Freitag, 12.06: Ivy
Es war bereits früher Abend, als ich mit klitschnassen blonden Haaren aus der Dusche stieg. Eigentlich war es ein Wunder gewesen, dass ich am Freitagnachmittag überhaupt noch einen Termin beim Friseursalon bekommen hatte.
Am liebsten hätte ich mir die Haare ja selbst gefärbt, aber Mama hatte mir einen langen Vortrag darüber gehalten, wie sehr man sich seine Haare kaputtmachen konnte, wenn man sie selbst blondierte.
Also hatte sie mich kurzerhand zum Friseursalon geschleppt, wo wir erst einmal eine Stunde warteten, bis ich endlich an der Reihe war.
Bevor die Friseurin mir endgültig die Haare färbte, fragte sie noch zwei Mal nach, ob ich mir auch wirklich sicher sei, denn es könnte passieren, dass meine Haare danach nie wieder ihre ursprüngliche Farbe haben würden.
Doch das war mir egal! Wer wollte schon schwarze Haare? Es sei denn sie standen einem so gut wie meiner Mutter. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren die Haare endlich fertig gefärbt.
Als die Friseurin die Folie von meinen Haaren zog, staunte ich nicht schlecht. Ich war kaum wiederzuerkennen! Meine Haare glänzten in einem wunderschönen gold- blond und betonten die kleinen Sommersprossen auf meiner Nase, obwohl ich noch nicht wusste, wie ich das finden sollte. Aber darüber konnte ich mir auch noch später Gedanken machen. Sommersprossen ließen sich schließlich überschminken.
"Dreh dich doch mal um, Schatz!", rief mir meine Mutter zu und ich drehte mich freudestrahlend um. Für einen Moment sah meine Mama aus, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen. Ihr Mund stand kurz offen, jedoch klappte sie ihn so schnell es ging wieder zu.
"Das ist", begann sie, "nun gut. Daran muss ich mich wohl noch gewöhnen." Ja, das musste sie. Genau wie ich. Aber ich freute mich darauf!
Die Friseurin befreite mich von dem Kittel, unter dem ich auch schon langsam zu schwitzen begonnen hatte, und ging zur Kasse. Ich erschrak. Bisher hatte ich mir noch gar keine Gedanken über den Preis gemacht. Bestimmt müsste ich ihn alleine bezahlen, weil Mama ja ohnehin nicht gerade begeistert von meiner Aktion war.
Umso erstaunter war ich, als meine Mutter kurzerhand ihr Portemonnaie öffnete und zwei Fünfziger zückte. "Wir machen Hälfte, Hälfte. Du gibst mir zuhause fünfzig Euro", erklärte sie mir. Anscheinend hatte sie meinen erstaunten Blick gesehen. "Ich finde, es ist wichtig bei Mädchen in deinem Alter Veränderungen zu akzeptieren. Sie sind ein wichtiger Teil deiner Kindheit. Und wenn du blonde Haare willst, dann ist das deine Entscheidung. Von mir aus könntest du auch grüne Haare haben. Aber beschwer dich dann nicht wenn...", weiter kam sie nicht, denn ich drückte sie ganz fest an mich, woraufhin sie schmunzelnd nach Luft schnappte: "Danke, Mama!"
Als wir den Laden wieder verließen, hätte ich schwören können, dass Mama der Friseurin heimlich zugezwinkert hatte und so etwas wie "Teenies" geflüstert hatte. Ja, das war meine Mutter. Auch wenn ihre langen Vorträge manchmal ganz schön nerven konnten, war sie doch die beste Mutter der Welt!
Jetzt stand ich hier, vor dem leicht beschlagenen Badezimmerspiegel und bewunderte meine neuen Haare, die aussahen wie gesponnenes Gold. Genau die Haare, die ich immer haben wollte!
Ich wickelte vorsichtig einen Turban darum, hüllte mich in meinen hellen rosa Bademantel und stieg langsam die Stufen zum Esszimmer hinab. Unten erwartete mich schon meine kleine Schwester. Ihre schwarzen, wuscheligen Haare hatte Mama ihr zu Zöpfen gebunden, mit denen sie noch frecher aussah, als sie ohnehin schon war. Dazu kamen noch die vielen kleinen Sommersprossen, die mich an mir selbst so nervten. Bei Marleen (auch Leni genannt) sahen sie einfach nur niedlich und frech aus.
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Novela JuvenilVirtuelle Freunde sind toll! Sie loben und bewundern dich, sie sind dir für jede Antwort dankbar und füttern dich mit Selbstbewusstsein. Aber sind sie auch noch da, wenn du gerade mal nicht perfekt gestylt bist? Trösten sie dich, wenn du nicht mehr...
