[4] Pierre Gasly x Charles Leclerc

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für mylittlelibrary


[4] ,,Er hätte mich niemals fahren lassen, wenn er davon gewusst hätte."

Silverstone, 14. Juli 2019

In meinem Rennoverall betrat ich nach meinen Interviews mein Fahrerzimmer, um mich umzuziehen und anschließend zum Briefing mit meinen Ingenieuren zu gehen. Als ich mein Zimmer betrat, saß Max auf meiner kleinen Couch und schien auf mich zu warten. Verwundert darüber schloss ich die Zimmertür hinter mir und sah ihn fragend an:,,Hey, solltest du nicht bei deinen Interviews sein?"

,,Ja, aber ich habe mich vorher umgezogen und wollte dann mein Handy aufladen, bis mir aufgefallen ist, dass ich dir mein Ladekabel gegeben habe", erklärte mein Teamkollege monoton und deutete auf den freien Platz neben sich, ,,jetzt müssen wir beide reden."

,,Uhm, wieso? Dein Ladekabel ist in meinem Rucksack. Warte einen Moment", gab ich irritiert von Max ernster Miene zurück und griff nach meiner Tasche.

,,Pierre, ich will mit dir nicht über mein Ladekabel reden", vermerkte Max. Ich holte sein Kabel aus meinem Rucksack, ehe ich die Tasche wieder sinken ließ und verwirrt nachfragte:,,Worüber willst du reden?"

,,Über die hier", gab er zurück und öffnete seine Hand. Zum Vorschein kam eine kleine Dose. Natürlich erkannte ich sie sofort und wusste, was dort drin war. Mein Herzschlag wurde augenblicklich schneller und schwer schluckte ich:,,Woher hast du die?"

,,Die war in der Vorderseite deines Rucksacks", antwortete Max, was mich zum Schnauben brachte:,,Ist das dein ernst? Du gehst einfach an meine Sachen, ohne vorher zu fragen?"

,,Ich habe nach meinem Ladekabel gesucht und dabei die Dose gefunden", rechtfertigte sich der Niederländer, ehe sein Blick etwas sanfter wurde, ,,außerdem geht es darum gerade nicht. Scheiße Pierre, wozu nimmst du Schlaftabletten?"

Ertappt wandte ich mich von Max ab. Ich spürte, wie langsam Frust und Wut in mir aufstieg. Hätte ich mit ihm über die Gründe reden wollen, wäre ich von selbst zu ihm gekommen. Doch ich hatte es nicht gewollt und nun wollte ich es immer noch nicht. Ich musste mir irgendeinen Weg einfallen lassen, um dem Gespräch aus dem Weg zu gehen und entschied mich alles abzustreiten:,,Wer sagt, dass ich die Tabletten nehme?"

,,Die Dose ist offen und halbleer", bemerkte er, was ich mit einem Schulterzucken quittierte:,,Na und? Ich nehme trotzdem keine."

,,Gut, dann kannst du mir ja in die Augen sehen und sagen, wer sie stattdessen nimmt", entgegnete Max.

Mein Blick glitt entsetzt zu ihm. So sehr ich es auch versuchte, mir fiel auf die Schnelle keine weitere Ausrede ein, weshalb ich nur das Ladekabel neben ihn auf die Couch warf und auf die Tür deutete:,,Das Kabel, was du gesucht hast. Jetzt kannst du gehen."

,,Also nimmst du sie", murmelte Max und musterte mich besorgt, ohne auf meine vorherigen Worte einzugehen, ,,wieso?"

,,F*ck, das kann dir doch egal sein", murrte ich und verschränkte meine Arme vor der Brust. Bei ihm war ich ohnehin aufgeflogen. Abstreiten brachte nichts mehr.

,,Es ist mir nicht egal. Du bist ein guter Freund von mir und ich mache mir Sorgen, wenn du solche Scheiße anstellst. Hast du eine Ahnung wie gefährlich das ist?", gab der Niederländer aufgebracht zurück und stand von meiner Couch auf. Ich verdrehte die Augen:,,Bitte verschon mich mit deiner Predigt und verschwinde einfach. Du bist der letzte, mit dem ich darüber reden würde."

,,Okay, das nehme ich so hin. Was ist mit Charles? Weiß er davon?", erkundigte er sich. Bei dem Namen meines Freundes zog sich mein Herz zusammen. Wenn ich nur an seinen enttäuschten und mitleidigen Blick dachte, sobald er etwas von den Schmerztabletten wüsste, wurde mir übel.

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