für painoton
[58] ,,Komm zurück ins Bett."
Monaco, 14. September 2020
Es war mitten in der Nacht, als ich auf meiner Couch saß und mein drittes Glas Scotch leerte. Meine Kehle brannte augenblicklich, doch das war genau das, was ich brauchte. Ich stellte mein Glas zurück auf den Couchtisch vor mir und fuhr mir dann murrend übers Gesicht. Noch immer konnte ich nicht glauben, in was für eine beschissene Lage ich mich in den letzten 48 Stunden gebracht hatte, und wusste ebenso wenig, wie ich dort wieder herauskommen sollte. Ich hatte es ruiniert. Ich hatte alles ruiniert.
,,Babe?", riss mich eine verschlafene Stimme aus den Gedanken. Überrascht schaute ich auf und sah zur Wohnzimmertür, in der Lando stand und sich gegen den Türrahmen lehnte:,,Was machst du hier? Es ist 3 Uhr morgens. Komm zurück ins Bett."
,,Ich komme gleich", schwor ich und versuchte mir für ihn ein liebevolles Lächeln auf die Lippen zu zwängen. Irgendwann würde ich mit Lando reden, das musste ich, allerdings wollte ich mir erst über meine Gefühle klar werden und sie wieder in den Griff bekommen, bevor ich ihm das Herz brechen und ihn verlieren würde.
,,Ist alles in Ordnung?", erkundigte sich der Brite aufmerksam und schien mein Lächeln durchschaut zu haben.
,,Ja, alles bestens. Ich bin gleich da", winkte ich ab und hoffte, dass er sich damit zufrieden geben würde, doch er tat es nicht. Lando stieß sich vom Türrahmen ab und deutete auf den Couchtisch:,,Nachdem du die Flasche Scotch ausgetrunken hast, oder was?"
,,Ich habe nur ein Glas getrunken", log ich, da ich wusste, wie sehr er Alkohol verabscheute und es genauso wenig leiden konnte, wenn ich trank.
,,Sicher", murmelte er und kam auf mich zu. Neben mir ließ er sich fallen und rutschte nah zu mir, um seinen Kopf auf meiner Schulter abzulegen. Sanft hakte er nach:,,Was ist los?"
Mir war klar, dass ich Lando nicht länger abschütteln oder eine Ausrede aufdrücken konnte. Ich musste ihm die Wahrheit sagen, auch wenn es mir die Tatsache, dass er sich an mich kuschelte und meine Nähe suchte, noch schwieriger machte. Er hatte die Wahrheit verdient. Somit atmete ich tief durch und setzte zögerlich an:,,Ich habe einen Fehler gemacht."
,,Was für einen Fehler?", wollte er behutsam wissen. So schwer mir die Worte auch über die Lippen kamen, fuhr ich fort:,,Erinnerst du dich daran, dass ich dir erzählte habe, dass ich Sonntag nach dem Rennen mit dem Team unser Ergebnis gefeiert habe?"
,,Ja", antwortete der Brite und schuldbewusst schluckte ich:,,Das war gelogen. Ich war bei Max."
,,Wieso warst du bei Max?", erkundigte er sich irritiert und hob nun seinen Kopf. Während ich Landos Blick auf mir spürte, sah ich auf meine Hände. Ich verschränkte sie, nur um sie wieder zu lösen und ein weiteres Mal zu verschränken.
,,Als ich von meinen Interviews zurück zum Motorhome gelaufen bin, habe ich gesehen, wie Christian und Max sich gestritten haben. Max ist danach in sein Fahrerzimmer abgedampft. Ich dachte, dass er jemanden zum Reden gebrauchen könnte und bin ihm hinterher", erzählte ich. Zwar wusste Lando, dass Max und ich gut befreundet waren, allerdings hatte er keine Ahnung davon, dass es einmal anders war, dass wir in unserer gemeinsamen Zeit bei RedBull weitaus mehr als Freunde waren. Nach einem langen hin und her waren wir jedoch an einem Punkt angekommen, an dem wir beide es nicht mehr ausgehalten hatten und getrennte Wege gegangen waren. Ich hatte das Team verlassen und monatelang herrschte Funkstille, bis wir durch Nico in der vergangenen Saison wieder ins Gespräch kamen. Zur gleichen Zeit hatten Lando und ich immer mehr miteinander zu tun gehabt, trafen in Interviews aufeinander und gingen abends aus.
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