KILIAN
Nachdem dieses Mädchen mir meine Chance ruiniert hatte mit meinem Mate zu reden war ich nicht mehr zur Schule gefahren.
Ich hatte zu viel beim Rudel zu tun und meine Mutter machte mir ebenfalls Sorgen.
Ein Wolf kann den Tod seines Mates überleben, wenn er stark genug ist.
Meine Mutter war dies seit drei Jahren, doch immer wieder hatte ich das Gefühl, dass es ihr schlechter ging.
Sie ließ es sich nicht anmerken, aber ich kannte sie zu gut dafür.
Ich hatte ihr noch nichts von meinem Mate erzählt. Das würde ich auch erst, wenn ich selber einmal mit ihm geredet hatte.
Der weiße Wolf wurde immer seltener gesehen und da er keinen Ärger machte, hielt ich mich da bisher auch eher weniger dran auf.
Mir gefiel der Gedanke zwar nicht, dass sich ein fremder Wolf hier unerlaubt aufhielt, aber solange nichts passiert, war dies eine meiner kleinsten Sorgen.
Der Alpha zu sein war oftmals anstrengend, vor allem dann wenn man mit den eigenen Gedanken meist bei einer anderen Person war.
Ich hatte mir vorgenommen heute wieder zur Schule zu fahren.
Es war Freitag und von Liam wusste ich, bis wann mein Mate Unterricht hatte.
Pünktlich um ein Uhr stand ich also vor der Schule und wartete.
Nach nicht allzu langer Zeit trat er dann aus dem Gebäude.
Meine Freunde waren bereits gefahren und ich fing an zu lächeln als ich ihn sah.
Er bemerkte mich ebenfalls direkt und mit einer schnellen Bewegung hatte er sich umgedreht und humpelte so schnell es ging weg.
Schade nur für ihn, dass er nicht schnell genug war. Also lief ich gemütlich hinter ihm her bis wir im Wald ankamen.
„Warte!", rief ich dem schönen Jungen hinterher.
Schön?
Ehm, ja?
Kopfschüttelnd beschleunigte ich meine Schritte und hatte ihn nach wenigen Sekunden zu mir umgedreht, wobei er seine Krücken vor Schock fallen ließ und sich an mir festhielt.
Er keuchte auf als er bemerkte wie nah ich ihm war. Jedoch bekam er kein Wort raus und traute sich offensichtlich nicht sich zu bewegen.
„Wieso läufst du weg?"
„Weil... ehm..."
„Ich tu dir nichts, wenn man mal bedenkt, dass du mein Mate bist. Da könnte ich dir doch nie etwas antun.", flüsterte ich, während ich mein Gegenüber bewundernd anschaute und mir jedes einzelne Detail seines Gesichts einprägte. Er war ungefähr ein Kopf kleiner als ich und seine braunen Haare fielen ihm in leichten Locken auf seine Stirn.
„Würdest du vielleicht ein wenig mehr Abstand halten?", fragte er gequält und ich konnte ihm ansehen wie sehr er sich beherrschen musste.
„Sorry.", wich ich zurück und ließ ihn los.
Jedoch war dies keine gute Idee, denn er drohte umzukippen, weshalb ich schnell meine Hände wieder an seine Taille legte.
„Vielleicht doch nicht so weit weg.", lachte er und brachte mich ebenfalls zum grinsen.
„Nochmal sorry.", wiederholte ich mich.
„Ich bin Kilian.", stellte ich mich vor.
„Milo.", sagte mein Mate und schloss einmal die Augen, um sich zu beruhigen.
„Milo, schöner Name."
Ich lächelte ihn an und wollte auch schon wieder etwas sagen, als er mir dazwischen kam.
„Könntest du mir vielleicht meine Krücken wieder geben?", fragte Milo und sah mich schüchtern mit seinen grünen Augen an.
„Ja, sicher."
Während er sich weiter an mir festhielt, hob ich seine Krücken auf und ließ ihn wieder alleine stehen.
„Ich will ja wirklich nicht unhöflich sein, aber ich muss dringend nach Hause."
„Was?! Nein! Also ich meine... ich kann dich fahren."
Verzweifelt sah ich ihn an.
