Sie lag nackt in ihrem Bett und besah sich das Armband, das er ihr geschenkt hatte. Ein silbernes schlichtes Armband mit einem kleinen weißen Diamantanhänger. Verrückt. Er hatte ihr das Geschenk gegeben, nachdem sie zum dritten Mal Sex hatten, und zwar hier drinnen, in ihrem Zimmer. Sie spielte mit dem Feuer, das wusste sie genau. Wenn jemand sie sehen oder hören würde, wäre die Hölle los. Besonders Daphne würde vermutlich total ausflippen. Sie hörte, wie er das Wasser in der Dusche abstellte und sie setzte sich im Bett auf, während sie ihr Laken fester um sich zog.
„Du hättest mir nichts schenken müssen.", sagte sie leise und er grinste.
„Du hattest Geburtstag. Man schenkt Geburtstagskindern etwas, oder nicht?" Sie rollte mit den Augen und schloss ihre Lider, als er sich kurz zu ihr beugte und sie küsste. Ihr Herz flatterte aufgeregt und sie sah ihm dabei zu, wie er begann sich anzuziehen. „Es ist nur eine Kleinigkeit."
Für ihn war es vermutlich eine Kleinigkeit. Das Armband war sicher ein halbes Vermögen wert, da war sie sich sicher.
„Ich will, das du mich begleitest.", fing er plötzlich an und sie runzelte die Stirn.
„Dich begleiten? Wohin?"
„Nach Frankreich. Ich habe dort nächste Woche Geschäftlich zu tun und möchte das du mich begleitest.", erwiderte er, als wäre es das normalste der Welt.
Sie lachte unsicher. „Das geht nicht."
Er hob nur kurz den Blick, während er in seine Hose schlüpfte. „Warum geht es nicht?"
Warum? War das ein Witz?
„Wie soll ich das meiner Familie erklären? Ich kann ja wohl schlecht sagen, dass ich dich geschäftlich nach Frankreich begleite? Und außerdem habe ich gewisse Verpflichtungen. Ich werde in der Uni erwartet."
„Du wirst dir doch bestimmt ein paar Tage freinehmen können, oder?", fragte er. „Das machen doch viele Studenten."
„Also ich nicht. Ich nehme mein Studium sehr ernst.", antwortete sie und er ging darauf gar nicht ein.
„Und du könntest ja sagen, dass du in Frankreich für eine Übersetzung recherchierst."
Noch mehr Lügen.
„Draco..."
„Sag einfach ja.", unterbrach er sie und küsste sie erneut. „Ich bettle nicht gerne.", warf er ein, als er ihre Lippen wieder frei ließ. „Es wird dir gefallen. Ich verspreche es."
Sie atmete angestrengt aus. „Gut. Gut ich komme mit."
Er grinste breit. „Sehr schön. Wir fliegen."
„Fliegen?", fragte sie nach.
„Ja, Fliegen. Mit einem Flugzeug. Ich lasse dich am Montag abholen von meiner Wohnung aus."
Sie nickte wie benebelt. „Okay."
Er küsste sie wieder und sie sah ihm nach, als er leise ihr Zimmer verließ. Was tat sie hier eigentlich? War sie verrückt? Verlor sie langsam ihren Verstand? Ihre Finger fuhren über das Armband. Ihr Herz schlug verräterisch schnell.
Was war nur los mit ihr? Das hier sollte ein Geschäft sein. Ein Deal. Doch sie merkte, wie diese Grenzen immer mehr verschoben wurden. Zumindest sah sie das so. Oder nahm er das auch so wahr? Empfand er so? Sie drückte ihre Hand gegen ihr pochendes Herz.
Du verliebst dich in ihn, schellte ihre innere Stimme und klang dabei fast spöttisch.
Verliebt? Das durfte nicht passieren. Er sah darin ein Geschäft nicht mehr. Egal wie nett und lieb er tun konnte. Das hatte er immer wieder deutlich gemacht. Immer wieder betont. Und wenn doch? Das hier wäre nicht gut für sie. Überhaupt nicht gut. Sie würde nur mit gebrochenen Herzen zurückbleiben.
Draco hatte keine Nerven dafür. Er versuchte die Stimme seiner Mutter auszublenden.
„Hörst du mir zu?"
„Mutter, ich sagte dir bereits zum zehnten Mal, ja. Und ich füge gerne erneut hinzu, nein, ich werde nicht mitkommen können. Ich bin geschäftlich ab Montag in Frankreich."
Er schloss den Koffer und stellte ihn vom Schlafzimmer in den Wohnraum.
