[56] ,,Du machst es mir wirklich schwer, dich gehen zu lassen."
Monaco, 27. März 2020
,,Was meinst du mit Nein?", ertönte die entsetzte Stimme meines Managers aus dem Hörer. Seufzend lehnte mich gegen die Säule, an der ich aufgehört hatte zu joggen, als mein Handy begonnen hatte, in der Hosentasche zu vibrieren, und fuhr meine vorherigen Worte wehmütig aus:,,Damit meine ich, dass ich nicht nach Italien kommen kann. Ich bin beschäftigt."
,,Du bist beschäftigt? Carlos, hier geht es um deine Karriere und Zukunft! Ferrari ist eine einzigartige Chance für dich. Du kannst das Team nicht warten lassen", gab er fassungslos zurück.
,,Es tut mir leid, Oñoro, aber ich kann es nicht. Ich kann den Vertrag nicht unterschreiben, nicht so", bemerkte ich aufgelöst und schloss für einen Moment gequält meine Augen, als die Erinnerungen von Alex Geburtstag hochkamen. Weder konnte ich den Vertrag mit Ferrari unterschreiben, noch Monaco überhaupt verlassen, bevor ich nicht noch einmal mit Lando gesprochen hatte. Ich konnte und wollte es nicht.
,,Nicht so? Was soll das nun wieder bedeuten? Hör auf mit den Spielchen und sag mir, was los ist!", forderte mich mein Manager entnervt auf. Damit er nicht gänzlich seine Nerven verlor, öffnete ich langsam wieder die Augen und kam seiner Aufforderung schuldbewusst nach:,,Ich habe das mit Lando verhauen."
,,Liebesdrama. Da hätte ich auch selbst draufkommen können", kommentierte Oñoro trocken. ,,Ist er gegen deinen Wechsel zu Ferrari?"
,,Nein, er würde sich niemals meinen Chancen in den Weg stellen", fuhr ich leise an, womit mein Gesprächspartner scheinbar nicht gerechnet hatte. Erst entwich ihm ein verwundertes ,,Huh?", dann stellte er irritiert dir nächste Frage:,,Womit hast du es dann verhauen?"
,,Damit, dass ich ihm nicht selbst von dem Wechsel erzählt habe. Ich habe ihm nie gesagt, dass du nicht mehr Andreas und Zak verhandelst und sich Ferrari bei dir gemeldet hat. Er hat es zufällig durch Charles erfahren, der es wohl von Mattia gehört hat", erklärte ich reumütig und raufte mir verzweifelt die Haare. Mittlerweile wusste ich ganz genau, was für ein Idiot ich gewesen war, und konnte nichts anderes, als mir Vorwürfe zu machen. Ich hätte früher mit Lando reden sollen. Ich hätte von Anfang an ehrlich mit ihm sein sollen und verfluchte mich selbst dafür, dass ich es nicht war. Obwohl ich ihn nur vor der Enttäuschung bewahren wollte, saß diese bei ihm nur umso tiefer.
,,Deshalb habt ihr euch gestritten?", hakte mein Manager deutlich einfühlsamer nach.
Schwermütig nickte ich auch, auch wenn Oñoro das gar nicht sehen konnte, und spürte zeitgleich, wie meine Augen allmählich glasig wurden:,,Ja, du hättest seinen enttäuschten und verletzten Blick sehen sollen. Er wird es mir nie verzeihen, dass ich ihm das verheimlicht habe."
,,Hat er das gesagt?", wollte er zögerlich wissen.
,,Nein, aber er meinte, dass es nichts auf der Welt gibt, was ihn mehr verletzt als Lügen und ich habe ihn angelogen. Das läuft auf das gleiche hinaus. Außerdem sieht er in unserer Beziehung keinen Sinn mehr, wenn ich mit ihm nicht über ernsthafte Entscheidungen rede", fasste ich Landos vergangene Worte zusammen, die sich in meinen Kopf gebrannt hatten. Hilflos fuhr mit zitternder Stimme fort:,,Oñoro, ich weiß nicht, was ich machen sollen. Das nächste Gespräch mit Lando könnte unser letztes sein und das macht mir Angst. Ich habe Angst, es zu ruinieren und ihn zu verlieren."
,,Okay, du atmest jetzt tief durch und beruhigst dich erstmal. Klar hast du einen Fehler gemacht und es ist verständlich, dass Lando verletzt ist. Allerdings habe ich dich letztes Jahr zu jedem Rennen begleitet und gesehen, wie ihr miteinander umgegangen seid. Ihr zwei liebt euch. In Beziehungen gibt es Tiefpunkte, aber da Liebe nun einmal auch verzeihen heißt, steht man die zusammen durch. Ich bin mir sicher, dass ihr auch euer Tief durchsteht", entgegnete er ruhig.
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