Da konnte ich das erste Mal mit ihm reden und er wollte schon wieder abhauen.
„Nein danke. Ich hab es nicht weit."
„Vergiss es! Ich lass dich doch nicht nach Hause humpeln. Ich bring dich!"
Er verdrehte seine Augen.
„Na gut.", gab er sich letztendlich geschlagen und ging mit mir zurück auf den Schulparkplatz.
Dieser war bereits wie leer gefegt.
Ich öffnete ihm gentlemanlike die Beifahrertür und schmiss seine Krücken auf die Rückbank.
Glücklich schlenderte ich um meinen Wagen und stieg ebenfalls ein.
Nachdem ich den Motor gestartet hatte, schaute ich ihn erwartungsvoll an.
„Was?", fragte Milo auch schon verwirrt.
„Wohin?", stellte ich ihm die Gegenfrage und fing an zu grinsen.
„Oh, achso. Rechts in den Wald.", antwortete er verlegen und schaute aus dem Fenster.
„Milo.", sprach ich seinen Namen aus, eigentlich nur weil ich ihn noch einmal sagen wollte, ehe ich weiter sprach.
„Wie alt bist du?"
„18.", kam die knappe Antwort.
Er spielte nervös mit seinen Fingern und kaute auf seiner Unterlippe.
„Die nächste rechts und dann einfach nur noch gerade aus.", hörte ich ihn leise sagen.
„Und du?"
Er schaute mich an, nachdem er die Frage ausgesprochen hatte.
„Ich was?"
Ich zog meine Augenbrauen hoch und blickte einen Moment zu ihm, bevor ich mich wieder der Straße widmete und abbog.
„Wie alt du bist.", lachte er.
„Oh, 21", lachte ich mit ihm.
Verwirrt runzelte ich die Stirn, als ich bemerkte wo wir uns befanden.
„Du wohnst mitten im Wald?", fragte ich also erstaunt.
„Mhm.", antwortete er nur.
„Wie unpraktisch für deine Eltern wenn sie zur Arbeit müssen.", überlegte ich laut.
„Ich wohne alleine.", sagte Milo so leise, dass ich es fast nicht verstand.
„Alleine? Echt?"
Ich hielt vor dem Haus, welches nicht weit entfernt von meinem Eigenen stand.
Milo war bereits schon halb aus dem Auto als ich ihn festhielt.
„Warte, bitte."
Erst als er wieder richtig saß sprach ich weiter.
„Kann ich vielleicht wenigstens deine Nummer haben?"
Flehend sah ich ihn an, als ich bemerkte, dass er nicht sehr begeistert von meiner Idee war.
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.", sagte er und schaute auf seine Hände, welche ich kurz darauf mit meinen umschloss.
„Sagen wir es mal so. Ich bin kompliziert was Beziehungen zu anderen angeht. Ich komme nunmal nicht so gut zurecht mit Vertrauen oder sonst was, also.",sprach er weiter und spielte mit meinen Fingern, was ihn zu beruhigen schien, er aber offensichtlich nicht bemerkte.
„Um Vertrauen aufzubauen, musst du den Personen aber erstmal eine Chance geben dir zu beweisen, dass sie es wert sind. Dieses Risiko muss jeder eingehen, wenn man versuchen will eine Beziehung zu jemandem aufzubauen. Du wirst so viel Zeit von mir bekommen wie du brauchst, ich werde dich wegen nichts unter Druck setzen, okay?", sagte ich und er schaute mich an.
„Okay.", kam seine knappe Antwort, welche mir aber reichte, um unsere Hände zu lösen und mein Handy herauszukramen.
Glücklich fuhr ich dann schließlich mit Milos Nummer in meinem Handy nach Hause und nahm mir fest vor mich ihm langsam zu nähern, in der Hoffnung, er würde nicht mehr zurückschrecken.
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Solitarius Lupus
WerewolfSolitarius Lupus - Einsamer Wolf Milo ist der einzige Nachfolger der Lupus Familie. Diese ist jedoch laut Geschichten bereits ausgerottet. Seine Eltern starben bei einem Autounfall, welchen Milo überlebte. Zwei Jahre später, umgezogen in ein unsch...