„Machst du das mit Absicht?", fragte seine Mutter und Draco rollte mit den Augen.
„Ja, ich habe es eindeutig geplant nach Frankreich zu reisen, nur um deiner komischen Teeparty zu entgehen."
Eine Teeparty nur um wieder irgendwelche Frauen einzuladen, die seine Mutter als passend ansah für ihn als Ehefrau.
„Ich mache mir Sorgen, Draco."
Und er lachte falsch auf. „Wieso? Weil du wieder keine passende Kandidatin an den Mann bringst. Also an mich?"
Der Blick seiner Mutter wurde böse.
„Draco Malfoy, du bist dazu verpflichtet Erben zu zeugen und natürlich mache ich mir nicht nur deshalb Sorgen. Ich mache mir auch Sorgen darum, dass du alleine endest."
War das ihr größtes Problem?
„Mutter.", stöhnte er genervt.
„Wieso lasst du Manor in Schuss halten, nur damit du dort nicht wohnst. Nur damit es irgendwann leer steht. Denn das wird es, wenn du keine Kinder hast."
„Was interessiert dich das? Du hast seitdem du ins Stadthaus gezogen bist nie wieder Manor betreten. Seit dem Tod von Vater. Erinnerst du dich daran?", schimpfte Draco und es war ihm egal, dass sie blass wurde um die Nase.
„Das ist nicht fair, Draco."
„Nicht fair?", wiederholte er. „Es ist nicht fair, dass du hier in regelmäßigen Abständen auftauchst und so tust, als wäre nichts passiert, mir aber ständig in den Ohren liegst, dass ich mir eine Frau suchen soll, um ein glückliches erfülltes Leben zu führen."
„Draco..."
„Was du offenbar nicht hattest."
Sie sahen sich kurz an und in ihren Augen regte sich etwas.
„Hör auf damit.", verlangte seine Mutter gequält. „Ich bin nicht dein Feind. Sondern deine Mutter."
„Wenn du meine Mutter bist, dann hör auf mir auf die Nerven zu gehen und..."
„Ich muss das tun!", unterbrach ihn seine Mutter verzweifelt.
„Du musst mir eine Frau aufs Auge drücken?", fragte er belustigt.
„Du lässt niemanden an dich ran, Draco. Niemanden. Du stößt mich aus deinem Leben."
Er deutete auf sich selbst. „Ich? Du bist abgehauen."
Sie hatte ihn alleine gelassen. Sie ganz alleine.
„Das ist nicht wahr, Draco und..."
„Doch, ist es und ich habe keine Lust das hier weiter zu diskutieren. Mir geht es gut."
„Das hat dein Vater, auch gesagt. Genau das. Das alles in Ordnung ist. Dass es ihm bestens geht..."
„Ich bin nicht..."
„Und dann war er tot!"
„Ich bin nicht er!"
Er atmete schwer. „Ich bin nicht er, verdammt.", knurrte Draco. „Also wenn das deine Sorge sein sollte, dass du mich irgendwann tot im Arbeitszimmer findest, dann vergiss es."
„Draco....", fing sie an und ihre Augen wirkten feucht.
„Und falls du auf die dumme Idee kommst wieder aufzutauchen mit einer deiner Freundinnen und mit deren Tochter, möchte dich nur wissen lassen, dass ich nicht alleine sein werde in Frankreich." Sie blinzelte überrascht. „Also untersteh dich dort so eine Nummer abzuziehen wie letztes Jahr in New York, Mutter. Sonst werde ich unangenehm."
„Du... du bist nicht alleine? Wer... wer begleitet dich?"
„Eine Bekannte.", antwortete er und bevor sie weiter fragte, fügte er hinzu. „Und nein, ich denke nicht, dass ich sie heiraten werde. Oder wir uns verloben werden. Sie begleitet mich, mehr nicht." Das wollte er klarstellen, bevor sie in Gedanken schon wieder eine Hochzeit plante. „Ich bin zufrieden mit meinem Leben, Mutter."
„Draco, ich habe einfach Angst um dich."
Weshalb? Er war reich. Er war erfolgreich. Er war gutaussehend und verdammt einer der begehrtesten Junggesellen in der magischen Welt. Er brauchte kein Mitleid oder jemanden der sich Sorgen um ihn machte. Er hatte alles, was er brauchte.
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Der Deal
RomanceHyperion Greengrass hat sich verspekuliert. Die Familie und das Unternehmen stehen vor dem finanziellen Ruin. Doch eine Möglichkeit steht offen, Draco Malfoy, der zu den reichsten Männern Englands gehört, um Hilfe zu bitten. Doch Draco Malfoy ist ke...
