Aurora
Mit einem leisen Knarzen öffnete sich die Tür und eine muntere Amelia trat herein. Man sah ihr nicht im Geringsten an, dass sie eine Viertelstunde vorher ein hartes Training absolviert hatte. Ich sah herab an mir. Im Vergleich zu ihr musste ich wie ein schreckliches, depressives Monster aussehen. Ich stiess einen leisen Seufzer aus. Amelia kam auf mich zu und als sie mich erblickte, verwandelte sich ihr Gesichtsausdruck. Voller Sorge setzte sie sich neben mich und legte mir einen Arm um die Schulter.
«Aurora, nun sag schon. Was ist los mit dir?», fragte sie mich.
Einen Moment lang sagte ich nichts. Ich wusste nicht einmal, wo ich anfangen sollte.
Ich erzählte ihr von meinen Albträumen über den Überfall und meiner Mutter, von meinen Panikattacken und wie Aren mir beide Male geholfen hatte.
Bei der Erwähnung seines Namens sah sie mich erstaunt an und es schien, als wollte sie mich unterbrechen, doch dann überlegte sie es sich doch anders und schwieg weiter. Danach erzählte ich ihr über Arens komisches Verhalten. Wie er mir immer wieder geholfen und mich dann heute wieder eiskalt ignoriert hatte.
Nachdem ich fertig war, sagte sie zuerst nichts, sondern lehnte sich nur zu mir herüber und umarmte mich fest.
«Das ist schrecklich!», flüsterte sie nur.
Sie blickte mich an.
«Es tut mir so leid.»
Ich lachte leise.
«Was tut dir denn leid?», fragte ich sie.
«Du hast doch gar nichts getan.»
«Doch, habe ich. Ich hätte mich mehr um dich kümmern sollen. Ich hätte da sein sollen für dich. Ich hätte merken sollen, wie schlecht es dir geht. Ich...»
«Ganz ruhig, Amelia!», lachte ich.
«Es ist nicht deine Schuld. Ich hätte zu dir kommen sollen.»
Sie sah noch nicht überzeugt aus.
«Komm heute zu mir, ich habe ein paar Freunde eingeladen.»
Eigentlich hatte ich keine Lust darauf und hatte mich auf einen ruhigen Abend gefreut, aber ich wusste, dass Amelia das unter keinen Umständen geduldet hätte. Also kratzte ich das letzte Häufchen Motivation und Freude zusammen und sagte überschwänglich:
«Das mache ich liebend gerne.»
Offenbar kaufte sie es mir ab, denn sie lächelte glücklich.
«Und», fragte ich nach einer Pause, «was meinst du? Wie soll ich mich Aren gegenüber verhalten?»
Dabei verschwand das letzte Körnchen an Freude und das Lächeln aus meinem Gesicht. Sie überlegte einen Moment. Dann sagte sie:
«Weisst du was? Ich finde, dass du zu ihm gehen und ihm deine Meinung sagen solltest. Dass du ihm sehr dafür dankst, dass er dir geholfen hat, er sich aber nun entscheiden muss, ob er mit dir befreundet sein oder dich einfach ignorieren will.»
Mit grossen Augen sah ich sie an.
«Amelia..., ich glaube nicht...»
«Doch, Aurora!», unterbrach sie mich.
«Er muss sich entscheiden.»
«Aber...»
«Kein aber!», sagte sie und blickte mich dabei streng an.
«Okay, ich mache es», nuschelte ich und schaute dabei auf den Boden.
Mit hochgezogen Augenbrauen blickte sie mich an.
«Aurora, nicht einmal ein tauber und blinder Mensch würde dir das abkaufen.»
Naja, Lügen war leider noch nie meine Stärke gewesen. Ich wusste einfach nicht, wie ich das zu Aren sagen konnte. Angenommen, ich würde tatsächlich genügend Mut aufbringen, zu ihm zu gehen, würde ich spätestens dann, wenn ich in seine wunderschönen, geheimnisvollen Augen blicken würde, keinen Satz, kein Wort, nicht einen Ton herausbringen.
Aber dann dachte ich daran, wie er mich vorhin ignoriert hatte, wie er einfach weitergelaufen war. Das Gefühl, diesen Stich im Herzen, welches es bei mir ausgelöst hatte.
Ich blickte ihr in die Augen. Mit fester Stimme sagte ich:
«Ich mache es. Noch heute.»
Danach war es auch schon Zeit für das Mittagessen und ich hatte einen Mordshunger.
«Alles okay bei dir?», fragte mich Amelia, nachdem ich bei meinem dritten Teller angelangt war und noch nicht einmal in die Nähe eines Sättigungsgefühls gekommen war.
«Ja, ich habe nur kein Frühstück gegessen», antwortete ich ihr mit noch halb vollem Mund.
«Nur das Frühstück?», fragte sie mich.
«Es sieht so aus, als ob du schon eine ganze Woche nichts gegessen hättest.»
Ich sah sie mit sehr finsterem Blick an, der aber nur verursachte, dass sie anfing zu lachen. Als ich sie daraufhin noch finsterer anblickte, ich hatte nun fast meinen finstersten aller Finsterblicke erreicht, hob sie die Arme in die Luft und sagte:
«Ist gut, ich habe nichts gesagt.»
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Amber - Das Erwachen
FantasiaNach dem Überfall auf ihr Haus wird Aurora ins Lager der Amalintas - der Beschützer der Welt - gebracht. Es stellt sich heraus, dass Auroras Blut, genau wie das Blut der Amalintas, die Farbe von Bernstein hat, was ihnen übernatürliche Kräfte verleih...
