenbei, dass die Familie Greengrass vor dem Bankrott stand und somit vielleicht gar nicht mehr lange zu der Schicht gehören würde, wäre er nicht da, um die Fehler von Robert Greengrass auszumerzen. „Wer ist der Kerl bei ihr?", hakte Draco nach und Blaise der gerade einer Blondine nachgesehen hatte, wandte sich ihm wieder zu.
„William York, dieser Schleimbeutel."

Bei dem Namen klingelte etwas in Dracos Kopf, aber er konnte ihn nicht zuordnen. Sicher, die Familie York gehörte zur guten Gesellschaft. Besaßen Gold und andere Besitztümer.
„Er ist im Ministerium. Politik. Will einen der hohen Posten und irgendwann später Minister werden.", fuhr Blaise fort und Draco ging ein Licht auf. Daher kannte er den Namen. William York wurde als der neue dynamische junge Politiker gehandelt. „Sein Vater hat ihm eine Stelle im Ministerium praktisch eingekauft."
„Ist das nicht immer so?", fragte Draco gelangweilt gegen.
Viel zu oft passierte das mit den zukünftigen Erben. Die Eltern besorgten irgendwelche Stellen im Ministerium oder anderen Ämtern, für glanzvolle und unnötige Karrieren.
„Ich gönne es dem Schleimbeutel trotzdem nicht und ich gönne sie ihm nicht.", knurrte der Dunkelhaarige fast schon.
York würde sie auch nicht kriegen. Nicht solange der Vertrag zwischen Astoria und ihm bestand.

„Wieso? Munkelt man etwas?", hakte Draco aus reinem Interesse nach.
Sie hatte unterzeichnet. Er machte sich also in dieser Hinsicht keine Sorgen.
„Keine Ahnung. Hyperion Greengrass verhandelt keine Eheverträge."
Draco gluckste. „Woher weißt du das?"
„Weil meine Mutter damals für Daphne angefragt hätte.", antwortete Blaise und klang dabei verbittert. „Er hat ihr wörtlich gesagt, dass er seine Kinder nicht verschachere und seine Töchter selbst entscheiden. Ist das zu fassen."
„Unglaublich.", erwiderte Draco übertrieben und Blaise sah ihn genervt an.
„Mach dich nur lustig über mich." Sie beide sahen wieder zu den Beiden anderen, als sie aufstanden und offenbar davon schritten. „Aber man sieht ihn recht häufig mit Astoria. Sie kennen sich offenbar sehr gut und wie so etwas endet, haben wir ja bei Daphne gesehen. Wobei natürlich die Wahl von einem York wesentlich stilvoller und angemessener ist, als von einem kleinen bedeutungslosen Archivar."




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